Aktuelles Programm

Die Vorlesungen richten sich an eine breite regionale Öffentlichkeit, die an aktuellen soziologischen Forschungsergebnissen interessiert ist. Die Vortragenden aus Hagen und dem ganzen Bundesgebiet referieren in allgemeinverständlicher Form zu gesellschaftlichen Themen in Deutschland und Europa.

Viele Vorlesungen früher Semester können Sie weiterhin kostenfrei in der Mediathek des Lehrgebietes der Ernsting-Stiftungsprofessur für Mikrosoziologie abrufen:

Mediathek der BürgerUniversität Coesfeld

Veranstaltungsort:

WBK | Wissen Bildung Kultur
Osterwicker Straße 29, 48653 Coesfeld

Flyer BürgerUniversität Coesfeld Sommersemester 2026

 

Veranstaltungen im Sommersemester 2026


 

Buchvorstellung: Die Bibelübersetzung von Buber-Rosenzweig

Geschichte eines Projekts

Dr. Inka Sauter (Vorlesung)

Mittwoch, 01.04.2026 um 19.00 Uhr im WBK

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Die jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber und Franz Rosenzweig begannen 1925, die hebräische Bibel ins Deutsche zu übersetzen. Als der erste Band des Werks Ende des Jahres erschien, schlug dies insbesondere in der deutsch-jüdischen Öffentlichkeit hohe Wellen. Es entwickelte sich eine konfrontativ geführte Debatte, die die großen Fragen der Moderne adressierte. Dabei ging es um Tradition, Politik, Zugehörigkeit und den Stellenwert der Bibel in dieser Zeit. An der Debatte beteiligten sich neben Buber und Rosenzweig unter anderem Siegfried Kracauer, Margarete Susman, Ernst Simon, Gershom Scholem und Walter Benjamin. Das Konfliktgeschehen ist in der jüngst im Jüdischen Verlag im Suhrkamp Verlag erschienenen Quellenedition „Die Bibelübersetzung von Buber-Rosenzweig. Geschichte eines Projekts“ abgebildet. Inka Sauter, die das Buch zusammen mit Christoph Kasten und Ansgar Martins herausgegeben hat, wird das Projekt von Buber und Rosenzweig in seinem Kontext vorstellen.

Dr. Inka Sauter ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. 2022 ist ihr aus der Dissertation hervorgegangenes Buch „Offenbarungsphilosophie und Geschichte. Über die jüdische Krise des Historismus“ erschienen. Gegenwärtig forscht sie zur Repräsentation der deutschen Sprach-geschichte im Werk Martin Bubers.


Festveranstaltung

Wie neues Wissen entsteht – Forschen am Lehrgebiet der Ernsting-Stiftungsprofessur für Mikrosoziologie

Mittwoch, 22.04.2026 um 18.00 Uhr im WBK

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Das Lehrgebiet der Mikrosoziologie stellt eine Auswahl von aktuell laufenden Forschungsarbeiten vor. Die Referentinnen und Referenten berichten über ihre Forschungsfragen, die Wege der Antwortsuche, die Schwierigkeiten und Lösungen im Erkenntnisbildungsprozess und auch darüber, was die wissenschaftliche Suche nach Wahrheit bedeutet. Die Forschungsthemen der Vorträge behandeln sowohl soziologische Fragen aus den Bereichen der Transgendermedizin, dem Kinderschutz, der Gegenwartsfamilie als auch biografische Fragen aus der Adoleszenzforschung, der Gewaltforschung sowie der Arbeit mit familienbiografischem Datenmaterial. Die Vorträge bieten einen Einblick, wie und aus welchen unterschiedlichen Quellen von Daten (Interviews, Raptexte, Familienfotografien) Erkenntnisse im Verlaufe eines Forschungsprozesses gewonnen werden.

Vortragen werden Frau Dr. Franziska Krüger und Herr Dr. Julian Möhring. Sie sind wissenschaftliche Mitarbeitende am Lehrgebiet der Ernsting-Stiftungsprofessur für Mikrosoziologie und werden von Zugängen und ersten Befunden sprechen, die Teil einer Habilitationsarbeit sind. Frau Preeti Schneidereit ist Promovendin und Lehrbeauftragte am Lehrgebiet und stellt ihr Promotionsthema vor. Frau Isabella Lindgren und Herr Pierre Niethammer sind Studierende der FernUniversität und stellen ihre Master- bzw. Bachelorthemen vor. Frau Dr. Sylvia Herb ist Lehrbeauftragte und präsentiert Ergebnisse aus einem BürgerUni-Workshop.

