Aktuelles Programm

Nach den coronabedingten reinen Online-Semestern freuen wir uns, Sie wieder persönlich an die BürgerUniversität Coesfeld ins WBK einladen zu können.

Die Vorlesungen richten sich an eine breite regionale Öffentlichkeit, die an aktuellen soziologischen Forschungsergebnissen interessiert ist. Die Vortragenden aus Hagen und dem ganzen Bundesgebiet referieren in allgemeinverständlicher Form zu gesellschaftlichen Themen in Deutschland und Europa.

Viele Vorlesungen früher Semester können Sie weiterhin kostenfrei in der Mediathek des Lehrgebietes der Ernsting’s family-Stiftungsprofessur für Mikrosoziologie abrufen:

Mediathek der BürgerUniversität Coesfeld

Veranstaltungsort:

WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld

Flyer BürgerUniversität Coesfeld Sommersemester 2022


Veranstaltungen im Sommersemester 2022

Was macht menschliche Kommunikation aus?

Anmerkungen zu einer soziologischen Konzeption von Kommunikation

Prof. Dr. Dorett Funck (Vorlesung)

Mittwoch, 25. Mai 2022 um 18 Uhr im WBK

Hinweis: Wegen begrenzter Plätze ist eine Anmeldung bis zum 18. Mai 2022 in der Geschäftsstelle des Campusstandortes Coesfeld erforderlich.

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Ein Zentralbegriff der modernen Soziologie ist Kommunikation. Im Zentrum steht nicht der Einzelne mit seinen Kalkülen, Motiven und Interessen. Sondern die Disziplin Soziologie untersucht, wie über kommunikative Prozesse Austauschbeziehungen entstehen. Manchmal entfalten diese sozialen Beziehungen auch Wirkungen, mit denen die Akteure nicht gerechnet haben. So fragt die Soziologie danach, wie durch das Zusammenkommen von Menschen kommunikative Strukturen mit einer Eigengesetzlichkeit entstehen, die nicht allein über die Intentionen der Menschen zu erklären sind.

Der Vortrag wird anhand von Beispielen illustrieren, was menschliche Kommunikation ausmacht und zeigen, dass das, was Menschen tun, wenn sie miteinander kommunizieren, alles andere als zufällig, beliebig oder bloß „individuell“ ist.

Der Festvortrag beginnt bereits um 18.00 Uhr, damit alle, die kommen, im Anschluss mitfeiern können!

Dorett Funcke ist seit April 2020 Leiterin des Lehrgebiets der Ernstings family-Stiftungsprofessur Mikrosoziologie. Von 2013 bis 2020 hatte sie die Ernsting’s family-Junior-Stiftungsprofessur Familiale Lebensformen, Netzwerke und Gemeinschaften inne. Seit 2013 leitet sie die BürgerUniversität Coesfeld. 2014 bis 2020 verantwortete sie das Promotionskolleg „Wandel der Familie. Diskontinuität, Tradition und Strukturbildung“ an der FernUniversität. Zuvor war sie u.a. Vertretungsprofessorin an der Universität Bochum und an der TU in Dresden.

Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Bildungsprozesse und Sozialisation, Paar- und Familiensoziologie, Rekonstruktive Verfahren der Sozial- und Kulturforschung sowie Kinderschutz.


Erzähle und erkenne Dich selbst!

Möglichkeiten und Grenzen lebensgeschichtlicher Erinnerung

Prof. Dr. Jürgen Straub (Vorlesung)

Mittwoch, 29. Juni 2022 um 19.00 Uhr im WBK

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Alle Menschen können erzählen! Es gehört zu den anthropologischen Universalien, dass Menschen sich und ihre Welt in Geschichten zu vergegenwärtigen vermögen. Dabei erfüllt das (autobiographische) Erzählen nicht nur eine ganze Reihe von soziokulturellen und psychosozialen, kommunikativen Funktionen. Im lebensgeschichtlichen Erzählen versuchen wir nicht allein, uns den Anderen mitzuteilen und dabei ein möglichst triftiges – vielleicht allzu schmeichelhaftes – Bild unseres Selbst zu vermitteln. Wir ringen dabei womöglich auch um Selbsterkenntnis. Das ist ein anspruchsvolles, lohnenswertes Projekt!
Ohne aufrichtige Selbst-Erzählungen sind Einsichten ins eigene Leben und Selbst nicht zu haben. Aber keine autobiographische Geschichte kann alles im gelebten Leben erfassen. Selbsterkenntnisse sind obendrein niemals rein und allein, sondern verbunden mit Selbsttäuschungen. Wir sind uns immer auch entzogen und bleiben uns ein Stück weit undurchsichtig und undurchschaubar, wie lange und wie ausführlich wir auch erzählen mögen.

Der Vortrag handelt von Selbsterkenntnissen und ihren Grenzen sowie von Selbsttäuschungen. Dabei macht er die Zuhörerschaft mit einem interdisziplinären Gebiet bekannt, in dem sich die Philosophie und verschiedene Wissenschaften ein Stelldichein geben.

