"Ein ganz anderer Typ Unternehmen? Die Familienunternehmen Sartorius und Bahlsen im Nationalsozialismus und Nachkrieg" (online)

10. März 2021

Lüdenscheider Gespräche

Zeitraum
10.03.2021
18:00 Uhr (bis 20 Uhr)

Ort
online per Zoom

Veranstalter/-in
Institut für Geschichte und Biographie

Referent/-in
Prof. Dr. Manfred Grieger
Georg-August-Universität Göttingen
Jahrgang 1960, Dr. phil., Historiker. Nach der Promotion an der Ruhr-Universität Bochum mit einer Arbeit über die Geschichte des Volkswagenwerks und seiner Arbeiter im Nationalsozialismus von 1998 bis 2016 war er bei der Volkswagen AG als Leiter der Historischen Kommunikation beschäftigt. Seit seinem Ausscheiden dort ist er wieder freiberuflicher Historiker und u.a. für die Stadt Gifhorn, die Tiroler Landesregierung oder die Bahlsen KG tätig. 2016 wurde Manfred Grieger zum Honorarprofessor der Georg-August-Universität bestellt, an der er seit 2007 am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte lehrt.

Moderation
Dr. Almut Leh, FernUniversität

Auskunft erteilt
Dr. Almut Leh

Aufgrund der Pandemie finden die Lüdenscheider Gespräche weiterhin in Online-Form per Zoom statt. Sie sind öffentlich, die Teilnahme ist kostenfrei.

Das Geschichtsbild von Unternehmen im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts stellt Großunternehmer wie Krupp, Flick oder Quandt in den Mittelpunkt. Bis heute prägen aber auch kleinere und mittlere Familienunternehmen die deutsche Wirtschaftsstruktur; manche sehen darin sogar einen Stabilitätsanker.

Der Vortrag zeigt am Beispiel des Spezialunternehmens Sartorius und der bekannten Markenfirma Bahlsen die Reaktionen auf die wirtschaftliche Krise Anfang der 1930er-Jahre, die politischen Machtwechsel und sich eröffnenden ökonomische Möglichkeiten von Krieg und Zivilgesellschaft.

Gerade in Familienunternehmen - so die These - lassen sich die Handlungsspielräume in den durch massiven ökonomischen und politischen Anpassungsdruck gekennzeichneten Wandel zwischen den frühen 1930er- und 1950er-Jahren aufzeigen und dadurch die Beziehungen zwischen Unternehmern und der sie umgebenden Gesellschaft auf Akteursebene analysieren. Dass Familienunternehmer im Übergang von der nationalsozialistischen Diktatur zur bundesdeutschen Wohlstandsgesellschaft ihre eigenen Legenden pflegten, erweist die personale Kontinuität als Motor eines durch Vergessen, Umdeutung und Verschiebung gekennzeichneten wirtschaftlichen und mentalen Neuanfangs.

Gerd Dapprich | 04.02.2021