Sabrina Friedel

Von der Musikerin zur Juristin

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Sabrina Friedel absolvierte 2020 ihr Erstes Staatsexamen nach dem Jura-Studium an der FernUni.

Sabrina Friedel ist eigentlich Berufsmusikerin. Sie spielt Geige, studierte Musik und Musikpädagogik, wollte promovieren. Doch für die Zulassung an der Universität der Künste in Berlin fehlten ihr Leistungspunkte. 30 ECTS sollte sie nachstudieren. In welchem Fach, darüber hat ihr der Promotionsausschuss freie Wahl gelassen, nur ein richtiges Universitätsstudium musste es sein. „Daraufhin habe ich mir das Angebot der FernUniversität in Hagen angeschaut und dachte, Jura klingt doch gut, ich fand Rechtsfragen schon immer total spannend“, erinnert sich die 37-Jährige an das Jahr ihrer Einschreibung in den Bachelorstudiengang Rechtswissenschaften und Erste Juristische Prüfung (EJP).

Das war 2016. Zwei Praktika bei Gericht und einer Behörde sowie viele Klausuren in Straf-, Zivil- und Verwaltungsrecht später meisterte Sabrina Friedel das Erste Staatsexamen. Für die nächsten zwei Jahre ist sie jetzt als Rechtsreferendarin unter anderem am Landgericht tätig. Dieser Juristische Vorbereitungsdienst ist eine zwingende Voraussetzung für das Zweite Staatsexamen. Für den Master of Laws gilt das nicht. Den studiert die Deutschlandstipendiatin nun „zum reinen Vergnügen“, sagt sie allerdings mit einem Augenzwinkern, weil sie sich so an das Fernstudium gewöhnt habe.

Dabei bezeichnet sie ihren Studienstart aus heutiger Sicht als „recht unambitioniert“. Doch mit den ersten Modulen kam der Spaß am Lernen und die Einsicht, dass das Jura-Studium ganz anders war, als sie es sich vorgestellt hatte. „Ich war davon ausgegangen, dass man sich den ganzen Tag mit Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder Verträgen rumschlagen muss“, erinnert sie sich, „doch stattdessen habe ich gemerkt, dass das ganze Leben von der Rechtswissenschaft durchzogen ist. Das Jura-Studium an der FernUni eröffnete mir eine völlig neue Welt.“

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Ausnahmsweise mit Bratsche: Sabrina Friedel neben einer Replik des Johann-Strauß-Denkmals in Wien.

Für die Musik war plötzlich kein Platz mehr

Eine Welt, in der für eine Dissertation in Musik und die nächste Tournee mit den Philharmonikern plötzlich kein Platz mehr war. Statt der Geige nahm Sabrina Friedel jetzt viel öfter Gesetzesbücher in die Hand. Wo sich früher Noten stapelten, waren es jetzt Grundgesetz, Bürgerliches Gesetzbuch oder die Strafprozessordnung. Sabrina Friedel visierte neue berufliche Ziele an. „Natürlich sind Konzertreisen durch Deutschland oder Tourneen durch Europa toll, aber die Arbeitszeiten sind mit der Familie schwer vereinbar und die Auswahlverfahren von Orchestern harte Angelegenheiten. Außerdem sind die Berufsaussichten als Juristin einfach sehr viel besser.“ Genau diese Aussicht auf einen klassischen juristischen Job brachte noch mal eine ordentliche Portion Motivation ins Studium.

„Ich hatte mir vorgenommen, möglichst schnell den Bachelor zu machen, weil es in NRW eine Altersgrenze für die Verbeamtung gibt.“ Die magische Linie, das zweiundvierzigste Lebensjahr, war zu diesem Zeitpunkt zwar noch in weiter Ferne, doch die junge Frau wollte sich eine Beamtenlaufbahn nicht allein schon durch die Altersgrenze verbauen: „Es ging mir darum, alle Möglichkeiten offenzuhalten, wie zum Beispiel, Richterin oder Verwaltungsjuristin zu werden.“

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Zwischen den Unterrichtsstunden ihrer Musikschülerinnen und -schüler lernte Sabrina Friedel für ihr Studium an der FernUni.

„Richterin ist mein Highend-Ziel“

Heute staunt sie selbst über ihre Disziplin und über den Erfolg, sowohl das Jura-Studium als auch das Erste Staatsexamen geschafft zu haben. „Wenn man mal überlegt, von wo ich gestartet bin und wo ich heute stehe, dann kann ich es manchmal kaum fassen. Egal, ob ich das Zweite Staatsexamen ebenfalls schaffen werde, ich kann zukünftigen Arbeitgebern signalisieren, dass ich außer Musik auch noch etwas anderes kann.“

Ob es mit dem Zweiten Staatsexamen klappt oder nicht, den Abschluss Bachelor of Laws hat sie sicher, das Erste Staatsexamen auch. Die Abschlüsse in Musik sowieso. Und den Master of Laws in Aussicht. Sabrina Friedel weiß, wenn sie strauchelt und fällt, fällt sie weich: „Alles, was jetzt noch kommt, ist für mich Bonus. Richterin ist mein Highend-Ziel, aber ob es dafür reicht oder ob ich zurück in die Kultur gehe, das weiß ich noch nicht.“ Etwas Zeit zum Nachdenken hat sie noch, der Termin für das Zweite Staatsexamen ist erst im Frühjahr 2022. Und ihr zweiundvierzigster Geburtstag sogar erst 2025.

Stand: Dezember 2020

Sarah Müller | 12.08.2021