Dimitris-Tsatsos-Institut für europäische Verfassungswissenschaften

Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften

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Ankündigungen:

12. Mai 2016

"Die europäische Friedenspolitik der Sozialdemokratie in der Weimarer Republik - Nationalstaat, Europa und Weltgemeinschaft im Konzept der SPD"

Vortragsreihe: Europäische Verfassungswissenschaften

Veranstalter: Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften (DTIEV)

Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, FernUniversität in Hagen

Referent: Prof. Dr. Peter Brandt, Direktor Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften (DTIEV) an der FernUniversität in Hagen

Veranstaltungsort: Campus FernUniversität, KSW, Raum 1-3

Uhrzeit: 17:00 Uhr (s.t.)

Prof. Dr. Peter Brandt leitete von 1989 bis 2014 das Lehrgebiet Neuere Deutsche und Europäische Geschichte der FernUniversität und ist dort seit 2003 Direktor des DTIEV. Seine Forschungs- und Publikationsgebiete sind die vergleichende europäische Verfassungsgeschichte, die Geschichte Nordeuropas, des Staates Preußen, des Sozialismus und der Arbeiterbewegung, von Nationsbildung und Nationalbewegungen sowie der "deutschen Frage". Diverse Ehrenämter, u. a. Mitglied in der Deutsch-Russischen Historiker-Kommission, in der Historischen Kommission beim Parteivorstand der SPD und im Vorstand der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Die Vorstellung einer von der deutschen Sozialdemokratie maßgeblich mitgestalteten westeuropäischen Einigungs- und gesamteuropäischen Entspannungs- und Friedenspolitik ist im Bewusstsein der Öffentlichkeit ganz auf die 1960er und 70er Jahre gerichtet. Kaum bekannt ist die - nicht allein konzeptionelle - Rolle von Protagonisten der SPD in der Weimarer Republik bei der Entwicklung einer qualitativ neuen. die nationalen Interessen Deutschlands - die Erleichterung und günstigenfalls Revision der drückenden Versailler Vertragsbestimmungen von 1919 - mit den Notwendigkeiten und Chancen internationaler, allseitige Souveränitätseinschränkungen einschließender Verständigung, Kooperation, (insbesondere wirtschaftlicher) Verflechtung und Integration verbindender Außenpolitik. Eine darauf orientierende Leitlinie musste in heftigen innenpolitischen Auseinandersetzungen durchgefochten werden, in denen sich die sozialdemokratische Reichstagsfraktion als sicherste parlamentarische Stütze des liberalen Außenministers Gustav Stresemann erwies. Die Gemeinsamkeit war zunächst hauptsächlich eine methodische. Stresemann konnte indessen darüber hinaus an inhaltliche Überlegungen und Impulse anknüpfen, die seit dem revolutionären Staatsumbruch 1918/19 von den außenpolitischen Denkern und Praktikern in den Reihen der SPD ausgegangen waren und weiterhin ausgingen. Die Weltwirtschaftskrise seit dem Herbst 1929 zerstörte dann mit der (relativen) inneren Stabilität - und das nicht allein in Deutschland - auch die Voraussetzungen für die Konsolidierung und Weiterführung der hoffungsvollen verständigungspolitischen Neuerungen der mittleren 20er Jahre.

9. Juni 2016

"Flüchtlingskrise in Europa – die griechische Perspektive"

Vortragsreihe: Europäische Verfassungswissenschaften

Veranstalter: Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften (DTIEV)

Moderator: Prof. Dr. Jörg Ennuschat, Mitglied im Vorstand des DTIEV

Referent: Priv.-Doz. Dr. Ilias I. Sofiotis (LL.M.Köln), Universität Thessalien, Griechenland

Veranstaltungsort: FernUni Campus, PRG, C002

Uhrzeit: 18:00 Uhr (s.t.)

Der Vortrag behandelt die Flüchtlingskrise in Europa aus griechischer Sicht. Der Referent berichtet über die tatsächliche Lage und rechtliche Stellung der Flüchtlinge in Griechenland sowie über die dortige verfassungsrechtliche Diskussion. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Rechtsprechungsentwicklungen (StE) in Griechenland.

