Lukas Waschat

Flexibilität für die Firmengründung

Lukas Waschat blickt aus seinem neuen Büro auf den Campus des Hasso-Plattner-Instituts (HPI). Das HPI ist ein An-Institut der Universität Potsdam zur Erforschung und Entwicklung von Softwaresystemtechnik. Waschat studiert im sechsten Bachelor-Semester in Vollzeit Psychologie an der FernUniversität in Hagen. Sein Geschäftspartner und Freund studiert IT-Systems Engineering an einer Präsenzuniversität. Vor Kurzem haben sie ihre Firmenräume bezogen. Diese werden schon bald die Schaltzentrale ihres Unternehmens sein. Von hier aus wollen sie die Welt verändern, zumindest die Welt der Marktforschung. Der erste Schritt ist bereits getan. Mit ihrer Idee zur Personalisierung von Marktforschungsverfahren setzten sie sich gemeinsam mit einem Konkurrenz-Team beim HPI-Businessplan-Wettbewerb durch.

Zwei junge Männer halten jeweils einen Laptop und stehen Rücken an Rücken.
Gewannen mit ihrer Geschäftsidee beim Businessplan-Wettbewerb des HPI und gründeten ihr eigenes Unternehmen: FernUni-Student Lukas Waschat (rechts) und Tim Friedrich. Foto: Kay Herschelmann

FernUni verschaffte Flexibilität

„Ich schätze Flexibilität“, sagt Lukas Waschat von sich. Und so zog er nach dem Abitur von Duisburg zu seiner Freundin nach Berlin. Dort wollte er studieren, unbedingt Psychologie: „Ich hatte Psychologie als Leistungskurs am Gymnasiums. Damals habe ich gemerkt, dass ich ein intuitives Verständnis für psychologische Zusammenhänge habe. Etwas anderes wollte ich nicht studieren.“ Allerdings war der Numerus Clausus zu hoch für ihn. Flexibilität ja, Kompromisse nein – also schrieb sich Waschat an der FernUniversität im Bachelor-Studiengang Psychologie ein. Trotzdem: Das Fernstudium sei eigentlich nur eine Notlösung gewesen – eigentlich: „Ich wollte ein paar Module studieren und dann an eine Präsenzuni wechseln“, sagt er. Doch das Hagener Fernstudiensystem überzeugte ihn. Es ist vor allem der Mix aus Online-Veranstaltungen und Studienbriefen, den er schätzt und der ihm Flexibilität verschafft. Zum Beispiel, um parallel bei einem Marktforschungsinstitut zu arbeiten und eine Idee zu entwickeln.

Rostiges Rad

„Bei einem Berliner Marktforschungsinstitut habe ich bei der Ausarbeitung von Fragebögen geholfen. Darunter für Kundinnen- beziehungsweise Kundenumfragen“, erzählt Waschat. Hier sei ihm etwas aufgefallen: „Das übliche Auswertungsverfahren ist mangelhaft.“ Es fehle einfach „die Persönlichkeit der Probandinnen und Probanden“, sagt Waschat – und wird deutlicher: „Arbeiten mit der bisherigen Auswertungsmethodik ist wie das Fahren auf einem verrosteten Fahrrad.“ Man komme zwar ans Ziel, aber eher mühsam, umständlich und man wisse nie, wie lange es gut geht.

Das theoretische Rüstzeug, um das zu erkennen, eignete er sich im Fernstudium an: „Besonders interessiere ich mich für Persönlichkeits- und Sozialpsychologie“, erklärt Waschat. Dieses Wissen helfe ihm zu verstehen, „wie Interview- und Antwortverhalten funktionieren“.

Erfolg mit Geschäftsidee

Bei einem Call Center wollte Lukas Waschat seine Idee umsetzen und „praktisch erleben“, was er zuvor nur aus der Theorie seines Studiums kannte: wie Kundinnen und Kunden am Telefon auf Umfragen reagieren. „Es war frustrierend“, sagt Waschat rückblickend über die Erfahrung als Callcenter-Agent. Gleichzeitig motivierte sie ihn. Denn er ging zu seinem Chef und erklärte ihm seine Idee – die Persönlichkeit der Interviewten in Fragen und Auswertung zu berücksichtigen. „Genauere Daten“ wollte er so erfassen, damit Erhebung und Auswertung „effektiver funktionieren“. Sein Chef war gleich überzeugt.

Jetzt wollte Waschat es wissen. Und zwar so sehr, dass er die Idee mit seinem Freund und jetzigen Kollegen weiterentwickelte und verfeinerte. An gesprächsreichen Abenden bei einigen Gläsern Bier flossen die Gedanken der beiden Nachwuchsunternehmer nach und nach in eine konkrete Form. Mit einem fertigen Geschäftskonzept bewarben sie sich beim Businessplan-Wettbewerb des Hasso-Plattner-Instituts. In mehreren Präsentationsrunden setzten sie sich gegen fast alle Konkurrentinnen und Konkurrenten durch.

Grundlage durch Fernstudium

Neben Waschat war auch ein zweites Team erfolgreich und die Jury entschied sich für zwei erste Plätze. Beide Nachwuchsunternehmen erhielten Geld- und Sachleistungen im Wert von 100.000 Euro. Neben dem eigenen Büro gehören ein Wirtschafts-Coaching, eine Rechtsberatung sowie Start-Kapital zu den Leistungen. Die nächsten Schritte: „Wir werden eine Internetplattform als Prototypen für unser Marktforschungskonzept entwickeln“, sagt Lukas Waschat.

Und sein Fernstudium? „Das schließe ich natürlich ab.“ Im Sommersemester 2015 will Waschat den Bachelor-Abschluss in der Tasche haben. Bereits jetzt beginnt er aber einen neuen Lebensabschnitt, als Jung-Unternehmer. Die Grundlage legte er mit seinem Psychologie-Studium an der FernUniversität.

Stand: Februar 2015

Matthias Fejes | 20.09.2018