Präsenzseminar
- Thema:
- Modernisierung – Begründung, Revision und Kritik eines soziologischen Schlüsselbegriffs
- Semester:
- Wintersemester 2026/27
- Zielgruppe:
- Alle Studierenden des B.A. PVS sowie des M.A. Soziologie
- Ort:
- Berlin
- Adresse:
-
Campus Berlin
Neues Kranzler Eck
Kurfürstendamm 21
10719 Berlin - Termin:
- 26.02.2027
bis
27.02.2027 - Zeitraum:
- Freitag, 26.02.2027, 15:00 - 19:00 Uhr
Samstag, 27.02.2027, 09:00 - 15:00 Uhr - Leitung:
- Dr. Helge Petersen
- Anmeldefrist:
- 06.12.2026
- Anmeldung:
- Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular für eine verbindliche Anmeldung. Sie erhalten innerhalb von drei Werktagen eine Eingangsbestätigung per E-Mail. Sollten mehr Anmeldungen eingehen als Plätze zur Verfügung stehen, werden die Teil-nehmer:innen ausgelost. Eine definitive Zu- bzw. Absage erhalten Sie bis zum 10.12.2026 per E-Mail.
- Auskunft erteilt:
-
Christiana Braun
E-Mail: sekretariat.gegenwartsdiagnosen
Telefon: +49 2331 987-4743 - Hinweis:
- Veranstaltung wird als Seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt. Es wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.
Seminarbeschreibung
Modernisierung ist ein einflussreicher, aber auch umstrittener Begriff der Gesellschafts-theorie und soziologischen Gegenwartsdiagnose. Modernisierungstheoretische Überlegungen prägten bereits die Gründungsphase der Soziologie und haben vor allem seit Mitte des 20. Jahrhunderts ein breites Spektrum an Forschungsfeldern geprägt. Klassische Modernisierungstheorien begreifen die Geschichte westlich-europäischer Gegenwartsgesellschaften als einen fortschreitenden Prozess der Rationalisierung, Differenzierung, Individualisierung und Egalisierung, der sich nicht nur von einer „vormodernen“ Vergangenheit, sondern auch von „nicht-europäischen“ bzw. „nicht-westlichen“ Weltregionen unterscheide. Im Fahrwasser der globalen Umbrüche der 1960er und 1970er Jahre sind die fortschrittsoptimistischen und eurozentristischen Annahmen solcher Theorien jedoch zunehmend in die Kritik geraten. In diesem Zuge sind verschiedene Ansätze entstanden, die Modernisierung in erster Linie als einen globalen Prozess begreifen, der ein höchst ambivalentes Verhältnis zu sozialen Ungleichheits- und Herrschaftsverhältnissen aufweist. Darüber hinaus haben feministische und post- bzw. dekoloniale Autor*innen eine grundsätzliche Kritik des Modernisierungsparadigmas formuliert und Forschungsperspektiven entwickelt, die ohne das Begriffspaar „Fortschritt“ und „Rückschritt“ auskommen.
In diesem Präsenzseminar werden wir uns mit der wandelnden Rolle von modernisierungstheoretischen Überlegungen in der soziologischen Gegenwartsdiagnose und Ungleichheitsforschung beschäftigen. Beginnend mit konventionellen Varianten der Modernisierungstheorie werden wir einen Schwerpunkt auf neuere Revisionen, Kritiken und alternative Modelle legen. Das ambivalente Verhältnis von Modernisierung und sozialer Ungleichheit werden wir am Beispiel der Konzepte der "regressiven Modernisierung" (Carolin Amlinger/Oliver Nachtwey) sowie der "Refeudalisierung" (Sighard Neckel) moderner gesellschaftlicher Prozesse und Strukturen diskutieren. In diesem Zusammenhang werden wir auch einen kritischen Blick auf die These der "Modernisierungsverlier*innen" werfen, welche die Rechtsextremismus- und Autoritarismusforschung stark geprägt hat. Das Verhältnis von Modernisierung und globalen sozialen Ungleichheiten werden wir anhand der Perspektive der „multiple modernities“ (Shmuel N. Eisenstadt) sowie dem Ansatz der Weltsystemanalyse (Immanuel Wallerstein) diskutieren. Abschließend werden wir uns mit den Arbeiten von Gurminder K. Bhambra beschäftigen, die eine grundsätzliche Kritik an den kolonialen Ursprüngen modernisierungstheoretischen Denkens formuliert und sich stattdessen für ein Projekt der „connected sociologies“ ausspricht.
Organisatorisches
Das Seminar findet am Campus Berlin der FernUniversität statt. Das Seminar ist für alle Studierende des M.A. Soziologie und des B.A. PVS geöffnet.
Voraussetzungen für die Ausstellung einer Teilnahmebescheinigung sind
- die Anwesenheit an beiden Veranstaltungstagen
- die Lektüre der ausgewählten Grundlagentexte, die den Teilnehmenden nach Anmeldeschluss zugänglich gemacht werden
- die vorherige Ausarbeitung eines Referats, ggf. als Teil einer Arbeitsgruppe. Bitte rechnen Sie mindestens drei bis vier Wochen Zeit für die Erarbeitung Ihrer Präsentation ein, insbesondere auch für die Absprache mit Ihren Kommiliton*innen.
Die maximale Teilnehmendenzahl ist auf 30 Personen begrenzt. Bei zu geringen Anmeldezahlen kann das Seminar abgesagt werden. Bei Fragen zur Teilnahme kontaktieren Sie bitte die Assistenz des Lehrgebiets Soziologische Gegenwartsdiagnosen, Frau Christiana Braun.