1998 abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften (Dimokritio Universitat Thrazien); 2001 Magister Legum Studium (Uni Koeln - Institut für Öffentliches Recht und Verwaltungslehre - Betreuer Prof. Dr. Peter J. Tettinger † ); 2004 Promotion (Uni Köln - Institut für Öffentliches Recht und Verwaltungslehre - Doktorvater Prof. Dr. Peter J. Tettinger † ); seit 2014 Privat-Dozent an der Universität Thessalien, Griechenland.

14. Juli 2016

"Die Durchsetzung des modernen Konstitutionalismus in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts"

Vortragsreihe: Europäische Verfassungswissenschaften

Veranstalter: Dimitris-Tsatsos-Institut für Europäische Verfassungswissenschaften

Moderation: Prof. Dr. Peter Brandt, FernUniversität in Hagen

Referent: Prof. Dr. Horst Dippel, ehem. Professor für British and American Studies, Univ. Kassel

Veranstaltungsort: Kleiner Senatssaal, AVZ, B 118.

Uhrzeit: 17:00 Uhr (s.t.)

Es geht darum, Verfassungsgeschichte neu zu denken, weg von der nationalstaatlich ausgerichteten oder dominierten Betrachtung, hin zu der Frage nach den Inhalten und verbindenden Elementen von Verfassungen. Zu diesem Zweck wird der moderne Konstitutionalismus, wie er in der amerikanischen und Französischen Revolution im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts entstanden war, in den Mittelpunkt der Untersuchung gerückt. Seine zehn Prinzipien (Volkssouveränität, Menschenrechte, universelle Prinzipien, begrenzte Regierungsgewalt, die Verfassung als oberstes Gesetz, repräsentatives Regierungssystem, Gewaltentrennung, Verantwortlichkeit der Regierenden, Unabhängigkeit der Justiz und Abänderbarkeit der Verfassung unter Mitwirkung des Volkes) haben sich in den nachfolgenden mehr als zwei Jahrhunderten zumindest in der Theorie weltweit durchgesetzt, und der Vortrag versucht, diese Durchsetzung und ihre jeweiligen Grenzen in Deutschland anhand der Verfassungen von 1871, 1919 und 1949 deutlich zu machen.

1942 geboren, Studium der Geschichte, Politischen Wissenschaften und Philosophie in Köln, Heidelberg und Göttingen. Promotion 1970 (Köln), Habilitation 1980 (Hamburg). Nach verschiedenen Positionen und Vertretungen und Heisenberg-Stipendium, von 1988/89 bis 2009 Professor für British and American Studies an der Universität Kassel. Forschungsschwerpunkt westeuropäisch-amerikanische Verfassungsgeschichte.

Wenn Sie in den Mailverteiler für Veranstaltungshinweise (Vorträge und jährliche Symposien) aufgenommen werden wollen, schreiben Sie uns: dtiev@fernuni-hagen.de


Neu erschienen:

Parlamentarisierung und Entparlamentarisierung von Verfassungssystemen

Erträge des Symposions des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften an der FernUniversität in Hagen am 5. und 6. Dezember 2014

von Brandt, Peter (Hrsg.)

1. Aufl. 2016, 220 S., 44,00€, ISBN 978-3-8305-3665-9

Band 17 der Schriftenreihe des DTIEV

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Verfassung und Krise

Erträge des Symposions des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften an der FernUniversität in Hagen am 29. und 30. November 2013

von Brandt, Peter (Hrsg.)

1. Aufl. 2015, 182 S., 42,00€, ISBN 978-3-8305-3585-0

Band 16 der Schriftenreihe des DTIEV

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Verfassung - Parteien - Unionsgrundordnung

Gedenksymposion für Dimitirs Th. Tsatsos

Erträge des Symposions des Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften an der FernUniversität in Hagen am 6. und 7. Mai 2011

von Brandt, Peter; Haratsch, Andreas; Schmidt, Hans-Rüdiger (Hrsg.)

1. Aufl. 2015, 252 S., 42,00€, ISBN 978-3-8305-3509-6

Band 15 der Schriftenreihe des DTIEV

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Politische Bewegung und Symbolische Ordnung
Hagener Studien zur Politischen Kulturgeschichte
Festschrift für Peter Brandt

Werner Daum, Wolfgang Kruse, Eva Ochs, Arthur Schlegelmilch (Hrsg.)

