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Zum Doktortitel in Corona-Zeiten

[11.05.2020]

Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft holt Disputationen nach, die wegen der Corona-Maßnahmen verschoben worden waren. Geprüft wird auch per Video-Chat.


Foto: FernUniversität
Erfolgreich promoviert: Dr. Cynthia Wiens und Dr. David Shkel

Normalerweise ist die Disputation der krönende Abschluss eines Promotionsverfahrens. Nach meist jahrelanger Forschungstätigkeit und etlichen Seiten Doktorarbeit wird der langersehnte akademische Grad verliehen. Stolz nehmen Promovierte einen symbolischen, vom Lehrstuhl gestalteten Doktorhut entgegen und stoßen auf den großen Erfolg an. Nicht so in Corona-Zeiten.

„Das Anstoßen mit dem Sekt musste leider ausfallen“, sagt Rainer Baule. Der Erstprüfer sitzt diesmal nicht unmittelbar neben seinen Kolleginnen und Kollegen im großen Senatssaal. Wegen der Corona-Maßnahmen verteilen sich Prüfungskommission und Publikum gleich über mehrere Stuhlreihen im Raum. „Die Abstandsregeln sind ja inzwischen gut bekannt und der Raum entsprechend vorbereitet“, sagt der Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Bank- und Finanzwirtschaft, an der FernUniversität in Hagen.

Strengere Regeln für Kommission und Publikum

Auch der Zugang zum Gebäude ist geregelt. Rein kommt nur, wer sich vorher im Dekanat angemeldet hat. Die strengeren Regeln zur Anmeldung sind vor allem wichtig für Gäste, die sich die Vorträge anschauen möchten. Disputationen sind laut Prüfungsordnung grundsätzlich hochschulöffentlich.

Man will es dann auch irgendwann abschließen.

David Shkel

Trotz der ungewohnten Prüfungssituation sind die Prüflinge allesamt erleichtert, dass ihre Disputationen überhaupt stattfinden können. „Man will es dann auch irgendwann abschließen“, sagt David Shkel, dessen Disputation eigentlich schon Ende März gewesen wäre. „Als die Prüfung abgesagt wurde, war das erstmal ein Motivationskiller. Aber als der neue Termin dann feststand, kam die Motivation schnell zurück.“

Ebenfalls froh, den mündlichen Vortrag nun überstanden zu haben, ist Cynthia Wiens. Für sie brachte die Corona-Situation während der Prüfungsphase eine weitere besondere Einschränkung mit sich: „Vor Publikum vorzutragen ist schon eine Herausforderung, deshalb hätte ich meinen Vortrag gern noch mal live geübt.“ Stattdessen habe sie den Lehrstuhlkreis gebeten, den Probevortrag über Adobe Connect anzuschauen, um die letzten Unsicherheiten abzubauen.

Prüfung per Video-Chat

In einer weiteren Prüfung kam das Video-Portal nicht nur probeweise zum Einsatz. Gerrit Brösel, Zweitprüfer einer Disputation, die ebenfalls an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft stattfand, hatte sich per Video in den Vortrag geschaltet. „Es war mir möglich, der Disputation inhaltlich zu folgen und mich entsprechend einzubringen. Ich stehe Prüfungen in Adobe Connect positiv gegenüber, die hybride Variante ist allerdings schon eine Herausforderung, aber besser, als die Prüfung zu verschieben“, fasst der Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftsprüfung, den noch ungewohnten Einsatz des Videoportals bei einer mündlichen Prüfung zusammen.

Ob per Video oder live im Seminarraum, die Prüfungskommissionen konnten letztlich nach allen Disputationen gratulieren – wenn auch ohne Händeschütteln und Anstoßen. Die ausgefallenen Feierlichkeiten wollen alle Promovierten allerdings noch nachholen. Nicht nur an ihren Lehrstühlen, sondern auch daheim mit den Familien.

David Shkel promovierte zur „Berücksichtigung des Modellrisikos bei der Bewertung strukturierter Finanzprodukte“ und ist nach seiner Promotion weiterhin am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Bank- und Finanzwirtschaft tätig. Cynthia Wiens promovierte zu „Planung von Naturschutzgebieten mit quantitativen Methoden“ am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Quantitative Methoden und Wirtschaftsmathematik und arbeitet seit November 2018 in der IT-Verwaltung der FernUniversität.

Redaktion | 11.05.2020