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Interdependenzen und Transformationen: Gender und Kult im Römischen Reich

15. Juli 2016

Vortragsreihe: Wissenschaftsgespräche

Zeitraum
15.07.2016 - 16.07.2016
15:00 Uhr

Ort
FernUniversität, KSW-Gebäude, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen, Trakt B, Raum 0.025

Auskunft erteilt
C. Urs Wohlthat, M. A., Studiengangskoordination, Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, B.A. Kulturwissenschaften / M.A. Europäische Moderne/M.A. Philosophie im europäischen Kontext
(Tel.: 02331/987-4795)

Weiteres zur Auskunft


Der Workshop behandelt die Rolle von Frauen in Kulten der römischen Kaiserzeit (1.-4. Jh. n. Chr.) unter der Perspektive von Interdependenzen ihrer Rollen als "Frau" und "Kult-Akteurin" sowie anderen sozialen Rollen wie "Bürgerin", "Fremde", "Aristokratin" oder "Freigelassene". Gemeinsam gehen die Referenten der Frage nach, inwiefern sich die Rollen gegenseitig beeinflussten und die Handlungsmöglichkeiten von Frauen so verändert, d.h. beschnitten, erweitert oder neu geschaffen wurden.


Betrachtet man die jüngste Forschung zur Geschichte der römischen Kaiserzeit, so fällt kaum ein Wort so häufig wie „Transformation“. Im Rahmen der Religionsgeschichte meint „Transformation“ dabei vor allem die Verwandlung der paganen Antike in die christliche Spätantike. Dass diese Transformation aber nicht die einzige Veränderung in der religiösen Kultur des Römischen Reiches war, demonstrieren pagane wie jüdisch-christliche Autoren gleichermaßen: Sowohl Paulus als auch Plutarch berichten von Frauen in zentralen kultischen Stellungen. Während aber Paulus die Frauen zumindest im ersten Korintherbrief Männern unterordnet, erkennt Plutarch die Leitungsfunktion seiner Schülerin Klea im Dionysos-Kult durchaus wohlwollend an. Andererseits galten Plutarch alte Frauen geradezu als Innbegriff abergläubischer Praktiken.

In den letzten Jahren ist die Forschung daher vermehrt dazu übergegangen religiöse Praktiken und Handlungsspielräume von Frauen in kultischen Kontexten als interdependent mit anderen Kriterien zu sehen. Besonderes Augenmerk fanden dabei sowohl der sozioökonomische Status als auch der Zugang zu exklusivem Wissen. Weitere Möglichkeiten könnten sich aber auch in all denjenigen Kulten geboten haben, die bei den lokalen Eliten weniger begehrt waren, etwa den sogenannten orientalischen Kulten oder dem Kaiserkult.

Dass verschiedene soziale Kategorien (z. B. Gender und Ethnie) Minderheiten nicht nur in Form von Intersektionalität marginalisieren, sondern diese Identitätsanteile interdependent sind und durchaus eigene Spielräume und Handlungsfelder eröffnen können, ist abseits der Altertumswissenschaften jüngst immer wieder diskutiert worden. In dem noch jungen Interdependenzdiskurs fallen bislang jedoch vor allem Studien zu Judentum und Christentum mit Beiträgen zur Antike auf. Untersuchungen zum „doing gender“ und gleichzeitigem „doing religion“ in den paganen Kulten, stehen in dieser Hinsicht jedoch weitestgehend aus. Der Workshop hofft hier neue Impulse schaffen zu können.

Ziel des Workshops ist es für das Römische Reich des späten 1. Jahrhunderts vor Christus bis in das 4. Jahrhundert nach Christus zu untersuchen, in wieweit:

- Frauen in etablierten, wie neuen Kulten zentrale Positionen besetzten,
- wie ihre dortigen Handlungsfelder und –spielräume aussahen oder gegebenenfalls von ihnen ausgestaltet werden konnten,
- ob es Frauen möglich war neue Handlungsfelder in Kultkontexten zu besetzen,
- wie und nach welchen Maßstäben die Handlungen von Frauen in der zeitgenössischen Literatur bewertet wurden
- und welche sozialen und kulturellen Faktoren eine Partizipation von Frauen ermöglichten, förderten oder beschnitten.

Referentinnen und Referenten sind: Marcus Hellwing (Universität Erfurt), Elena Köstner (Universität Regensburg), Aliyah El Mansy Philipps-Universität Marburg), Lisa Marie Wichern (Goethe-Universität, Frankfurt am Main), Laura Willer (Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg), C. Urs Wohlthat (FernUniversität in Hagen), Sabrina Worch (Hochschule für Jüdische Studien, Heidelberg).

Die Teilnahme ist kostenfrei, Anmeldungen sind notwendig bei christian-urs.wohlthat@fernuni-hagen.de.

Gerd Dapprich | 06.12.2017