1. Auflage 2014, 496 S., 68,00 €, ISBN 978-3-8012-4216-9

-weitere Verlagsinformationen


DTIEV-Online Nr. 2/2015


Quellen zur europäischen Verfassungsgeschichte im 19. Jahrhundert. Teil 3: 1848-1870

Hrsg. v. Peter Brandt / Arthur Schlegelmilch / Martin Kirsch / Werner Daum

1. Aufl. 2015, 19,90.- €, ISBN 978-3-8012-4146-9 (CD-Rom)

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Aus den Veranstaltungen des DTIEV 2014/2015

14. April 2016

„Die italienische Verfassungsreform und die regionale Ordnung“

Priv.-Doz. Dr. Cristina Fraenkel-Haeberle, Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer

Der Vortrag mit dem Titel „Die italienische Verfassungsreform und die regionale Ordnung“ befasst sich mit weitreichenden Verfassungsänderungen, die vom italienischen Parlament zuletzt verabschiedet wurden. Dazu wird sich im nächsten Oktober das italienische Volk in einer Volksabstimmung äußern. Dreh- und Angelpunkt der Reform ist die Abschaffung des bisher geltenden „perfekten Zweikammersystems“, nach dem sowohl die Abgeordnetenkammer als auch der Senat über gleiche Befugnisse verfügen. Künftig wird sich der Senat aus Vertretern der Regionalversammlungen und aus Bürgermeistern zusammensetzen und vornehmlich im Zusammenhang mit Rechtsfragen von regionaler Bedeutung am Gesetzgebungsprozess mitwirken. Er soll somit zum Sprachrohr der regionalen Belange werden. Demnach soll der Senat nicht mehr direkt gewählt werden und nicht mehr der Regierung das Vertrauen aussprechen. Der Vortrag behandelt aus rechtsvergleichender Perspektive diesen Paradigmenwechsel in der italienischen Staatsorganisation und beleuchtet die sich daraus ergebenden möglichen Zwänge sowie die praktischen Implikationen der angestrebten legislativen Verschlankung.

Cristina Fraenkel-Haeberle: Abgeschlossenes Studium für Dolmetschen und Übersetzen an der Universität Triest; von 1989 bis 2012 intensive freiberufliche Tätigkeit als Simultandolmetscherin (seit 1992 mit eigener Firma); 1996 abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften (Universität Trient); 2002 Promotion (Universität Innsbruck): 2012 Habilitation (Universität Speyer); seit 2013 Forschungsreferentin am FÖV Speyer; SS 2015 Professurvertretung an der Universität Bochum; WS 2015/2016 Lehrstuhlvertretung an der Universität Speyer.

15. Dezember 2015

„Die Grenze als Wesen und Wirkung des Rechts“

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Josef Isensee, Bonn

Die Funktion des Rechts ist es, Grenzen zu ziehen und zu wahren: Grenzen zwischen den Individuen, zwischen diesen und dem Staat, zwischen den Staaten. Grenzen sind ambivalent. Sie schließen ein und schließen aus. Sie hegen nach innen, und sie schützen nach außen, aber sie engen auch ein und wehren ab. Sie können Freiheit wie Unfreiheit erzeugen. Der rechtlichen Grenzen bedarf es, wo widersprüchliche Interessen aufeinanderstoßen, wo das Begehren sich an der Knappheit der Güter bricht und auf die Enge des Raumes stößt, wo Streit droht und Enttäuschung möglich ist. Es gibt keine grenzenlosen subjektiven (Grund-)Rechte, weil die rechtliche Freiheit des einen dort endet, wo die rechtliche Freiheit des anderen beginnt. Das Recht stößt seinerseits auf Grenzen. Es bildet nur eine Teilordnung des gesellschaftlichen Lebens, und es überhöbe sich, wollte es die Totalität des Lebens erfassen.

