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Organisierte Humanevaluation. Der Fall der schulischen Bewertung

29. November 2017

Vortragsreihe: Kolloquien des Instituts für Soziologie

Zeitraum
29.11.2017 16:00 Uhr
(bis 18.00 Uhr)

Ort
Seminargebäude der FernUniversität, R. 6, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen

Veranstalter
Prof. Dr. Sylvia Marlene Wilz

Referent
Prof. Dr. Herbert Kalthoff
Universität Mainz
seit 2008 Professor für Wissens- und Bildungssoziologie sowie für qualitative Methoden
an der Universität Mainz

Kontingenz und Unterwerfung

Das soziale Leben, so scheint es, ist auf geradezu untrennbare Weise mit ganz verschiedenen Formen des Bewertens und Beurteilens verknüpft. So sind wir als Alltagsteilnehmer immerzu darin verstrickt, zu beurteilen, ob uns etwas gefällt oder nicht, ob etwas gelungen ist oder nicht, ob ein Verhalten oder eine Sache unseren moralischen Vorstellungen entspricht oder nicht. Die Alltagstheorie des Bewertens weiß auch, dass Urteile anders ausfallen können, dass ein jeder anders urteilt, und dass die Urteile instabil und anpassungsfähig sind. Bewertungen sind allerdings nicht nur die Angelegenheit von individuellen Teilnehmern, sondern systematischer Bestandteil von Organisationen. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Bewertung von Menschen durch das Personal einer Organisation; der Fall, an dem diese Praxis expliziert wird, ist die Bewertung von Schülern durch Lehrkräfte. Der Vortrag konzentriert sich auf die Frage, wie die Schule die partikularen Urteile ihres Organisationspersonals objektiviert. Hierzu diskutiert er die sozialen und numerisch-administrativen Verfahren und Prozesse, mit denen Urteile über Schüler in der Zeit der Schule reversibel gehalten und zugleich so gehärtet werden, dass sie als gültige Urteile anerkannt werden können. Das empirische Material, dass der Vortrag nutzt, stammt aus ethnographischen Untersuchungen in verschiedenen Schulen.


Gerd Dapprich | 07.12.2017