„Mehr Bürgerbeteiligung = mehr Ökologie? Ergebnisse der Lüneburger Partizipations-Studie“

16. Januar 2019

Ringvorlesung „Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit“

Zeitraum
16.01.2019
18:00 Uhr

Ort
FernUniversität in Hagen, Universitätsstr. 11, 58097 Hagen, Gebäude 3, Raum Ellipse

Veranstalter/-in
Forschungsschwerpunkt „Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit“ der FernUniversität

Referent/-in
Prof. Dr. Jens Newig
Leuphana Universität Lüneburg

Auskunft erteilt
Prof. Dr. Alfred Endres

Die Ringvorlesung wird vom Forschungsschwerpunkt „Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit“ der FernUniversität veranstaltet. Konzeption und Organisation: Prof. Dr. Alfred Endres. Der Besuch der Veranstaltungen ist kostenfrei.

Sei es die Energiewende oder nachhaltige Gewässerschutzpolitik: Stets hört man, ohne Bürgerbeteiligung und Stakeholder-Partizipation sei eine ökologisch nachhaltige Entwicklung kaum zu erreichen. Die Literatur dazu füllt ganze Bibliotheken. Indes: Unser Wissen, inwieweit Partizipation tatsächlich zu stärker ökologischer Politik beiträgt, bleibt bruchstückhaft, denn die akademische Literatur ist dominiert von Einzelfallstudien mit teils widersprüchlichen Ergebnissen. Die Lüneburger Partizipationsstudie – die weltweit größte ihrer Art – untersucht 307 umweltbezogene Entscheidungsprozesse in 22 westlichen Demokratien, über die bereits wissenschaftliche Publikationen vorliegen. Diese wurden mittels einer Metastudie im Rahmen des Forschungsprojekts „EDGE“ mit einem einheitlichen analytischen Raster kodiert und vergleichend analysiert, was eine quantitativ-statistische Auswertung des qualitativen Fallstudien-Materials erlaubt. Damit werden erstmals robuste Aussagen über die Wirkungsweise von Partizipation im internationalen Vergleich möglich. Die Frage lautet: Inwiefern und unter welchen Bedingungen ist Partizipation förderlich – oder etwa hinderlich – für ökologisch nachhaltige Politik- und Verwaltungsentscheidungen?

Die Ergebnisse zeigen, dass ‚Partizipation‘ grundsätzlich durchaus ökologisch nachhaltige Entscheidungen fördert; allerdings kommt es sehr auf die betrachteten Dimensionen von Partizipation an: So stellt sich der Grad der Mitbestimmungsmöglichkeit nichtstaatlicher Akteure als förderlich für ökologisch nachhaltige Entscheidungen heraus; daneben die Intensität der Kommunikation zwischen den Beteiligten sowie die umweltbezogenen Interessen der beteiligten Akteure. Keinen Einfluss dagegen konnten wir für den Grad der Einbeziehung individueller Bürger/innen bzw. organisierter gesellschaftlicher Sektoren (Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft) finden. Dagegen macht es einen Unterschied, ob klassische Ökologiethemen (Biodiversität, nachhaltiger Ressourcenschutz) oder gesundheitsrelevante Themen wie Luft- oder Trinkwasserverschmutzung verhandelt werden. Nicht zuletzt erweisen sich die Umstände als relevant: So stellt sich zum Beispiel heraus, dass in sogenannten „NIMBY“-Situationen (in denen z.B. eine lokale Infrastrukturmaßnahme zwar allgemein erwünscht, aber von den unmittelbaren Anliegern als störend empfunden wird) der Einbezug individueller Bürger/innen durchaus zu ökologisch nachhaltigen Entscheidungen beiträgt.


Gerd Dapprich | 27.11.2018