Isensee, Josef, geb. 10.06.1937 in Hildesheim. 1957-1961 Studium der Rechtswissenschaft und der Philosophie in Freiburg i. Br., Wien und München. Juristischer Vorbereitungsdienst sowie beide juristische Staatsprüfungen in München. In Erlangen-Nürnberg Promotion zum Doktor iur. utr. (1967) sowie Habilitation für die Fächer Staats- und Verwaltungsrecht sowie Steuerrecht (1970). 1971-1975 o. Professor an der Universität des Saarlandes für Staats- und Verwaltungsrecht. Seit 1975 Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn bis zur Emeritierung 2002.

Der Vortrag ist unter folgendem Link als Stream abrufbar.

10. November 2015

„Uns“ definieren - „die Anderen“ konstruieren: Europäische Identitätsbildung als Problem der Inside-Outside-Modellierung

Prof. Dr. Viktoria Kaina, Leiterin des Lehrgebiets Politikwissenschaft 1: Staat und Regieren am Institut für Politikwissenschaft der FernUniversität in Hagen

Kollektive Identitätsbildung basiert auf zwei, sich gegenseitig ergänzenden Bedingungen: nämlich der Definition der Gruppe nach innen und der Abgrenzung der Gruppe nach außen. Beide Bedingungen resultieren aus der Modellierung und Stereotypisierung „kostbarer“ Gemeinsamkeiten, die zu anderen einen Unterschied machen. Doch ungeachtet einer wachsenden Zahl an Forschungspublikation zur Entwicklung einer europäischen kollektiven Identität, ist unser empirisch gesichertes Wissen über die Konstruktion von Gemeinsamkeit und Differenz auf europäischer Ebene begrenzt. Vor allem wissen wir immer noch sehr wenig über die psychologischen Prozesse der Abgrenzung nach außen bei den EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern. Mein Vortrag will sich dieser empirischen Leerstelle nähern. Im Zentrum steht die Frage: Lassen sich im Bewusstsein der EU-Bürger Anhaltspukte für die Grenzziehung zwischen einem supranationalen, europäischen „Uns“ und signifikanten „anderen“ nachweisen? Die Ergebnisse verweisen auf anhaltende Schwierigkeiten, in der EU-Bevölkerung Einigkeit darüber zu gewinnen, wo die Grenzen der EU verlaufen sollen und anhand welcher Kriterien Inklusions- und Exklusionsstrategien begründet werden können.

Viktoria Kaina ist Lehrstuhlinhaberin für „Politikwissenschaft I: Staat und Regieren“ am Institut für Politikwissenschaft der FernUniversität in Hagen. Sie ist Co-Sprecherin der ECPR Standing Group „Identity“ und u.a. Gutachterin für den European Research Council, die Heidelberger Akademie der Wissenschaften, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und zahlreiche nationale und internationale Fachzeitschriften. Zu ihren Forschungsinteressen zählen Prozesse der europäischen Integration und kollektiven Identitätsbildung in der EU, die Empirische Demokratieforschung und die Politische Soziologie, darunter die politischen Einstellungen und Verhaltensweisen der Bürger, Vertrauen und Eliten. Sie ist Mitherausgeberin von Civic Resources and the future of the European Union, (Routledge 2012 – gemeinsam mit Ireneusz P. Karolewski) sowie von European Identity Revisited: New Approaches and Recent Empirical Evidence (erscheint 2015 bei Routledge – gemeinsam mit Ireneusz P. Karolewski und Sebastian Kuhn).

20. Oktober 2015

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Verleihung des Dimitris Tsatsos-Preises

an Prof. Dr. Íñigo Méndez de Vigo
Spanischer Minister für Bildung, Kultur und Sport

Vortrag des Preisträgers: "Die Zukunft Europas"

anschließend findet eine Podiumsdiskussion zu dem Thema "Die Bedeutung der Griechenlandkrise für die EU" unter Beteiligung von MdEP Elmar Brok, MdB Axel Schäfer und Prof. Dr. Spyridon Tsantinis statt.

Veranstalter: DTIEV und Centre for European Constitutional Law

Termin: 20. Oktober 2015, 14:00 Uhr

Veranstaltungsort: FernUniversität in Hagen, Universitätsstr. 1/11 (58097 Hagen), TGZ-Gebäude, Ellipse, Raum 3, EG

Der spanische Minister für Bildung, Kultur und Sport Prof. Dr. Iñigo Méndez de Vigo y Montojo erhält in diesem Jahr den Dimitris Tsatsos-Preis. Verliehen wird ihm der Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Europäischen Verfassungswissenschaften.

