„‚Die erfrorenen Flügel der Schwalbe‘. Tagebuchnotizen zum ‚Prager Frühling‘ und den Folgen der Intervention (1968-1970) - mit einer Nachbemerkung vom Mai 1990“

14. März 2018

Vortragsreihe: Lüdenscheider Gespräche

Zeitraum
14.03.2018 18:00 Uhr
(bis 20 Uhr)

Ort
Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid

Veranstalter/-in
Institut für Geschichte und Biographie

Referent/-in
Prof. Dr. Hartmut Zwahr,
Jahrgang 1936, war bis 2001 Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte am Historischen Seminar der Universität Leipzig und ist Mitautor der fünfbändigen Geschichte der Universität Leipzig.

Moderation
Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch

Auskunft erteilt
Eva Engelhardt

Als Teilnehmer der Sommerhochschule der Prager Karlsuniversität hatte Hartmut Zwahr zu Beginn der sechziger Jahre eine europäische Stadt erlebt, die sich von der geschlossenen Gesellschaft der DDR deutlich abhob. Zum Wesen des dort beginnenden „politischen Frühlings“ gehörte die Suche nach einem neuen Typ des Sozialismus, nach Demokratie, Rechtstaatlichkeit und ökonomischer Freiheit. Dies alles wie auch das erzwungene Ende des reformkommunistischen Projekts hinterließen in der DDR einen starken Eindruck. So fühlte sich der nach Leipzig zurückgekehrte angehende Sozialhistoriker dazu veranlasst, ein Tagebuch zu verfassen, das die Stimmung und Orientierungsnot der damaligen Zeit zwischen März 1968 und April 1970 widerspiegelt. Die Niederlage lähmte; je länger sie andauerte, umso schlimmer die Anpassung. Sie endete für Hartmut Zwahr seit Anfang Oktober 1989 in offener Ablehnung und intensiver kritischer Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit. Dies dokumentieren die Bücher "Herr und Knecht. Figurenpaare in der Geschichte" sowie "Ende einer Selbstzerstörung. Leipzig und die Revolution in der DDR". Zwahrs Tagebuch wurde dem Universitätsarchiv Leipzig im Frühjahr 1990 übergeben und unter dem Titel "Die erfrorenen Flügel der Schwalbe" im Jahr 2007 im Dietz-Verlag Bonn veröffentlicht.

Gerd Dapprich | 29.01.2018