Buridans Esel. Über den Grund und die Bestimmung von freien Alternativen.

20. September 2018

Vortragsreihe: Forum Philosophicum

Zeitraum
20.09.2018
18:30 Uhr

Ort
FernUniversität, Gebäude 3, Erdgeschoss / Raum Ellipse, Universitätsstr. 11, 58097 Hagen,

Veranstalter/-in
Institut für Philosophie

Referent/-in
Rolf Schönberger (Regensburg)

Auskunft erteilt
Dr. Klaus Honrath
(Tel.: 02331/987-2159)

Durch die Philosophie der Neuzeit geistert das Beispiel von Buridans Esel, der angesichts zweier gleich verlockender Heuhaufen vor diesen verhungert. Eine Entscheidung scheint vorauszusetzen, dass ein Entscheidungsgrund stärker als ein anderer war. Die Philosophie der Neuzeit hat das allerdings durchgängig als ein unangemessenes Exempel für die menschliche Freiheit angesehen.

Die Thematik der Freiheit wurde erwartungsgemäß im mittelalterlichen Denken auch zu einer komplexen Problemstellung der Theologie. Buridan ist allerdings zeitlebens Philosoph geblieben. Die bisherige Deutung seiner Theorie bezieht diese entweder auf die Diskussion in der theologischen Fakultät oder auf die Freiheitstheorie Kants. Buridan bietet jedoch eine ausdifferenzierte und umfängliche Theorie, in der es neben der Frage, welches Wissen der Mensch von seiner Freiheit haben kann, auch darum geht, wie Freiheit überhaupt verstanden werden muss. Gründet sie in der Rationalität, weil erst durch Kategorie des Gegensatzes Alternativen zu denken sind, oder in der reinen Spontaneität, durch die das zunächst Unbestimmte – die Pluralität von Optionen – zu einer Bestimmung, sprich zu einer Entscheidung kommt? Buridans Theorie entwickelt eine bisher unbekannte "Psychologie" der Willensbildung, die allerdings nicht der einzig originelle Aspekt in seiner Konzeption der Freiheit ist.

Gerd Dapprich | 24.09.2018