Besondere Verdienste um die europäische Einigung erwarb sich der ehemalige Staatssekretär für die Europäische Union im spanischen Außenministerium in seinen Jahren als Mitglied des Europäischen Parlaments 1992-2011, insbesondere als Vorsitzender der Parlamentarier-Delegation im Konvent zur Erarbeitung der EU-Grundrechte Charta 1999-2000 sowie während seiner Tätigkeit im Konvent zur Erarbeitung des Verfassungsentwurfes 2003-2004. Iñigo Méndez de Vigo ist als Professor für Verfassungsrecht Autor zahlreicher Publikationen zu nationalen und europäischen Verfassungsfragen. Stationen seiner wissenschaftlichen Karriere waren u.a. die Universidad Complutense de Madrid, das Internationale Institut für Menschenrechte in Straßburg und die CEU San Pablo. Iñigo Méndez de Vigo ist „Jean-Monnet-Professor ad honorem“ und Präsident des Verwaltungsrats des College of Europe in Brügge.

Iñigo Méndez de Vigo wird den Preis am 20. Oktober 2015 in einer Feierstunde an der FernUniversität in Hagen entgegen nehmen. Die Laudatio hält der Rechtswissenschaftler und langjährige Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Jürgen Meyer. Der Preisträger hält einen Vortrag mit dem Titel „Die Zukunft Europas“.

Das Programm zur Preisverleihung finden Sie hier.

Einen Bericht zur Preisverleihung finden Sie hier.


6. Juli 2015

„Scheitert der Beitritt der EU zur Europäischen Menschenrechtskonvention? Zum Verhältnis von EuGH und EGMR.“

Prof. Dr. Eckart Klein, Potsdam

Der seit langem angestrebte und weitgehend für gesichert gehaltene Beitritt der Europäischen Union zur Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) ist durch das Gutachten des Luxemburger Gerichtshofs (EuGH) einstweilen, möglicherweise aber auch für eine nicht überschaubare Zeit gestoppt worden. Dies wirft neben der notwendigen Analyse der Begründung der Aussagen des Gutachtens grundsätzliche Fragen auf. Ist ein Beitritt der EU zur EMRK überhaupt sinnvoll? Kann das Verhältnis zwischen dem EuGH und dem Europäischen Gerichtshof in Straßburg (EGMR) nur in den Kategorien des Rechts gesehen werden, oder offenbart das Gutachten, dass es - zumindest auch - schlicht um Machtfragen geht, wie sie bekanntlich im Verhältnis nationaler (Verfassungs-)Gerichte zu den beiden genannten internationalen Gerichten ebenfalls zum Ausdruck kommen? Und schließlich: Das Gutachten könnte die Stellung der EU-Mitgliedstaaten als "Herren der Verträge" in Frage stellen und damit als weiterer bedeutsamer Schritt hin zur Errichtung einer konstitutionellen Ordnung und zur Ablösung von den völkerrechtlichen Grundlagen der Union anzusehen sein.

Prof. Eckart Klein: Geboren am 6. 4. 1943 in Oppeln, Studium in Freiburg, Göttingen, Lausanne und Heidelberg, beide Staatsexamina, Promotion (1973) und Habilitation (1980) in Heidelberg, von 1969-1981 Referent am MPI für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, 1974-76 Mitarbeiter am BVerfG, 1981-1994 o. Prof. für Öffentl. Recht, Völker- und Europarecht an der Universität Mainz, 1994-2008 (Emeritierung) an der Universität Potsdam, Direktor des MenschenRechtsZentrums von 1994-2009. Richter (Nebenamt) am OVG Koblenz (1984-94) und OVG Frankfurt /O. (1995-2001); Mitglied des UN Menschenrechtsausschusses (1995-2002) und des Bremer Staatsgerichtshofs (1995-2011). Mehrfach Ad-hoc-Richter am EGMR.

Der Vortrag ist unter folgendem Link als Stream abrufbar.

