Zwiebeln und Tränen, Kartoffelsäcke und Antennen: Leitbilder der (post)modernen Sozialstruktur in historischer Perspektive

21. November 2018

Vortragsreihe: Wissenschaftsgespräche der Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften

Zeitraum
21.11.2018
16:00 Uhr

Ort
Seminargebäude der FernUniversität (Gebäude 2), Räume 1 u. 2, Universitätsstr. 33, 58097 Hagen

Veranstalter/-in
Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften / Prof. Dr. Michael Niehaus (Lehrgebiet Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medienästhetik)

Referent/-in
Prof. Dr. Thomas Sokoll
FernUniversität, Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas

Auskunft erteilt
Prof. Michael Niehaus

Zu der wissenschaftlichen Veranstaltung sind alle Interessierten willkommen, der Eintritt ist frei.

Thomas Sokoll:

„Wenn sich Soziologen über den Aufbau ihrer eigenen Gesellschaft verständigen wollen, stellen sie üblicherweise empirische Untersuchungen an, deren Ergebnisse sie gerne in bildlicher Gestalt zusammenfassen. Besonders prominent sind soziale Sinnbilder, die zugleich politische Leitbilder abgeben: Zwiebel und Kartoffelsack sollen zeigen, dass es keine sozialen Klassen mehr gibt.

Historiker sind solchen soziologischen Bildern (und den zugehörigen Leitbegriffen) lange Zeit blind gefolgt und haben sie ihrerseits durch vormoderne Bilder einer ständischen Sozialordnung ergänzt. Aus dieser Perspektive erschien die Klassengesellschaft dann als Übergangserscheinung des langen 19. Jahrhunderts.

Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Heute haben Soziologen und Historiker keine Hemmungen mehr, den Klassenbegriff offensiv analytisch zu verwenden (und letztere zielen damit auch auf vormoderne Gesellschaften). Auf der Ebene der Leitbegriffe geht es von ‚Ständen‘ und ‚Schichten‘ zur Wiederentdeckung von ‚Klassen‘.

Um diese Bewegung nachzuzeichnen, muss ich in beiden disziplinären Feldern plündern. Ich möchte mithin (anderes Bild) zur historischen Beschmutzung eines soziologischen Nestes beitragen, dies aber als Anmaßung in selbstkritischer Absicht verstanden wissen.“


Gerd Dapprich | 06.11.2018