Bitte beachten Sie, dass die Veranstaltung bereits um 18:00 Uhr beginnt. Wir bitten um eine verbindliche Anmeldung in der Geschäftsstelle des Campus Coesfeld bis zum 15. April 2026.


Der sozial-ökologische Transformationskonflikt: Herausforderungen, Dilemmata, Perspektiven

Prof. em. Dr. Sighard Neckel (Vorlesung)

Mittwoch, 06.05.2026 um 19.00 Uhr im WBK

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Wirksamer Klimaschutz ist ein bisher vergleichsweise erfolgloses Unterfangen, das viel zu oft an den eigenen Ansprüchen scheitert. In diesem Vortrag sollen jenseits tagespolitischer Debatten die besonderen Gründe erörtert werden, die einen sozial-ökologischen Umbruch zu einer beispiellosen Herausforderung für moderne Gesellschaften machen. Wenn innerhalb eines Jahrzehnts die Wirtschaft auf Nachhaltigkeit verpflichtet werden soll, die politischen Institutionen auf Klimaschutz, die Infrastruktur emissionsfrei werden muss, die Lebensführung ressourcenschonend und möglichst suffizient, dann treten tiefgreifende Veränderungen in einer Vielzahl und Kurzfristigkeit auf den Plan, die sich nicht störungsfrei koordinieren lassen. Die ungeheure Bandbreite eines sozial-ökologischen Umbruchs bringt unzählige Konflikte hervor, die buchstäblich bei jeder einzelnen Maßnahme in jedem nur denkbaren Lebensbereich für heftige Auseinandersetzungen sorgen. Wie ist es dennoch möglich, ökologische und gesellschaftliche Fortschritte zu erzielen und die Welt vor einer Klimakatastrophe zu bewahren?

Sighard Neckel ist Soziologe und emeritierter Professor für Gesellschaftsanalyse und sozialen Wandel an der Universität Hamburg. Dort leitete er von 2019 bis 2023 die DFG-Kolleg-Forschungsgruppe „Zukünfte der Nachhaltigkeit“, an der er seither als Senior Permanent Fellow tätig ist. Seine Forschungsgebiete sind Wirtschaftssoziologie, soziale Ungleichheit und Konflikte um Nachhaltigkeit. Zuletzt erschien: „Katastrophenzeit. Die Gesellschaft im Klimawandel und die Fallstricke der Transformation“ (C.H.Beck 2026).


Der Fußball als Quasi-Labor der empirischen Wirtschaftsforschung

PD Dr. Hendrik Sonnabend (Vorlesung)

Mittwoch, 03.06.2026 um 19.00 Uhr im WBK

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Der professionelle Sport bietet für die Wirtschaftswissenschaften ein hervorragendes Umfeld zur Untersuchung menschlichen Verhaltens in einer realen Wettbewerbsumgebung. Wie bei einem Laborexperiment profitieren Forschende von der guten Beobachtbarkeit und der Standardisierung durch universelle Regeln, ohne jedoch mit den typischen Nachteilen des Labors in Form geringer monetärer Anreize, einer kleinen Zahl von Versuchspersonen und einer „künstlichen“ Umgebung umgehen zu müssen.

So lassen sich mit Daten aus dem Spitzenfußball ganz unterschiedliche Themen untersuchen wie etwa der Zusammenhang von unfairer Bevorzugung und Leistung, Fehlverhalten im Wettbewerb, Geschlechterunterschiede in der Risikotoleranz, Anwesenheitszwang in der Arbeitswelt und antizipatorisches Verhalten in Turnieren.

PD Dr. Hendrik Sonnabend hat an der Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert und an der FernUniversität in Hagen im selben Fach promoviert und habilitiert. Derzeit ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftspolitik, der FernUniversität in Hagen beschäftigt. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der angewandten Mikroökonomik, mit einem besonderen Fokus auf Fragen der Arbeits- und Verhaltensökonomik.


Lokale Demokratie – Aus Erfahrung in NL und NRW lernen

Formen der Bürgerbeteiligung und ihre Nutzung

Dr. Heinz Öhmann (Seminar)

Samstag, 01.08.2026 von 10.00 bis 14.00 Uhr im WBK

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In einem Eingangsstatement des Dozenten wird den Teilnehmenden ein Überblick über das System der lokalen Demokratie gegeben. Grundlage dafür ist die Kommunalverfassung in Nordrhein-Westfalen mit ihren repräsentativen und direktdemokratischen Elementen. Im Zentrum der Diskussion stehen Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung und deren Folgen für eine Stadt bzw. Gemeinde. Des Weiteren wird es um einen systemischen Vergleich der lokalen Demokratie in Nordrhein-Westfalen mit den Niederlanden gehen.

