Ab 1. April 2010 wird das Lehrgebiet von PD Dr. Dorothée de Nève (Professurvertretung) geleitet.
Die wachsende Verbreitung der Demokratie war eines der markantesten Kennzeichen des vergangenen Jahrhunderts. Erstmals in der menschlichen Geschichte wird die Mehrzahl der Staaten demokratisch regiert. Verschoben hat sich damit aber auch das Profil der Demokratien. Auf der einen Seite weisen viele junge Demokratien Defizite auf, die sich oftmals als beachtlich stabil erweisen. Auf der anderen Seite sind auch etablierte Demokratien inneren und äußeren Gefährdungen unterworfen, die die Qualität der Demokratie beeinträchtigen können. Zugleich sind Tendenzen zu beobachten, die zu einer Vertiefung und qualitativen Verbesserung der Demokratie führen können. So bleibt die Entwicklung der Demokratie weiterhin offen und damit die Frage nach ihrer ursächlichen Dynamik.
Dieser Befund besitzt nicht nur für die Demokratie selbst Relevanz, sondern auch für Entwicklungen in wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereichen, welche von demokratischer Herrschaft beeinflusst werden. Zu untersuchen ist dabei, inwieweit sich unterschiedliche Profile der Demokratie, in ihrer institutionellen Form und ihrer Qualität, auf Entwicklungen in jenen Bereichen auswirken. Die bisherige Forschung legt nahe, dass bestimmte Ausprägungen der Demokratie produktive Impulse auf Entwicklungsprozesse liefern und andere dagegen zu deren Verschärfung beitragen können. Zur Klärung solcher Fragen ist ein methodischer Zugriff notwendig, der die demokratischen Entwicklungen in allen Regionen angemessen erfassen kann.
Das Lehrgebiet "Vergleichende Politikwissenschaft" beschäftigt sich in Forschung und Lehre mit solch grundlegenden methodischen Fragen und theoretischen Zusammenhängen, die Demokratie als abhängige und als unabhängige Variablen erfassen. Zentrale Untersuchungsfelder sind hierbei die Entwicklungsdynamik der Demokratien und die Entwicklungsleistungen (Performanz) der Demokratie selbst.
Behandelt werden zentrale institutionelle Formen der Demokratie aus dem Bereich der Regierungssysteme (z.B. präsidentielle und parlamentarische Regierungssysteme) und Subtypen der Demokratie, die hinsichtlich der Qualitätsausprägung der Demokratie unterschieden werden. Hierbei werden Ansätze des klassischen Institutionalismus und des neo-institutionalistischen Spektrums aufgegriffen.
Die grundlegende methodische Herangehensweise bildet der Vergleich. Mit einer komparativen Herangehensweise können nicht nur Gemeinsamkeiten und Unterschiede verdeutlicht werden, sondern systematisch kausale Zusammenhänge in Form von Hypothesen überprüft werden. Dies ermöglicht die Weiterentwicklung der theoretischen Kenntnisse.
Eine wichtige Grundlage bildet die Vermittlung von empirischen Kenntnissen. Dies betrifft sowohl Regierungssysteme verschiedener Länder als auch ausgewählte Politikbereiche. Einbezogen werden dabei Staaten aus verschiedenen Regionen.
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FernUniversität in Hagen, Fakultät KSW, Institut für Politikwissenschaft, 58084 Hagen