Seminare des Lehrstuhls

Liebe Kommilitonen,

im Wintersemester 2019/20 veranstalte ich zusammen mit meinem Kollegen Prof. Stephan Stübinger das (Abschluss-)Seminar „Ausgewählte dogmatische Probleme in zivilrechtlicher und strafrechtlicher Perspektive“. Inhalt und Zielrichtung des Seminars sind weitgehend selbsterklärend: Wir wollen parallele Fragestellungen des Privat- und Strafrechts vergleichend beleuchten und auf diese Weise die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten der dogmatischen Figuren und der dahinterstehenden materiellen Wertungen herausarbeiten. Das Oberthema des Seminars ist mit der Wendung „Ausgewählte Probleme“ bewusst weit gewählt. Wir wollen keinen Schwerpunkt setzen, sondern einige, auf für den Studenten greifbare Bereiche von besonderem Interesse herausgreifen:

  1. Selbstgefährdung und Fremdgefährdung // Handel auf eigene Gefahr
  2. Die (Un-)Unterscheidbarkeit von Vorsatz und Fahrlässigkeit
  3. Alternative Kausalität und überholende Kausalität
  4. Unterbrechung des Zurechnungszusammenhangs durch das Verhalten Dritter
  5. Verjährung im Straf- und Deliktsrecht
  6. Die Folgen von Unrecht: Strafe und Schadensersatz
  7. Schutz vor primären Vermögensschäden im Straf- und Zivilrecht
  8. Die Befreiung des Strafrechts vom zivilistischen Denken // § 823 Abs. 2 BGB und das strafrechtliche Schutzgesetz

Die Themen werden mit Ausnahme der Nr. 8 jeweils paarweise vergeben und von dem einem Teilnehmer strafrechtlich, von dem anderen privatrechtlich bearbeitet. Die einzelnen Aufgaben werden im Losverfahren vergeben. Themen auf Grundlage eigener Vorschläge der Teilnehmer können leider nicht vergeben, Präferenzen nicht beachtet werden. Wir werden jedem Teilnehmer spätestens zum 11. Oktober 2019 sein Arbeitsthema mitteilen. Thematische Eingrenzungen und Schwerpunksetzungen erfolgen in Absprache mit dem jeweils zugewiesenen Betreuer.

Im Folgenden kann ich nur noch für das Zivilrecht sprechen. Sichere Kenntnisse in den berührten Gebieten des nationalen und internationalen Privatrechts werden vorausgesetzt. Für den Einstieg in die Bearbeitung möchte ich Ihnen neben dem obligatorischen Hinweis auf die großen Kommentare zum BGB (Staudinger und MünchKomm) und dem HKK (Historisch-kritischer Kommentar zum BGB) auch die klassischen Standardwerke empfehlen:

  • Enneccerus/Nipperdey, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts, Erster Halbband, 15. Aufl. Tübingen 1959 und Zweiter Halbband, 15. Aufl. Tübingen 1960
  • Enneccerus/Lehmann, Lehrbuch des Bürgerlichen Rechts, Band 2, Recht der Schuldverhältnisse, 15. Aufl. Tübingen 1958
  • Esser/Schmidt, Schuldrecht Allgemeiner Teil, 8. Aufl. Heidelberg, Teilband 1, 1995 und Teilbband 2, 2000
  • Esser/Weyers, Schuldrecht, Besonderer Teil, Teilband 1 (Verträge), 8. Aufl. Heidelberg 1998 und Teilband 2 (Gesetzliche Schuldverhältnisses), 8. Aufl. Heidelberg 2000
  • Harke, Allgemeines Schuldrecht, Berlin 2010, Besonderen Schuldrecht, Berlin 2011
  • Larenz/Canaris, Lehrbuch des Schuldrechts, Band II, Besonderer Teil, Halbband 1, 13. Aufl. München 1986 und Halbband 2, 13. Auflage München 1994
  • Fikentscher/Heinemann, Schuldrecht, 11. Aufl. Berlin 2017
  • Oechsler, Vertragliche Schuldverhältnisse, 2. Aufl. Tübingen 2017
  • Wolf/Neuner, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts, 11. Aufl. München 2016

Von hieraus müssen Sie den Weg zu den einschlägigen Monographien und Aufsätzen selbständig finden. Je nach dem Thema kann auch ein Studium der Gesetzgebungsmaterialien, des römischen Rechts, des früheren ius commune oder sonstiger mittelalterlichen Rechtsquellen, vielleicht sogar der Leges unabdingbar sein.

Die Arbeit selbst darf einen Umfang von 25 Seiten nicht über-, sollte ihn aber auch nicht wesentlich unterschreiten. Die üblichen Formalia (Schriftgröße 12; Zeilenabstand 1,5; Rand: 1/3; Schrift: Times New Roman) und wissenschaftliche Standards (Inhaltsverzeichnis, Literaturverzeichnis, einheitliche Fußnoten) sind einzuhalten; Gerichtsurteile sind neben Zeitschriftenfundstelle mit Datum und Aktenzeichen zu zitieren (zB: BGH, NJW 2011, 2717 [Rn. 12], Urt. v. 29.6.2011 – VIII ZR 349/10). Das Seminar wird am 13./14. Dezember 2019 in Nürnberg stattfinden. Die einzelnen mündlichen Vorträge werden jeweils 20 min dauern. Es wird paarweise vorgetragen: Dem zivilrechtlichen Vortrag folgt unmittelbar sein strafrechtliches Pendant. Eine allgemeine Diskussion mit ebenfalls 20 min schließt sich an. Die schriftlichen Arbeiten müssen dem betreuenden Lehrstuhl spätestens am 2. Dezember 2019 (12:00 Uhr s.t.) vorliegen. Verspätete Arbeiten können nicht mehr angenommen werden.

Mit den besten Grüßen und Wünschen für ein erfolgreiches Seminar

Andreas Bergmann

Paul von Heese | 04.10.2019