Waldheims Walzer. Ein Film über Lüge und Wahrheit

05. Juni 2019

Zeitraum
05.06.2019
17:30 Uhr (bis 20.00 Uhr)

Ort
Kulturhaus Lüdenscheid, Freiherr-vom-Stein-Str. 9, 58511 Lüdenscheid

Auf dem Programm des Lüdenscheider Gesprächs steht dieses Mal der Film „Waldheims Walzer“ der Regisseurin Ruth Beckermann. Nach der Vorführung kann mit ihr diskutiert werden. Moderiert wird die Veranstaltung des Instituts für Geschichte und Biographie von Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen. Alle Interessierten sind willkommen, der Eintritt ist frei.

„Waldheims Walzer. Ein Film über Lüge und Wahrheit“ dokumentiert, wie während des Wahlkampfs des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim um das Amt des österreichischen Bundespräsidenten im Jahr 1986 die Lücken in dessen Kriegsbiografie vom Jüdischen Weltkongress in New York aufgedeckt wurden. Dies führte in Österreich zu nationalem Schulterschluss, antisemitischen Ausschreitungen – und schließlich zu Waldheims Wahl. Mit internationalem Archivmaterial sowie selbst gedrehten Videoaufnahmen analysiert Ruth Beckermann den Zusammenbruch der österreichischen Lebenslüge, „erstes Opfer der Nazis“ gewesen zu sein. Ein Film über die Mechanismen der Mobilisierung hetzerischer Gefühle, über Lügen, Wahrheit und „alternative Fakten“.

Ruth Beckermann, geboren 1952 in Wien, studierte Publizistik und Kunstgeschichte in Wien und Tel Aviv und promovierte 1977. In New York studierte sie außerdem Fotografie. Sie arbeitete als Journalistin für verschiedene Zeitschriften in Österreich und der Schweiz. 1978 gründete sie mit zwei Kollegen den Verleih filmladen, wo sie sieben Jahre tätig war. In dieser Zeit entstanden ihre ersten Filme und Bücher. Seit 1985 arbeitet Ruth Beckermann als freie Autorin und Filmschaffende. Zu ihren Filmen zählen „Die papierene Brücke“, „Jenseits des Krieges“ und „American Passages“. Ihr Film „Die Geträumten“ hatte auf internationalen Festivals großen Erfolg. Bei der Diagonale 2016 wurde er als bester Spielfilm ausgezeichnet und gewann zahlreiche weitere internationale Preise. 2018 stellte Ruth Beckermann ihren neuesten Film „Waldheims Walzer“ fertig und erhielt dafür unter anderem den Glashütte-Original Dokumentarfilmpreis der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Regiestatement Ruth Beckermann: „Als ich das Material, das ich vor 30 Jahren bei Demonstrationen gegen Waldheim gedreht hatte, wieder sah, war ich schockiert. Hatte ich vergessen, wie leicht Emotionen gegen andere geschürt und von populistischen Politikern benutzt werden können? In ‚Waldheims Walzer‘ versuche ich zu analysieren, was damals los war. Und was uns heute leider bekannt vorkommt, wenn wir an Trump, Kurz/Strache und andere Meister der „alternativen Fakten“ und des Populismus denken.“

Rückfragen beantwortet Eva Engelhardt, E-Mail: eva.engelhardt@fernuni-hagen.de

Gerd Dapprich | 11.02.2019