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Antrittsvorlesung Prof. Lengfeld

Erste Anzeichen für das Entstehen einer "europäischen Gesellschaft"

Ernsting’s family-Stiftungsprofessur: Antrittsvorlesung von Holger Lengfeld

Mit seiner Antrittsvorlesung „Chancengleichheit in Europa? Zur sozialen Integration der europäischen Gesellschaften“ stellte sich Prof. Dr. Holger Lengfeld am 19. September als neuer Leiter der „Ernsting’s family-Stiftungsprofessur für Soziologische Gegenwartsdiagnosen“ der FernUniversität in Hagen vor. Die Professur hat ihren Standort in Hagen, durch ihren zweiten Arbeitsschwerpunkt in Coesfeld gibt es aber auch starke wissenschaftliche Beziehungen zur Stadt und zur Region Coesfeld. Dort hat die Firma Ernsting’s family GmbH & Co KG ihren Sitz, deren Muttergesellschaft EHG Service GmbH der FernUniversität die Professur in der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften gestiftet hat.

Ein Themenbereich, der alle Menschen betrifft, sind die Veränderungen, die durch das Zusammenwachsen der Europäischen Union bedingt sind. Zahlreiche neue Mitglieder wurden den letzten Jahren in aufgenommen. Das hat die EU in ein durchaus schwieriges Fahrwasser gebracht, führte Lengfeld aus. Denn damit nehmen Interessenkonflikte innerhalb der Staatengemeinschaft zu. Der Entwurf einer europäischen Verfassung ist erst gescheitert und in letzter Sekunde auf dem EU-Gipfel 2007 doch noch gerettet worden. Trotz dieser Krisenerscheinung behaupten zahlreiche wissenschaftliche Beobachter, dass die europäische Integration weiter voranschreitet.

In seiner Antrittsvorlesung zeigte Prof. Lengfeld, dass dies auch für den sozialen Zusammenhalt der europäischen Gesellschaften gilt. Er ging von der These aus, dass die Europäische Union hierbei eine zentrale Rolle spielt: Sie macht es für die Bürger aus allen EU-Staaten möglich, in anderen EU-Ländern zu arbeiten, Sozialleistungen zu beziehen und an Kommunalwahlen teilzunehmen. Mit Hilfe dieser Chancengleichheit für EU-Bürger fördert die EU den Zusammenhalt der Gesellschaften Europas.

Für Prof. Lengfeld war die entscheidende Frage, ob die Bürger diese europäische Chancengleichheit auch anerkennen. Dazu stellte der Referent Ergebnisse aus zwei Bevölkerungsumfragen vor, die er zusammen mit seinem Berliner Kollegen Jürgen Gerhards durchgeführt hat. Die Ergebnisse überraschten selbst die Forscher. Demzufolge stimmte die Mehrzahl der befragten Deutschen für die Chancengleichheit von EU-Ausländern. Rund zwei Drittel sprachen sich dafür aus, dass EU-Ausländer den gleichen Zugang zu Arbeitsplätzen erhalten sollten wie die Deutschen. Auch sollten sie die gleichen Sozialleistungen beziehen und auch an Kommunalwahlen in Deutschland teilnehmen dürfen. Gegen Ende seiner Vorlesung wies Prof. Lengfeld darauf hin, dass diese Befunde möglicherweise erste Anzeichen für eine im Werden begriffenen europäischen Gesellschaft sind.

Dekan Prof. Dr. Martin Huber hatte zuvor unterstrichen, dass die Stiftung einer Professur in einer kultur- und sozialwissenschaftlichen Fakultät eher selten ist: „Umso mehr freut es uns, dass wir das Unternehmen Ernsting’s family dazu gewinnen konnten – es war das Ergebnis der Bemühungen vieler, die heute hier im Raum sind.“ Nach Auslaufen der fünfjährigen Förderung wird die FernUniversität das Lehrgebiet selbst weiter finanzieren.
Ausgangspunkt für die Stiftung der Professur waren aktuelle Gegenwartsprobleme bei der Entwicklung der Gesellschaft: demographischer Wandel, Arbeitslosigkeit, Perspektivverluste oder Immobilität. Daraus ergeben sich Fragen nach Tendenzen, die sich heute abzeichnen: Einstellungsänderungen, Sinnverlust, neue Moden. Und nach möglichen Reaktionen. In diesem Zusammenhang interessierte Kurt Ernsting besonders die Frage, woran sich die Menschen in einer Zeit orientieren, in der Sinnsysteme fraglich geworden sind: Gibt es auch Moden des Denkens? Kann man Tendenzen aufspüren, wie Menschen in der Zukunft zusammenleben? Werden sie sich für ihre Gesellschaft engagieren? Was hält die Menschen und die Gesellschaft letztlich zusammen? Das sind alles Fragen, die die Soziologie auch der Öffentlichkeit nahe bringen muss. Ein ganz persönliches Interesse ist es dem Unternehmer, dass sie in der Region Coesfeld und in seinem Unternehmen diskutiert werden.

Daher engagiert sich das neue Lehrgebiet auch in Coesfeld mit Veranstaltungen, die sich an ein wissenschaftlich interessiertes breites Publikum wenden. Prof. Lengfeld selbst hat bereits einige Kontakte geknüpft, um wissenschaftliche Erkenntnisse und regionale Probleme miteinander verbinden zu können.

 


Freuten sich auf die Antrittsvorlesung von Prof. Holger Lengfeld (M.): Prorektor Prof. Uwe Schimank (li.) und Dekan Prof. Martin Huber

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