Lüdenscheider (Online-)Gespräch: „Kriegskinder, Generationendiskurse und imaginierte Gemeinschaften“

03. Februar 2021

Lüdenscheider Gespräche

Zeitraum
03.02.2021
18:00 Uhr

Veranstalter/-in
Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen

Referent/-in
Dr. Beate Müller
Jahrgang 1963, ist Professorin für Germanistik und Kulturgeschichte an der Newcastle University in Großbritannien. Sie ist Autorin und Herausgeberin von Büchern zur Parodie und zur Zensur sowie von Studien zu Holocaust-Überlebenszeugnissen aus der frühen Nachkriegszeit. Sie hat sich in den letzten Jahren vor allem mit Testimonials von deutschen und jüdischen Kriegskindern auseinandergesetzt. Zurzeit schreibt sie an einem Buch über die kriegsbezogenen Aufsätze de Roeßler Archivs.

Moderation
Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität

Auskunft erteilt
Dr. Almut Leh

Das erste Lüdenscheider Gespräch im neuen Jahr zum Thema „Kriegskinder, Generationendiskurse und imaginierte Gemeinschaften“ findet am Mittwoch, 3. Februar, 18 Uhr, aufgrund der aktuellen Situation online per Zoom statt. Referentin ist Prof. Dr. Beate Müller, Newcastle University (Vereinigtes Königreich). Veranstalter ist das Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen, Moderator ist Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch (Hagen). Die Veranstaltung ist öffentlich, eine Anmeldung ist notwendig.

Der Vortrag „Kriegskinder, Generationendiskurse und imaginierte Gemeinschaften – Schulaufsätze zur Kriegs- und Nachkriegszeit aus dem Roeßler Archiv der FernUniversität in Hagen“ setzt sich mit der Bedeutung von kriegsbezogenen Selbstzeugnissen westdeutscher Jugendlicher aus den 1950-er Jahren auseinander. Bei den Selbstzeugnissen handelt es sich um noch unveröffentlichte autobiographische Schulaufsätze aus der ganzen damaligen Bundesrepublik Deutschland. Sie sind das Ergebnis einer nationalen Initiative des Bonner Pädagogen Wilhelm Roeßler, bei der rund 76.000 Aufsätze zu verschiedenen Themengebieten entstanden, die heute unter dem Namen „Roeßler Archiv“ im Archiv „Deutsches Gedächtnis“ im Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität liegen.

In dieser Sammlung befinden sich ca. 6.800 Aufsätze über die Kriegserlebnisse der Schülerinnen und Schüler und ihrer Familien. Die meisten dieser Texte wurden von Jugendlichen geschrieben, die zum Zeitpunkt der Roeßlerschen Aktion im Jahre 1956 zwischen 16 und 18 Jahren alt waren.

Die Stimmen dieser jüngsten Kriegskinder werden als Versuche innerfamiliärer Mediation und transgenerationeller Versöhnung sowie als Ausdruck weiterreichender deutscher Erinnerungskultur gelesen. Die Analyse zeigt, dass die Aufsätze sich nicht in vertrauten Opferdiskursen erschöpfen, sondern dass die Schülerinnen und Schüler ihre oft traumatischen Erlebnisse dazu nutzen, positive, zukunftsorientierte Identitäten für sich selbst, ihren Jahrgang und ihre Familien zu entwerfen.

Dr. Beate Müller, Jahrgang 1963, ist Professorin für Germanistik und Kulturgeschichte an der Newcastle University in Großbritannien. Sie ist Autorin und Herausgeberin von Büchern zur Parodie und zur Zensur sowie von Studien zu Holocaust-Überlebenszeugnissen aus der frühen Nachkriegszeit. Sie hat sich in den letzten Jahren vor allem mit Testimonials von deutschen und jüdischen Kriegskindern auseinandergesetzt. Zurzeit schreibt sie an einem Buch über die kriegsbezogenen Aufsätze de Roeßler Archivs.

Hier noch ein notwendiger Hinweis:

Die Veranstaltung wird öffentlich gestreamt und aufgezeichnet. Es ist beabsichtigt, eine Aufzeichnung im Nachgang zu veröffentlichen. Mit Betreten des virtuellen Raumes erklären die Teilnehmenden sich mit der Aufzeichnung und deren Veröffentlichung einverstanden.

Gerd Dapprich | 12.08.2021