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„Eine ganz normale Nation?“

01. Juni 2016

Vortragsreihe: BürgerUniversität Coesfeld

Zeitraum
01.06.2016 19:00 Uhr


Ort
Osterwicker Str. 29, 48653 Coesfeld (WBK – Wissen Bildung Kultur)

Veranstalter
Ernsting's family-Junior-Stiftungsprofessur für Soziologie familialer Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften (Jun.-Prof. Dr. Dorett Funcke)

Referent
Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Brüggemeier
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
geboren 1951 in Bottrop, studierte Geschichte, Sozialwissenschaften und Medizin und arbeitete 1982/83 als Arzt sowie anschließend an der FernUniversität in Hagen und der Universität Hannover. Seit 1998 ist er Professor an der Universität Freiburg, unterrichtete als Visiting Professor in York (England) und Harvard (USA) und hat zahlreiche Beiträge zur Sozial- und Umweltgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts veröffentlicht. Seine aktuellen Schwerpunkte liegen auf der Umweltgeschichte, Großbritannien im 20. Jahrhundert und der Bedeutung des Sports in modernen Gesellschaften. Außerdem hat er mehrere große historische Ausstellungen geleitet, darunter „Feuer und Flamme. 200 Jahre Ruhrgebiet“ und „Der Ball ist rund. Die Fußballausstellung“, jeweils im Gasometer Oberhausen.

Auskunft erteilt
Regionalzentrum Coesfeld

Schon den Zeitgenossen war klar, dass am 4. Juli 1954 in Bern etwas Ungewöhnliches passiert war. Dort hatte nicht nur ein Fußballspiel stattgefunden. Vielmehr riss die deutsche Mannschaft mit dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 die gesamte deutsche Gesellschaft auf ungeahnte Weise mit.

Der Vortrag beschreibt diese Gesellschaft, die bestimmt war von Wirtschaftswunder und Armut, Unsicherheit und Auftrumpfen, den Nachwirkungen von Krieg und Nationalsozialismus und der angestrengten Suche nach Normalität. Vor diesem Hintergrund fand das Endspiel in Bern statt, das ungeahnte Reaktionen auslöste und zeigte, wie eng sportliche Ereignisse mit politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekten zusammenhingen.

Im Rückblick wird deutlich, wie der Weltmeistertitel die Deutschen aus der Bahn warf und für einen Moment eine neue Gemeinschaft schuf. Diese Gemeinschaft erlebten sie überaus intensiv, doch sie war bald wieder verschwunden und wurde erst nach Jahrzehnten wieder entdeckt.


Gerd Dapprich | 06.12.2017