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Antrittsvorlesung Prof. Bastiaens

Blick in Zukunft der FernUniversität

Prof. Theo Bastiaens bei Antrittsvorlesung: "Bildschirm-Generation" und "Silversurfer" lernen anders

Mit seiner Antrittsvorlesung „Mediendidaktik und Fernlehre: eine gegenseitige Ergänzung“ stellte sich Prof. Dr. Theo Bastiaens am Mittwoch, 15. November, als Leiter des Lehrgebiets Mediendidaktik der FernUniversität in Hagen vor.

Zunächst führte er durch die theoretischen Grundlagen. Sein Schluss: „Die Mediendidaktik kann und wird die Fernlehre ergänzen.“ Eine durchaus gegenseitige Ergänzung: „Durch ihre außergewöhnliche Charakteristik bietet die FernUniversität Forschungsmöglichkeiten, die für die Mediendidaktik unbezahlbar sind.“ Alle Erkenntnisse durch den Einsatz Neuer Medien seien auch ein Zugewinn für die Mediendidaktik.

Anschließend stellte er die aktuellen und zukünftigen Themen seines Lehrgebiets vor. Die zentrale Frage in Forschung und Lehre „Wie lernt man mit Neuen Medien?“ soll im Zusammenspiel von drei Bereichen beantwortet werden.

Im Bereich „Mediendidaktik für die Neuen Medien“ geht es um Didaktik im multimedialen Sinn: „Wie richtet man Software didaktisch optimal ein?“ Bei der „Mediendidaktik im Frontalunterricht“ ist die zentrale Frage: „Wie können die Lehrenden die Neuen Medien nutzen?“ Der dritte Bereich soll die beiden ersten zu einer „wohlüberlegten Mixtur“ („Blended Learning“) zusammen führen, um Neue Medien mit Präsenzveranstaltungen zu kombinieren.

Auf der Theorie aufbauend warf Bastiaens einen wissenschaftlichen Blick in die Zukunft. Dort sieht er zusätzliche Zielgruppen auf die FernUniversität zukommen. Für sie müsse die FernUniversität neue Angebote schaffen – mit neuen Inhalten und mit anderen Medien.

Ganz junge Studierende, oft als „Bildschirm-Generation“ bezeichnet, lernten auf eine besondere Art und Weise. Beim Projekt „Edutainment“ geht es um aktuelle technische Softwareentwicklungen: Computerbasierte Lernspiele versuchen, Lerninhalte in spielerischer Form einzubetten. Der konkrete Anwendungsnutzen als Lernmedium wurde bisher noch nicht bewiesen. Aussagen über Bedingungen und Faktoren, die möglicherweise einen Einfluss auf den Lernprozess haben könnten, fehlen. Deshalb will Claudia Schrader, M.A., mit ihrer Forschungsarbeit spezifische Determinanten von Edutainmentsoftware aufzeigen und prüfen, ob und wie diese zur Optimierung von Lernprozessen beitragen können.

Als zweite Zielgruppe sieht Bastiaens ältere Studierende. Berufstätige müssten sicher länger arbeiten, daher auch länger lernen. Auch mehr Menschen, die nicht mehr arbeiten, würden aus Interesse und als Hobby studieren. Cordula Orth, M.A., beschäftigt sich damit, wie ältere Fernstudierende lernen. Empirische Forschungen belegen bei ihnen die Wichtigkeit von Erfahrungen: „Im Unterricht müssen wir diese Erfahrungen der Älteren anwenden, Kommunikation und Diskussionen sind wichtiger als bei jüngeren“, unterstreicht Bastiaens. Lernen durch Lesen falle ihnen schwerer, daher sollte es handlungsorientierter gestaltet werden.

Forschungen zeigten, dass „Silversurfer“ auch am E-Learning interessiert seien. Etwa, weil Lernprogramme viel „geduldiger“ sind als Lehrende. Das Gefühl größerer gesellschaftlicher Beteiligung, durch Wissen in einem bestimmten Bereich besser zu sein als Jüngere oder die zweite Bildungschance sei für sie wichtig. „Aber im Allgemeinen wissen wir noch nicht ganz so viel über das Lernen von Älteren mit Computern.“

Immer wichtigere Rollen spielen die Themen Motivation und Volition beim Lernen, auf die sich Markus Deimann, M.A., spezialisiert hat. „Wir sollten versuchen, im Unterricht die innere Motivation zu steigern“, betonte Bastiaens. Hierbei spielen Neugier, Spontanität, Explorieren und Interesse große Rollen. Und mit Hilfe „volitionaler Strategien“ möchte er Lernenden helfen, Schwierigkeiten im Lernprozess zu bewältigen. Denn bei verschiedenen Formen selbst gesteuerten Lernens spielt „Volition“ eine entscheidende Rolle: Der menschliche Wille, entgegen aktuellen Wünschen und Bedürfnissen zu handeln.

Last but not least will sich das Lehrgebiet mit Medienmix und Blended Learning befassen: Wann kann man am besten welches Medium einsetzen?

Diese Ausführungen brachten Bastiaens zu seinen Vorstellungen für die weitere Entwicklung der FernUniversität und ihrer Lehre. Hierbei spielt eine größere didaktische Abwechslung mit mehr handlungsorientiertem und authentischem Lernen eine große Rolle. Dennoch meint er nicht, dass „wir alles über ein didaktisches Szenario erreichen müssen“, sondern „verstehen und behalten“ und vor allem beachten: „Wie kann ich das Gelernte einsetzen?“

Technisch setzt Bastiaens auf Open-Source-Produkte, auch bei Content- und bei Learning-Managementsystemen. Wichtig sind ihm auch Wiederverwendung und gemeinsame Benutzung von Lehr- und Lernmaterialen in der Praxis.

Den Vortrag schloss Theo Bastiaens mit den Worten: „Ich bin stolz, ein Professor der FernUniversität zu sein.“


Über eine gelungene Antrittsvorlesung freuten sich mit Prof. Dr. Theo Bastiaens (Mitte), Rektor Prof. Dr. Helmut Hoyer (li.) und der Dekan der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, Prof. Dr. Martin Huber

Aufzeichnung des Vortrags als Videostreaming

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