FernUniversität tritt Scholars at Risk bei

Sprechblase mit Stacheldraht Foto: Baac3nes/Moment/GettyImages

Ob Krieg oder politischer Druck: Wissenschaft und Forschung sind in vielen Ländern der Welt bedroht. Das Netzwerk Scholars at Risk (SAR) setzt sich seit seiner Gründung 1999 an der University of Chicago für den Schutz von in ihrer Heimat bedrohten und verfolgten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein. Die FernUniversität in Hagen gehört nun ebenfalls zu dem Verbund von über 500 Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen in 41 Ländern.

„Als FernUniversität drücken wir mit dem Beitritt zu Scholars at Risk deutlich unser Bekenntnis zur Freiheit der Wissenschaft aus. Es wird jetzt darum gehen, diese Haltung auch zu leben und gefährdeten Kolleginnen und Kollegen zur Seite zu stehen. Ich lade alle Angehörigen der FernUniversität dazu ein, sich hier einzubringen“, unterstreicht Prof. Dr. Uwe Elsholz, Prorektor für Weiterbildung, Transfer und Internationalisierung, das wissenschaftspolitische Zeichen.

Interne Initiative

Der Beitritt zum SAR geht auf eine Initiative des Lehrgebiets Community Psychology zurück. Dr. Jolanda van der Noll hatte in der Türkei Gerichtsverhandlungen beigewohnt, in denen gefährdete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angeklagt waren. Diese Erfahrung gab sie an die Hochschulleitung weiter: „Die Arbeit von Scholars at Risk ist wesentlich für die Lebensbedingungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der ganzen Welt, daher habe ich eine Mitgliedschaft der FernUniversität angeregt,“ berichtet Van der Noll.

Betreut wird die Mitgliedschaft bei SAR vom International Office der FernUni, das SAR auf dem International Day am 3. Dezember vorstellen wird, an dem Tag wird auch eine betroffene Wissenschaftlerin zu Wort kommen.

Eine weitere Gelegenheit sich zu informieren besteht am 12. Dezember im Rahmen eines Kolloquiums der Fakultät für Psychologie, an dessen wissenschaftlichen Teil sich hochschulöffentliche Vorträge anschließen: Elif Sandal Önal, eine gefährdete Wissenschaftlerin aus der Türkei, hält sich seit Kurzem an der Universität in Bielefeld auf und berichtet über die Situation in der Türkei. Michal Bilewicz von der Universität in Warschau erzählt etwas über die Situation in Osteuropa. Dazu lädt die Fakultät alle Interessierten ab 14 Uhr in das Seminargebäude (Raum 4+5) ein.

Fernbetreuung

„Wir können als FernUni grundsätzlich entscheiden, welche Möglichkeiten wir nutzen und welche Aktivitäten wir planen“, beschreibt Dr. Ingrid Thaler vom International Office. Das reicht von Teilnahmen an entsprechenden Konferenzen oder Workshops zum Thema über Ringvorlesungen bis dahin, gefährdete oder geflüchtete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufzunehmen. Derzeit laufen auch Planungen, wie auch eine Fernbetreuung („remote Affiliation“) etabliert werden kann, wenn Angehörige der FernUni gefährdete Kolleginnen oder Kollegen aufnehmen und anbinden wollen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht reisen können.

Stipendium für gefährdete Forschende

Mit dem Beitritt zu SAR wird die FernUniversität automatisch Mitglied der deutschen Sektion. Zentrale Ansprechinstitution ist die „Alexander von Humboldt-Stiftung“ in Bonn. SAR hilft unter anderem bei der Vermittlung von bedrohten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Gasteinrichtungen als auch bei einer Gefähr­dungs­prüfung für die „Philipp Schwartz-Initiative“. Darüber erhalten Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland die Möglichkeit, gefährdete Forschende im Rahmen eines Vollstipendiums für 24 Monate aufzunehmen.

Anja Wetter | 02.01.2020