4. Mai 2015

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"Die Idee der Freiheit und ihre aktuellen Gefährdungen"

Prof. Dr. Dres. h.c. Paul Kirchhof, Heidelberg

Paul Kirchhof ist Professor für öffentliches Recht und Steuerrecht an der Universität Heidelberg. Seit Jahrzehnten bestimmt er mit seinen Vorschlägen für eine tiefgreifende Reform und Vereinfachung des Steuerrechts sowie für einen radikalen Abbau der öffentlichen Schulden die öffentliche Diskussion entscheidend mit. Als Richter am Bundesverfassungsgericht wirkte Kirchhof an zahlreichen für die Entwicklung der Rechtskultur der Bundesrepublik Deutschland wesentlichen Entscheidungen mit, wie beispielsweise den Karlsruher Beschlüssen zum Euro, zur Vereinbarkeit des Grundgesetzes mit dem EU-Vertrag von Maastricht sowie zum Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern. Auch nach seiner Ernennung zum Seniorprofessor distinctus der Universität Heidelberg im Jahr 2013 wirkt Paul Kirchhof als Wissenschaftler und Publizist, schreibt Bücher, Aufsätze und hält Vorträge.

Der Vortrag ist unter folgendem Link als Stream abrufbar.


13. April 2015

"Zum Verständnis der Ministerverantwortlichkeit in der deutschen politischen Diskussion von 1848 bis 1918"

Prof. em. Dr. Hans Fenske, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Dass Minister verantwortlich seien, war im Kreis der politisch Interessierten im 19. Jahrhundert unstrittig, nur war man sich nicht einig, wem gegenüber die Verantwortlichkeit bestand und wie sie geltend zu machen sei. Im Revolutionsjahr 1848/49 erging bereits im Juni in Bayern ein Ministerverantwortlichkeitsgesetz. In der Paulskirche wurde über die Frage selbstverständlich verhandelt und dafür eigens ein Ausschuss eingesetzt. Gesetzlich geregelt wurde die Materie nicht. Eine politische Verantwortlichkeit sah man durchaus als gegeben an und hielt die öffentliche Meinung für die entscheidende Instanz. Gegen sie werde kein Minister im Amt bleiben können. Zwar war im 1861 formulierten Programm der Fortschrittspartei die Forderung nach einem Gesetz über die Ministerverantwortlichkeit enthalten, aber tätig in diesem Sinne wurde die Partei nicht. Der Verfassungsentwurf, den die verbündeten Regierungen 1867 dem Konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes vorlegten, sagte über Verantwortlichkeit ganz bewusst nichts. Bei der Erarbeitung der Reichsverfassung im Herbst 1870 wurde die Frage des Regierungssystems auch im Reichstag übergangen. Nur August Bebel und Ludwig Windthorst kamen beiläufig auf das Thema zu sprechen. Als im März 1884 die linksliberale Deutsche Freisinnige Partei entstand, nahm sie die Forderung nach gesetzlicher Organisation eines verantwortlichen Ministeriums in ihr Programm auf. Mit der Niederlage bei der Reichstagswahl im Herbst 1884 war die Frage eines Systemwechsels damit erledigt. Bei Kriegsbeginn 1914 wurden alle Verfassungsfragen im Zeichen des Burgfriedens zurückgestellt. Erst 1917 wurde die Verfassungsfrage wieder aufgegriffen. Im März forderte der SPD-Politiker Scheidemann das parlamentarische System. Ende des Monats setzte der Reichstag einen Verfassungsausschuss ein. Er schlug eine Änderung des Reichstagswahlrechts und einige Verfassungsänderungen vor, forderte aber nicht die Parlamentarisierung. Erst im Oktober 1918 verabschiedete der Reichstag ein Gesetz zur Verfassungsänderung. Fortan bedurfte der Reichskanzler nach Art. 15.4 zu einer Amtsführung des Vertrauens des Reichstags. Deutschland war zur parlamentarischen Monarchie geworden.