Der Dipl. Volkswirt und langjährige Bürgermeister hat sich schon während seines Studiums und in verschiedenen politischen Funktionen frühzeitig mit der kommunalen Demokratie auseinandergesetzt. In seiner beruflichen Laufbahn in drei verschiedenen Kommunalverwaltungen als Kämmerer und Kulturdezernent im niedersächsischen Lingen und als Bürgermeister in Hemer und in Coesfeld hat er ausgiebig nicht nur die Kommunalverwaltungen, sondern auch das System der Kommunalverfassungen in seinen Entwicklungen und in der aktuellen Ausprägung, insbesondere in Nordrhein-Westfalen, intensiv kennengelernt. Seit seiner Pensionierung Ende 2020 hat sich der Referent wissenschaftlich mit der obigen Thematik beschäftigt und eine Dissertationsschrift dazu verfasst.

Eine Anmeldung ist bis zum 28. Juli 2026 in der Geschäftsstelle des Campus Coesfeld erforderlich.


Veranstaltungen im Wintersemester 2026/2027


Die Tücken der Mehrheitsentscheidung.

Der athenische Volksbeschluss zur Vernichtung der Polis Mytilene (427 v. Chr.).

Prof. Dr. Egon Flaig (Vorlesung)

Mittwoch, 28.10.2026 um 19.00 Uhr im WBK

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Direkte Demokratien sind erstaunlich entscheidungsfähig. Denn das Mehrheitsprinzip führt zu eindeutigen Beschlüssen, und es beschleunigt das kollektive Entscheiden. Allerdings wächst damit das Risiko von allzu schnell gefassten Entscheidungen. Ein markantes Ereignis der griechischen Geschichte illustriert dieses Problem. Im Frühjahr 427 v. Chr., während des Peloponnesischen Krieges, musste die athenische Volksversammlung eine schwere Entscheidung treffen. Die Stadt Mytilene war von Athen abgefallen, wurde belagert und musste kapitulieren. Als Strafe beschlossen die Athener – auf Antrag des gefürchteten Redners Kleon –, Mytilene zu vernichten. Doch ein Großteil der Bürger bereute diesen Beschluss. Es kam zu einer zweiten Volksversammlung, und diese revidierte die erste Entscheidung. Freilich war die Debatte um die Revision sehr hart und sehr grundsätzlich, und das Stimmenmehr für die Revision war sehr knapp. Denn Kleon argumentierte gegen die Revision, indem er darauf hinwies, dass Demokratien besonders gefährdet seien, wenn sie nicht an ihren Entscheidungen festhielten.

Egon Flaig, geb. 1949, 1997 Professor für Alte Geschichte an der Universität Greifswald, 2008 Professor für Alte Geschichte an der Universität Rostock. Preis der Aby-Warburg-Stiftung 1997. Forschungsschwerpunkte: Politische Anthropologie von Konsensritualen und Entscheidungsverfahren, Ideengeschichte von Freiheit und Sklaverei, Geschichte und Politische Philosophie des Republikanismus. Bücher: Den Kaiser herausfordern. Die Usurpation im Römischen Reich, Frankfurt 2019; Weltgeschichte der Sklaverei, München 2018; Die Mehrheitsentscheidung. Entstehung und kulturelle Dynamik, Paderborn 2013.

Stiftungen als Instrument bürgerschaftlichen Engagements und der Unternehmensnachfolge

Prof. Dr. Bernd Andrick (Vorlesung)

Mittwoch, 25.11.2026 um 19.00 Uhr im WBK

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Das Stiften ist so alt wie die Menschheit. War zunächst die Wohlfahrt das bestimmende Merkmal der Stiftung, hat sie sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer Rechtsform entwickelt, die in vielfältiger Weise ihren Platz in der Gesellschaft und in der Wirtschaft gefunden hat. Sie ist nicht nur ein geeignetes Instrument für altruistisches Handeln, sondern sie ermöglicht darüber hinaus auch der Wirtschaft, eine geordnete und erfolgreiche Unternehmensnachfolge zu sichern. Sie vermag bürgerschaftliches Engagement und erfolgreiches Unternehmertum zu verbinden. Stiften ist Ausdruck der von der Verfassung garantierten Freiheit im Sinne von Selbstbestimmung und Eigeninitiative, zugleich aber auch der Verantwortung für den Einzelnen und das Gemeinwohl. Die Stiftung bietet allen den Gestaltungsraum, der für die Verwirklichung individueller Vorstellungen benötigt wird. Der Wille der Stifter bestimmt dabei das Wirken der Stiftung; seine jederzeitige Beachtung ist das oberste Gebot des Stiftungsrechts.

