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Vertauschte Köpfe? Bioethische Reflexionen zur Frage der Kopftransplantation

19. Oktober 2017

Vortragsreihe: Forum Philosophicum

Zeitraum
19.10.2017 16:00 Uhr
(bis 18.30 Uhr)

Ort
Seminargebäude der FernUniversität, R. 1 - 3, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen

Veranstalter
Institut für Philosophie

Referent
Dr. Marcus Knaup
Institut für Philosophie

Auskunft erteilt
Christoph Düchting

Der Titel des Vortrags von Dr. Marcus Knaup (FernUniversität in Hagen) spielt an auf die lesenswerte Erzählung „Die vertauschten Köpfe“. Eine indische Legende des deutschen Literatur-Nobelpreisträgers Thomas Mann (1875-1955) aus dem Jahr 1940. Die beiden Hauptfiguren, Nanda und Schridaman, enthaupten sich. Schridamans Frau entdeckt das fürchterliche Blutbad und setzt nach dem Eingreifen einer Göttin die Körperteile wieder zusammen. Doch ihr unterläuft der folgenreiche Fehler, dass sie die Köpfe auf die falschen Körper setzt. Nun steht die Frage im Raum, mit wem sie es da eigentlich zu tun hat. Wer ist wer, wenn die Köpfe der beiden Männer vertauscht sind? Wen hat sie vor sich, wenn sie den Kopf des einen küsst, während sie mit dem Leib des anderen schläft?

Doch das Thema ist nicht nur eines für die Belletristik, sondern auch in bioethischer Hinsicht höchst brisant, geht es hierbei nämlich ebenso um die Zukunft der Neuromedizin wie unser Selbstbild. An Aktualität hat es nicht zuletzt durch die medienwirksamen Auftritte des italienischen Mediziners Sergio Canavero (Turin) gewonnen, der beabsichtigt, in absehbarer Zeit eine Kopftransplantation durchführen zu wollen. Im Rahmen einer Konferenz der American Academy of Neurological and Orthopaedic Surgeons in Annapolis im Jahr 2014 hat er seine Pläne vorgestellt. Ein Patient ist bereits gefunden.

Der Vortrag von Dr. Knaup diskutiert die Frage, was zu diesen Plänen aus ethischer Sicht zu sagen ist und welche unausgesprochenen Vorstellungen vom Menschen bei diesen Überlegungen im Hintergrund mitschwingen.


Gerd Dapprich | 06.12.2017