"Albert Speer. Eine deutsche Karriere"

12. September 2018

Vortragsreihe: Lüdenscheider Gespräche

Zeitraum
12.09.2018
18:00 Uhr (bis 20 Uhr)

Ort
Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid

Veranstalter/-in
Institut für Geschichte und Biographie

Referent/-in
Prof. Dr. Magnus Brechtken
Historiker und stellvertretender Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte

Moderation
Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch

Auskunft erteilt
Eva Engelhardt

Mit seiner 2017 erschienenen Biographie über Albert Speer unternimmt Magnus Brechtken, stellvertretender Direktor beim Institut für Zeitgeschichte in München, den Versuch, den „Mythos Speer“ als Konstrukt einer unheilvollen Allianz zu entlarven. Publizistisches Gewinnstreben, das dankbare Interesse einer nach Selbstentschuldung strebenden deutschen Nachkriegsöffentlichkeit und, nicht zuletzt, Speers selbst konstruierte „Lüge von der aufrichtigen Reue“, waren die Mosaiksteine eines weichgezeichneten Bildes vom Architekten und Rüstungsminister Speer, dass den aus den Aktenbeständen sprechenden Tatsachen in keiner Weise entspricht.

Brechtken fügt diese Versatzstücke nun – nach eigenem Bekunden erstmalig in dieser Vollständigkeit – zu einer biographischen Studie zusammen, die keinen Zweifel daran lässt, dass Albert Speer einer der führenden und in der letzten Kriegsphase auch treibenden Köpfe des NS-Regimes gewesen ist.

Speer war seit 1931 Mitglied der NSDAP und später keineswegs nur Hitlers Architekt, sondern sein enger Vertrauter und, besonders schwerwiegend, Rüstungsminister im totalen Krieg – mit weitreichenden Kompetenzen und umfassendem Wissen über die Abgründe der NS-Verbrechen, insbesondere des Einsatzes von Sklavenarbeitern in der Rüstungsindustrie. Dabei dokumentiert Brechtken präzise, wie engmaschig Speer mit dem inneren Führungszirkel der Nationalsozialisten, in erster Linie mit Goebbels und Himmler, zusammenarbeitete und seine Initiativen bis in die letzten Kriegstage mit diesen abstimmte. Umso mehr muss im Rückblick befremden, was nach den Kriegsverbrecherprozessen, schon in der 20-jährigen Spandauer Haftzeit Speers begann: die Entstehung der „Legende vom guten Nazi“.

Im Anschluss an den Vortrag wird es in gewohnter Weise Gelegenheit geben, aus dem Publikum heraus, Fragen zu stellen und zu diskutieren.

Gerd Dapprich | 20.09.2018