Prof. Dr. Andrick ist bereits seit über 40 Jahren mit dem Stifterwesen befasst. Als Richter, insbesondere am Oberverwaltungsgericht Münster, hat er wegweisende Entscheidungen zum Stiftungsrecht verfasst. Im Bereich der Gesetzgebung war er als Sachverständiger sowohl im Deutschen Bundestag als auch in den Landesparlamenten eingebunden. Seine Bücher und Kommentare zählen zu den Standardwerken des Stiftungsrechts. Wissenschaftlich beheimatet ist Prof. Dr. Andrick an der Ruhr-Universität Bochum, an der er die Professur für das Gebiet des Stiftungsrechts innehat.


Henri Meschonnic oder Die Poetik des Rhythmus

Prof. Dr. Vera Viehöver (Vorlesung)

Mittwoch, 20.01.2027 um 19.00 Uhr im WBK

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Rhythmus ist ein Begriff, der in der Alltagssprache fest verankert ist und bei vielen von uns die gleichen Assoziationen weckt: die wiederkehrenden Jahreszeiten, der Wechsel von Tag und Nacht, die Wellenbewegung des Meeres, der regelmäßige Herzschlag, die zeitliche Gliederung eines Musikstücks. Schon Platon hat ῥυθμός mit Takt und Maß in Verbindung gebracht und damit, so meint der französische Dichter, Übersetzer und Sprachtheoretiker Henri Meschonnic, eine ältere Bedeutung des Begriffs zum Verschwinden gebracht. Meschonnic stellt diese ältere Auffassung in den Mittelpunkt eines vielgestaltigen Werks, das in Deutschland gerade erst entdeckt wird. Vera Viehöver, die einige seiner Essays übersetzt und eine Monografie über ihn verfasst hat, stellt Meschonnics „anderes“ Rhythmus-Denken vor und zeigt, in welchen Bereichen unseres Lebens es sein Potenzial entfalten kann: im Nachdenken über Literatur, in der Begegnung mit Werken der bildenden Kunst, ja sogar in der Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen von KI.

Prof. Dr. Vera Viehöver studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie in Aachen, Brüssel und Düsseldorf. Seit 2013 lehrt sie Deutsche Literatur an der Université de Liège (B). Forschungsschwerpunkte sind die Literatur des 18. Jahrhunderts, deutsch-jüdische Autorinnen, Autobiografien von Frauen sowie Übersetzungstheorie und -geschichte. Zu Henri Meschonnic hat sie eine „Denkbiografie“ sowie eigene Übersetzungen vorgelegt (Matthes& Seitz Berlin 2025).


Demokratie und Rechtsstaat in guter Verfassung?

Kritische Anmerkungen zum aktuellen Zustand des demokratischen Verfassungsstaates

Prof. Dr. Dr. Volker Boehme-Neßler (Vorlesung)

Mittwoch, 10.02.2027 um 19.00 Uhr im WBK

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Das Grundgesetz, die deutsche Verfassung, will, dass wir in einem Rechtsstaat und in einer Demokratie leben. Demokratischer Rechtsstaat – das ist die Staatsform, die der Menschenwürde, dem obersten Wert der Verfassung, entspricht. Seit der Corona-Zeit mit ihren oft unverhältnismäßigen Einschränkungen der Bürgerfreiheiten kann man daran zweifeln, ob Demokratie und Rechtsstaat noch in einem guten Zustand sind. Eine Zahl wirft ein Schlaglicht auf die gegenwärtige Lage. Nach aktuellen Umfragen sagt knapp die Hälfte der Bürger, dass man seine Meinung frei sagen könne. Fast die Hälfte meint aber, dass man vorsichtig sein müsse, was man sage. Wer den Mainstream der Meinungen kritisiert, wird schnell ausgegrenzt, nicht selten auch stigmatisiert. Für eine Demokratie, die vom freien Meinungsaustausch freier Bürger lebt, ist das ein erschreckender Befund. Was ist da los? Wohin führt das? Was kann man, was muss man tun? Das sind die Fragen, mit denen sich der Vortrag beschäftigt.

