Podiumsgespräch über "Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit"

24. Oktober 2018

Vortragsreihe: Lüdenscheider Gespräche

Zeitraum
24.10.2018
18:00 Uhr (bis 20 Uhr)

Ort
Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid

Veranstalter/-in
Institut für Geschichte und Biographie

Referent/-in
Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger
Universität Münster
geboren 1955, studierte Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. Seit 1997 ist sie Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit am Historischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Moderation
Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch (FernUniversität in Hagen)

Auskunft erteilt
Eva Engelhardt

Für die gut 1000-Seiten starke Biographie der Habsburger-Kaiserin Maria Theresia erhielt Barbara Stollberg-Rilinger 2017 den Preis der Leipziger Buchmesse für das beste Sachbuch. Darin korrigiert sie das lange vorherrschende Bild der liebenden Ehefrau und Landesmutter gründlich, gerade weil sie Leben und Wirken der Kaiserin als Schlüssel zur Darstellung der Gegensätze der damaligen Zeit zu nutzen versteht. Von der von Zeitgenossen und von konservativ orientierten Historikern des 19. Jahrhunderts verehrten „Märchenkönigin“ wird man nach der Lektüre in vielfacher Hinsicht Abschied nehmen müssen.

Als Spezialistin für das 18. Jahrhundert verdichtet Stollberg-Rilinger die in der biographischen Analyse zu Tage tretenden Widersprüche zu einem beeindruckenden Panorama. So bedeutete beispielsweise „die Tatsache, dass Maria Theresia eine Frau war, für ihre Regentschaft Fluch und Segen zugleich“. Musste sie zwar von Beginn an um die Legitimität ihrer Regentschaft kämpfen und konnte in den Erbfolgekriegen nicht, etwa wie ihr preußischer Gegenspieler Friedrich der Große, die Feldherrenrolle selbst wahrnehmen, so ließ gerade dieser scheinbare Nachteil ihre „überraschende Wehrhaftigkeit“ auf die Dauer als umso bewundernswerter erscheinen. Wie sehr dabei das Familienleben, insbesondere das Verhältnis zu ihren Kindern unter dieser permanenten Anspannung, aber auch unter ihrem dominanten Charakter gelitten hat, wird ebenso eingehend beleuchtet wie die Tatsache, dass sie in den extrem verlustreichen Kriegen, die sie geführt hat, auf Menschenleben keine Rücksicht nahm.


Gerd Dapprich | 25.07.2018