Jürgen Straub, Prof. Dr. phil., Dipl.-Psych., Jahrgang 1958, ist seit 2008 Inhaber des Lehrstuhls für Sozialtheorie und Sozialpsychologie der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2015 ist er Ko-Direktor (mit Pradeep Chakkarath) des Hans Kilian und Lotte Köhler-Centrums für sozial- und kulturwissenschaftliche Psychologie und historische Anthropologie (KKC). Er ist Mitglied im Think Tank des Exzellenzclusters TOPOI an der Humboldt Universität Berlin und assoziiertes Mitglied im Freiburger DFG-Graduiertenkolleg „Faktuales und fiktionales Erzählen“.
2015 erhielt er den Ernst-Eduard-Boesch-Preis für Kulturpsychologie der Gesellschaft für Kulturpsychologie in Salzburg, 2017 den Höffmann-Wissenschaftspreis für Interkulturelle Kompetenz der Universität Vechta.

„Das Dorf gibt es nicht mehr!“

Formen alevitischer Lebensführung in der neuen Urbanität

Elif Uğurlu M.A. (Seminar)

Samstag, 16.07.2022 von 10.00 bis 14.00 Uhr in den Räumlichkeiten des Campus Coesfeld

Hinweis: Wegen begrenzter Plätze ist eine Anmeldung bis zum 7. Juli 2022 in der Geschäftsstelle des Campusstandortes Coesfeld erforderlich.

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Die Fragen des Religiösen und nach der Religion sind heute in globalisierten modernen Gesellschaften kein Überbleibsel aus einer vergangenen Zeit. Vielmehr handelt es sich um Fragen, die gesellschaftliche Zusammenhänge sowie die individuelle Lebensführung prägen.
Dabei sind die Erscheinungsformen des Religiösen im Alltag der Menschen je nach Religion und Glaubensrichtung unterschiedlich und können ihre Form verändern.
Am Beispiel der religiösen Lebensführung der Glaubensgemeinschaft der Aleviten soll das Dorf-Stadt Verhältnis näher betrachtet werden.

Das Seminar führt kurz in die zentralen historischen Entwicklungen, Glaubensinhalte und -praktiken der Aleviten ein. Anhand von zahlreichen Beispielen wird die spezifische Lage der Aleviten in der Türkei und im Migrationskontext nachgezeichnet. Zum einen wird versucht, die Formen alevitischer Lebensführung kennenzulernen und zum anderen der Frage nach dem Wandel alevitischer Organisationsformen im städtischen Kontext nachzugehen.

Elif Uğurlu, M.A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrgebiet für Mikrosoziologie an der FernUniversität in Hagen. Sie studierte Sozialwissenschaften in Gießen (B.A.) und Soziologie (M.A.) in Münster. Bei ihrer im Mai 2021 eingereichten Doktorarbeit mit dem Titel „Multiple Übersetzung der Religion: Zu Formen und Formaten alevitischer Religiosität“ an der Universität Münster im Fach Soziologie ging es um die in der Türkei nicht anerkannte Glaubensgemeinschaft und ihre Form der Organisation. Elif Uğurlus Forschungsinteressen sind Religion und Familie im Migrationskontext, Übersetzungstheorie, Diversität, Islam und Gender sowie qualitativ rekonstruktive Methoden.


„Ich bin ohne Sinnen gestorben: Leben und Leid der Rosa Schillings“

Gabriele Lübke (Lesung)

Samstag, 24.09.2022 um 10.30 Uhr im WBK

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Über 300.000 behinderte und psychisch kranke Menschen wurden von 1939 bis 1945 von den Nationalsozialisten ermordet. Über 70.000 von ihnen starben in den Gaskammern von sechs Tötungsanstalten.

Eine von ihnen war Rosa Schillings: Eine Frau, die durch persönliche Schicksalsschläge in die Maschinerie der nationalsozialistischen Psychiatrie geraten war. Eine Frau, die sich trotz aller Schikanen in den Heil- und Pflegeanstalten nicht beugen ließ. Eine Frau, die am 2. Mai 1941 in Hadamar in der Gaskammer ermordet wurde.

Das Buch ist eine würdige Sichtbarmachung von Rosa Schillings, die widerständig und bei Sinnen blieb, aber, wie sie es selbst vorausahnend formulierte, „ohne Sinnen gestorben“ ist. Rosa Schillings steht stellvertretend für die vielen, teils immer noch namenlosen Opfer der nationalsozialistischen Diktatur.

Rosa Schillings Geschichte beruht auf den Erzählungen ihres Sohnes, auf Dokumenten, Schriftstücken und Briefen, die sich in Familienbesitz der Autorin befinden, und auf Rosas Krankenakte aus dem Bundesarchiv Berlin.

Gabriele Lübke, Jahrgang 1959, ist die Enkelin von Rosa Schillings. Sie studierte Wirtschaftswirtschaft an der FernUniversität in Hagen und arbeitet seit über 30 Jahren im Hochschulbereich.

Martina Stöppel | 13.05.2022