Prof. Volker Boehme-Neßler ist Rechtswissenschaftler und Politologe. Er lehrt Verfassungsrecht und Medienrecht an der Universität Oldenburg. Seine Forschungen bewegen sich im Grenzbereich von Verfassungsrecht, Demokratieforschung, Digitalisierung und Psychologie. Angefangen hat er sein Berufsleben nach der Wende als Rechtsanwalt in Berlin. Seit einigen Jahren engagiert er sich zunehmend außerhalb des akademischen Elfenbeinturmes als Publizist und kritischer Beobachter des politischen Zeitgeschehens.


Christlicher Nationalismus in den USA und in Deutschland

Christlicher Fundamentalismus zwischen Frömmigkeit, Kulturkampf und demokratischer Herausforderung

Dr. Maria Hinsenkamp (Vorlesung)

Mittwoch, 03.03.2027 um 19.00 Uhr im WBK

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Im Zentrum des Vortrags steht die Frage, was wir eigentlich meinen, wenn heute von christlichem Fundamentalismus oder christlichem Nationalismus gesprochen wird. Ausgangspunkt sind aktuelle Phänomene: die religiöse Aufladung der Trump-Bewegung, christliche Symbolik und martialische Tattoos bei Akteuren wie Pete Hegseth oder der Erfolg von „Christfluencern“ in sozialen Medien. Der Vortrag fragt, warum Religion zunehmend mit Kulturkampf, Identitätspolitik und politischen Machtansprüchen verschmilzt. Ein besonderer Fokus liegt auf der global gewachsenen Pfingstbewegung und neocharismatischen Netzwerken. Diese verbinden religiöse Erfahrung zunehmend mit konservativen Gesellschaftsbildern, Vorstellungen eines „geistlichen Kampfes“ und antipluralistischen Narrativen. Der Vortrag zeichnet diese Entwicklungen seit den 1970er-Jahren nach und fragt, welche Dynamiken inzwischen auch in Deutschland sichtbar werden.

Dr. Maria Hinsenkamp, geboren 1991 in Berlin, studierte Evangelische Theologie in Wuppertal und Berlin. 2023 promovierte sie in Göttingen bei Prof. Dr. Jennifer Wasmuth zu pfingstlich-charismatischen Netzwerken. Sie ist Pfarrerin im Entsendungsdienst in Hagen und Mitherausgeberin des 2026 erschienenen Bandes „Christlicher Nationalismus in den USA“ (mit Thorsten Dietz).


Workshop Familienbilder analysieren

Ein soziologischer Blick auf private Erinnerungsstücke

Dr. Silvia Herb (Seminar)

Samstag, 13.03.2027 von 10.00 bis 14.00 Uhr im WBK

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Üblicherweise betrachten wir Familienfotografien als eine Art „visuellen Merkposten“, der Erinnerungen an vergangene Erlebnisse oder Situationen in uns wachrufen soll. Im Workshop wird gezeigt und an praktischen Beispielen eingeübt, wie Familienbilder mit wissenschaftlichen Methoden analysiert und dabei Rückschlüsse auf familiale Strukturen und Werte gezogen werden können.

Es werden Familienbilder zur Analyse zur Verfügung gestellt, es dürfen aber auch eigene (aktuelle oder auch ältere) Familienfotografien mitgebracht werden, sofern die Bereitschaft besteht, diese in der Gruppe analysieren zu lassen.
Falls die Arbeit an eigenen Fotografien gewünscht wird, sollten diese mit hoher Auflösung eingescannt und der Scan ein bis zwei Wochen vor dem Workshoptermin an die Veranstaltungsorganisatorinnen gesendet werden. Es werden dann für die anderen Teilnehmenden Papierkopien im Din-A4-Format angefertigt, die im Rahmen der Analysearbeit zerschnitten werden können.

Die Referentin hat an der FernUniversität in Hagen Sozialwissenschaften studiert und an der Universität Bielefeld in Soziologie promoviert. Dabei beschäftigten sie Fragestellungen wie: Was sagen mediale Darstellungen über unsere Auffassung von Wirklichkeit aus? Wie verändern neue Medien wie Internet und Social Media unseren Umgang miteinander? Und mit welchen Mitteln ist es überhaupt möglich, mediale Darstellungen wissenschaftlich zu untersuchen? Seit 2019 ist Frau Herb an der FernUniversität in Hagen am Lehrgebiet Ernsting-Stiftungsprofessur für Mikrosoziologie als Lehrbeauftragte tätig. Ihre Erfahrung im Umgang mit qualitativen medienanalytischen Methoden wendet sie nun auf familiensoziologische Themen und Fragestellungen an.

Eine Anmeldung ist bis zum 5. März 2027 in der Geschäftsstelle des Campus Coesfeld erforderlich.


Campus Coesfeld | 03.07.2026