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Prof. Tomas Gal verstorben

[20.09.2013]

Mit tiefer Trauer hat die FernUniversität in Hagen erfahren, dass ihr Emeritus Prof. Dr. Dr. Tomas Gal nach schwerer Krankheit am 15. September 2013 in Baden-Baden verstorben ist. Prof. Gal wurde 1977 auf den Lehrstuhl für Operations Research und Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler an der FernUniversität berufen, den er bis zum 31. Juli 1991 leitete. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit in Hagen standen die Gebiete Sensitivitätsanalyse und Parametrische Programmierung, Vektormaximumprobleme, Entartung und Redundanz.

Tomas Gal wurde am 11. Juli 1926 in Sillein (Zilina) in der damaligen Tschechoslowakei geboren. Als Jude wurde er von der faschistischen Regierung der Slowakei verfolgt und im September 1944 in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. 1945 konnte er den 1940 abgebrochenen Schulbesuch wieder aufnehmen und 1946 sein Abitur bestehen. Anschließend studierte er an der Prager Karls-Universität Physikalische Chemie und promovierte 1953 zum Dr. rer.nat. 1954 bis 1964 arbeitete er als Assistent am Lehrstuhl für Höhere Mathematik an der Landwirtschaftlichen Hochschule Prag. In den folgenden fünf Jahren leitete er an dieser Hochschule den neuen Lehrstuhl für Lineare Programmierung. 1967 promovierte er ein zweites Mal, nun zum Dr.rer.pol., 1969 wurde er in Operations Research habilitiert.

Seine Heimat verließ Gal 1969, um an der Katholischen Universität Leuven ein Jahr als Gastprofessor an dem internationalen Forschungsinstitut Center for Operations Research and Econometrics CORE tätig zu werden. Anschließend ging er für einige Monate als Wissenschaftlicher Assistent zur TH Aachen, wo er anschließend fünf Jahre lang Professor war, bevor der Ruf aus Hagen ihn erreichte.

Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernten Gal als gebildeten, höflichen und humorvollen Menschen kennen, als einen Mann des Ausgleichs, der mit Augenmaß zu moderieren wusste und nie polarisierte. Trotz seiner Inhaftierung in einem KZ hatte er keine Vorbehalte gegenüber den Deutschen, sondern sah hierin die Tat eines verbrecherischen Regimes.

Im damaligen Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der FernUniversität war Tomas Gal vom 20. Juni 1986 bis zum 24. August 1988 Dekan, anschließend wurde er für zwei Jahre zum Prodekan gewählt. Seine Kollegen erinnern sich gerne an ihn als jemanden, der dem Fachbereich gut tat.

Der Experte für Parametrische Programmierung, dessen Arbeiten zur mehrsprachigen linearen Programmierung internationale Beachtung fanden, war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften in Deutschland und in der Tschechoslowakei. Er veröffentlichte mehr als 100 wissenschaftliche Artikel in international anerkannten Fachzeitschriften. Zudem war er Verfasser, Mitverfasser, Herausgeber und Mitherausgeber von 14 Büchern. Die Gesellschaft für Multiple Criteria Decision Making (MCDM) zeichnete ihn zweimal aus.

Auch nach seiner Emeritierung blieb Tomas Gal der FernUniversität verbunden und arbeitete mit seinen Professoren-Kollegen Dr. Günter Fandel, Dr. Hermann Gehring und Dr. Wilhelm Rödder im Zentrum für Produktionsökonomie und Entscheidungsmanagement weiter eng zusammen.

Wer ihn kannte, wird Prof. Tomas Gal vermissen.
Redaktion | 21.09.2018