Präsenzveranstaltung
- Thema:
- Demokratie unter Druck: Populismus, Vertrauensverlust und institutioneller Abbau
- Semester:
- Sommersemester 2026
- Zielgruppe:
- MA PW: Modul 26503/MV 1;
- Ort:
- Frankfurt
- Adresse:
-
Campus Frankfurt/Main
FernUniversität in Hagen
Colosseo Frankfurt
Walther-von-Cronberg-Platz 16
5. Obergeschoss
60594 Frankfurt am Main - Termin:
- 22.05.2026
bis
23.05.2026 - Zeitraum:
- Präsenztermine: 22-23.05.2026
Fr. 13 - 18 Uhr, Sa. 9-16 Uhr - Leitung:
-
Prof. Dr. Michael Stoiber
Dr. Galina Selivanova
Adrian Krieger - Anmeldefrist:
- 30.05.2025
- Anmeldung:
- via Onlineformular. Maximal: 20 Teilnehmende. Die Seminarplätze werden in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben.
- Hinweis:
- Veranstaltung wird als Seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt. Es wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.
Demokratie unter Druck: Populismus, Vertrauensverlust und institutioneller Abbau
Präsenzseminar in Frankfurt am Main, 22.-23.Mai 2026
Prof. Dr. Michael Stoiber, Dr. Galina Selivanova, Adrian Krieger, MA
Das Seminar „Populismus und demokratischer Rückschritt“ untersucht, warum sich die zu Beginn des 21. Jahrhunderts vielfach erwartete, demokratische „Erfolgsgeschichte“ als fragil erwiesen hat. In zahlreichen Ländern wird ein Rückgang der demokratischen Qualität beobachtet, da Demokratisierungsprozesse stagnieren oder sich umkehren, Rechte und Partizipationsmöglichkeiten eingeschränkt werden, Rechtsstaatlichkeit und gerichtliche Kontrolle erodieren und demokratische Institutionen an Wirksamkeit verlieren. Selbst konsolidierte Demokratien geraten zunehmend unter Druck, wenn populistische Mobilisierung und wiederkehrende Krisen die liberale repräsentative Demokratie belasten.
Eine zentrale Prämisse des Seminars ist, dass demokratischer Rückschritt häufig bereits lange vor formellen Verfassungsänderungen einsetzt. Politische Führungspersonen können gesellschaftliche Polarisierung ausnutzen, um weitreichende Reformen als dringende Antworten auf vermeintliche Bedrohungen zu legitimieren. Sie verweisen dabei auf Sicherheit, nationale Identität sowie Versprechen effizienterer Wirtschaftssteuerung und Umverteilung. Solche Strategien können mit der Zeit exekutive Macht konzentrieren und Kontrollmechanismen schwächen. Zudem betrifft demokratischer Rückschritt häufig auch die Zivilgesellschaft als Schutzwall der Demokratie: Wenn der Handlungsspielraum zivilgesellschaftlicher Akteure eingeschränkt, kritische Stimmen delegitimiert oder rechtliche und finanzielle Hürden erhöht werden, sinkt ihre Fähigkeit, Macht zu kontrollieren und Opposition zu mobilisieren.
Das Seminar legt den empirischen Fokus auf aktuelle Entwicklungen in unterschiedlichen politischen Kontexten, in denen populistische Parteien seit Jahren deutliche Zugewinne verzeichnen. Der erste Teil führt in zentrale Forschungsperspektiven der vergleichenden Politikwissenschaft zu Populismus und demokratischem Rückschritt ein und strukturiert die Diskussion entlang von drei Leitfragen.
- Wie und über welche Mechanismen beeinflusst Populismus die Qualität liberaler Demokratie?
- Unter welchen politischen und institutionellen Bedingungen führt populistische Regierungsführung zu demokratischem Rückschritt?
- Wie verändern populistische Akteure demokratische Normen, beispielsweise Vertrauen, Toleranz gegenüber der Opposition und Unterstützung liberal-demokratischer Prinzipien?
Im zweiten Teil wenden die Studierenden diese inhaltlichen Debatten methodisch an, indem sie in Gruppen Forschungsdesigns entwickeln. Sie formulieren eigene Forschungsfragen und üben zentrale Schritte der empirischen Forschung wie die Fallauswahl, die Definition von Begriffen und Indikatoren sowie die Entwicklung einer methodischen Strategie. Das Ziel des Seminars besteht darin, theoretisches Verständnis mit praktischer Fähigkeit zu verbinden, um tragfähige und wissenschaftlich fundierte Forschungsprojekte zu Populismus und demokratischem Rückschritt konzipieren zu können.