Erwachsenenbildung: digital und international

Foto: Torsten Silz
Für Fernstudierende – die meisten sind berufstätig – ist das grundständige Studium eine Form der Weiterbildung.

Sie hatte zuvor das Lehrgebiet Wissenschaftliche Weiterbildung und Hochschuldidaktik an der FernUniversität mit vierjähriger Befristung inne. Der Übergang ist – nach Bewerbung, Probevortrag und Ernennung – ein nahtloser, eine Einarbeitungs- und Eingewöhnungszeit entfällt.

Kompetenzen der Fernstudierenden berücksichtigen

„Das neue Lehrgebiet ist eine Weiterentwicklung des ursprünglichen“, nimmt Eva Cendon den roten Faden auf. „An der FernUniversität haben wir viele berufstätige Erwachsene, für die auch das grundständige Studium eine Form der Weiterbildung ist.“ Die Bildungswissenschaftlerin beschäftigt sich schwerpunktmäßig damit, wie berufliche und akademische Bildung in hochschulischen Lehr-Lernprozessen stärker verzahnt werden. Wenn eine Ausbildung oder ein Erststudium bereits länger zurückliegen, haben Lernprozesse eine andere Dynamik. Es dreht sich also zum einen um die Frage, mit welchen Kompetenzen die Fernstudierenden an die Universität kommen. Zum anderen ist wichtig, welche Didaktik für erwachsene Lernende adäquat ist. „Erwachsenenbildung ist anschlussfähig an Hochschuldidaktik“, kommt sie auf die Weiterentwicklung zurück.

Foto: FernUniversität
Prof. Eva Cendon und Rektorin Prof. Ada Pellert beim Ernennungstermin

Soziales Lernen digital ermöglichen

Hat sich dabei die Digitalisierung schon seit längerem als Treiber erwiesen, so hat die Coronapandemie diese Entwicklung beschleunigt – auch an der FernUniversität. Wie ist die Transformation von Lehr-Lernszenarien insbesondere im Kontext der Erwachsenen- und Weiterbildung zu bewältigen? Welche konkreten Formate und Methoden erweisen sich dabei als zukunftsfähig? „Wir erleben es seit zwei Jahren, dass bei rein virtuellen Meetings der soziale Austausch fehlt“, so Cendon. Das aber ist eine wesentliche Komponente fürs Lernen. „Wie bilden wir sozialen Austausch digital ab? Da muss man experimentieren, unterschiedliche digitale Werkzeuge testen.“ Das tun sie gerade im Lehrgebietsteam sowie mit externen Partnerinnen und Partnern. Aus den Erfahrungen der eigenen experimentellen Zusammenarbeit leitet Cendon ab, welche Tools sie künftig in der Lehre einsetzt.

Neben einem Modul im Bachelor Bildungswissenschaft bietet sie eines im Master eEducation an. Zudem betreut Cendon ein international ausgerichtetes Modul in einer Kooperation mit Fernuniversitäten in Finnland, Portugal und der Türkei: „Digitally Competent Educators“. In der Internationalisierung sieht sie den Mehrwert des Moduls. „Die Studierenden haben großes Interesse am internationalen Austausch.“ Das Thema Internationalisierung treibt sie nicht nur in der Lehre um: Sie forscht auch dazu in einem Erasmus+-Projekt „The ONE Meeting Project“. Außerdem engagiert sie sich im Netzwerk „University of the Future“, das sie mitgegründet hat.

Akademische Stationen

Nach ihrer Ausbildung zur Grundschullehrerin, ihrem Pädagogikstudium mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung und ihrer Promotion an der Universität in Graz in Österreich arbeitete Eva Cendon an der Donau-Universität Krems im Bereich Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement. Von der Erwachsenenbildung über das Feld lebenslanges Lernen und die Forschung zu bildungspolitischen Entwicklungen war der Schritt zur wissenschaftlichen Weiterbildung ein kleiner. Mit der Ernennung zur Professorin für Erwachsenen- und Weiterbildung kehrt sie wieder zu ihren akademischen Wurzeln zurück.

International, national und regional: Eva Cendon repräsentiert außerdem über die Digitale Hochschule NRW die FernUni als eine von dreizehn Hochschulen im Vorhaben HD@DH.nrw: Hochschuldidaktik im digitalen Zeitalter. Im Kern geht es darum, passende Weiterbildungsangebote für Hochschullehrende in NRW in Bezug auf ihre digitalen Kompetenzen auf unterschiedlichen Erfahrungsstufen zu entwickeln und anzubieten.

Die offene deutsche Fernuniversität – ein Zukunftsmodell?

Was die Digitale Hochschule NRW regional versucht – übergreifende Strukturen zu schaffen und gemeinsam Angebote zu entwickeln –, hat Eva Cendon in einer vom Bundesbildungsministerium geförderten Studie auf bundesweiter Ebene untersucht: mit der Frage danach, wie Hochschulen sich in den digitalen Raum und für neue Zielgruppen öffnen können. „Idealerweise eben in Verbundstrukturen“, lautet die Antwort. Gemeinsam mit ihrem Team hat Cendon analysiert, welche Möglichkeiten es für solch ein Verbundmodell aus Hochschulen in Deutschland gibt, die für ein länderübergreifendes, sozial durchlässiges, diverses und digitalisiertes Bildungsangebot an einem Strang ziehen. Der Zusammenschluss zu einer „German Digital Open University (GDOU)“ nur eine (wissenschaftliche) Utopie? „Keineswegs“, lautet das Ergebnis der Studie. „Mit Blick auf die internationale Bildungslandschaft zeigt sich das besondere Potenzial offener Fernhochschulen. In Deutschland könnte die FernUniversität eine wichtige Rolle in einer solchen Entwicklung spielen“, meint die Professorin.


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Anja Wetter | 22.06.2022