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Schwieriges Erbe. Die Kirchen und ihr Umgang mit den nationalsozialistischen Tätern

13. April 2016

Vortragsreihe: Lüdenscheider Gespräche

Zeitraum
13.04.2016 18:00 Uhr
(bis 20 Uhr)

Ort
Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid

Veranstalter
Institut für Geschichte und Biographie

Referent
Prof. Dr. Olaf Blaschke
Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Moderation
Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

Auskunft erteilt
Eva Engelhardt

Die Haltung der Kirchen zu den nationalsozialistischen Tätern seit 1945 kann nur als ausgesprochen ambivalent bezeichnet werden. In öffentlichen Schuldbekenntnissen machten sich die evangelische und die katholische Kirche weitgehend frei von Mitverantwortung. Sofort distanzierten sie sich wie Pius XII. vom “satanischen Gespenst des Nationalsozialismus”. Zugleich jedoch setzten sie sich für die inhaftierten “sogenannten Kriegsverbrecher” ein. Mehr noch, hinter den Kulissen halfen insbesondere Akteure und Instanzen der katholischen Kirche etlichen NS- Tätern schweren Kalibers, sich zu verstecken oder gar aus Deutschland und Europa mit gefälschten Papieren zu fliehen. Dank der sogenannten “Klosterroute” gelang etwa Adolf Eichmann, dem operativen Organisator der Judenvernichtung, die Flucht über Südtirol nach Argentinien. Auf den bewährten Wegen, von den Amerikanern “Rattenlinie” genannt, entkam auch Klaus Barbie, der Gestapochef in Lyon. Die Beleuchtung dieser beiden Seiten der “Vergangenheitsbewältigung” – zwischen Ablehnung und Vergebung – wirft die Frage auf, ob die Kirchen in den ersten Nachkriegsjahren eine strategische “Vergangenheitspolitik” verfolgten.

Gerd Dapprich | 06.12.2017