Prof. Dr. Hans Fenske wurde 1936 in Geesthacht bei Hamburg geboren. Nach dem Abitur 1956 studierte er bis 1963 Geschichte, Politische Wissenschaften und Geographie in Tübingen und Freiburg. Von 1963 bis 1971 war er Wiss. Assistent an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Promotion 1965 zum Dr. phil. in Freiburg, Habilitation für Neue und Neueste Geschichte 1971 in Freiburg. Von 1971 bis 1972 Wiss. Assistent am Auslands- und Dolmetscherinstitut der Universität Mainz in Germersheim. Von 1973 bis 1977 Universitätsdozent, anschließend apl. Professor in Freiburg. 1979 Ernennung zum Professor auf Lebenszeit in Freiburg mit Lehraufträgen in Speyer, Saarbrücken, Basel und Leipzig. Seit 2001 im Ruhestand.

2. Februar 2015

"Sehnsucht nach einem Gespräch". Der Briefwechsel zwischen Carl Schmitt und Ernst Rudolf Huber 1926-1981.

Prof. Dr. Ewald Grothe, Bergische Universität Wuppertal

Carl Schmitt (1888-1985) und sein Schüler Ernst Rudolf Huber (1903-1990) zählen zu den bedeutendsten deutschen Juristen des 20. Jahrhunderts. Die bisher ungedruckte Korrespondenz von rund 220 Briefen und Karten aus den Jahren 1926 bis 1981 ermöglicht wichtige Erkenntnisse sowohl zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte als auch zur allgemeinen deutschen Geschichte. Es handelt sich um einen schriftlichen Austausch mit politischer Brisanz und intellektuellem Anspruch. Er gibt einen intensiven Einblick in das NS-Engagement der Briefpartner und die spätere Reflexion des eigenen Verhaltens unter den Bedingungen der Diktatur. Der Briefwechsel ist von den beteiligten Korrespondenzpartnern und von seiner inhaltlichen Relevanz her eine zentrale Quelle zur Intellektuellengeschichte des 20. Jahrhunderts.

Prof. Dr. Ewald Grothe (Jahrgang 1961), Leiter des Archivs des Liberalismus in Gummersbach (seit 2011), Studium der Geschichte, des Öffentlichen Rechts und der Rechtsgeschichte in Marburg, Promotion (1994), Habilitation in Wuppertal (2004), außerplanmäßiger Professor für Neuere und Neueste Geschichte Wuppertal (2009), Lehrbeauftragter an der Universität Köln (seit 2007).

Veröffentlichungen zur Geschichte des Liberalismus und zur Verfassungs- und Wissenschaftsgeschichte

5./6. Dezember 2014

Illustration FernUni-Rektor Prof. Helmut Hoyer (2.v.l.) und DTIEV-Direktor Prof. Peter Brandt (r.) begrüßten EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (2.v.r.) und seinen Vor-Vorgänger Klaus Hänsch.

Symposion

"Parlamentarisierung und Entparlamentarisierung
von Verfassungssystemen"

Seit der Mitte, verstärkt und geographisch ausgeweitet seit dem Ende des 19. Jahrhunderts unterlag der europäische Verfassungsstaat einer Parlamentarisierungstendenz, die sich im 20. Jahrhundert, unterbrochen durch die Weltanschauungsdiktaturen faschistischen bzw. sowjetkommunistischen Typs, weiter fortsetzte. Und doch handelt es sich um einen geradlinigen und in jeder Hinsicht irreversiblen Prozess. Von Anfang wurde die systemimmanente Parlamentarisierung des Regierungssystems begleitet von Forderungen nach einer – dann durch starken, teils revolutionären Druck von unten beförderten – Demokratisierung des Wahlrechts, die aber zugleich in ein Spannungsverhältnis zum Parlamentarismus geraten konnte. Die Tagung widmet sich mit einem Eröffnungsvortrag des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, und in vier Podien, wie im DTIEV üblich interdisziplinär, den gegenläufigen Parlamentarisierungs- und Entparlamentarisierungsvorgängen in der modernen repräsentativen Demokratie (mit einem vergleichenden Blick auf den vordemokratischen Konstitutionalismus Österreich-Ungarns). Dabei werden direktdemokratische, präsidentielle und föderale Herausforderungen des parlamentarischen Systems und abschließend endogene Prozesse, auch auf EU-Ebene, in den Blick genommen.

Der Vortrag des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, ist als Videostream hier abrufbar.

Das Tagungsprogramm finden Sie hier.

Einen Pressebericht finden Sie hier.

Den Tagungsbericht finden Sie hier.


 
DTIEV | 27.04.2016
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