Aktuelles

Ankündigung Geschichtswoche 2026

Liebe Studierende, sehr geehrte Damen und Herren,
gerne möchten wir Sie auf die anstehende 11. Geschichtswoche ‚Körper‘ hinweisen. Diese findet vom 5. bis zum 9.10.2026 in Hagen statt.
Weitere Informationen zur 11. Geschichtswoche, der Absolventenehrung und der Absolventenfeier finden Sie hier
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme, das Historische Institut.


  • 21. - 23.10.2026: Lyon
    9th Lyon International Congress: "The Army, the Soldier and the Sea in the Roman World"
    Vortrag von Dr. Konrad Stauner: Roman Military Fleets and Logistics from the Principate to the Late Roman Empire (end of the 1st Century BC to 6th Century AD)

  • 07. - 08.07.2026: Hagen
    Veranstaltet das Lehrgebiet Public History das Belarus Colloquium: Knowledge Production vis à vis authoritarian rule. Mehr Informationen zum Kolloquium finden Sie hier.

  • 19.06.2026 (18 Uhr): Pilecki-Institut Berlin
    Vortrag: A Frightened Modernity: Language, Politics, and Identity in Belarusian Cultural Projects of the 1920s and 1930s. Anna Karpenko will discuss various projects carried out during a period when Belarusian national and cultural identity was under threat from both the Soviet East and the West. Mehr Informationen hier.
    Impuls: Anna Karpenko (Münster/Berlin), Kommentar: Dr. Olga Shparaga (FernUniversität in Hagen)

  • 18.06.2026: Wie lässt sich die Geschichte des Holocausts schreiben? Anhand von zwei aktuellen Veröffentlichungen wendet sich die Veranstaltungsreihe „Historischer Salon. Geschichte im Gespräch“ dieser Frage zu. Zum einen Janine Fubels „Krieg, Bewegung und extreme Gewalt“, das die Auflösung des Konzentrationslagers Sachsenhausen in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges rekonstruiert. Zum anderen Florian Gregors „Franz Stangel (1908-1971)“, das sich mit dem Lebensweg eines einzelnen NS-Täters und den mit ihm verbundenen nachträglichen Deutungen auseinandersetzt. Informationen zum Historischen Salon finden Sie hier.

  • 11.-13.06.2026: Kiel
    Globale Expeditionen in Mittelalter und Neuzeit
    Wissens- und kulturgeschichtliche Perspektiven

    Jahrestagung der Gesellschaft für Globalgeschichte 2026
    Nähere Informationen: Programm (PDF)

  • 04.06.2026 (18 Uhr): Pilecki-Institut Berlin
    Vortrag: Warschau 1905 – Geschichte machen und die Moderne anführen. Der Vortrag analysiert, wie diese zwei miteinander verflochtenen Aspekte der Geschichte – ihre Übermacht und ihre Machbarkeit – die Wahrnehmung der Gegenwart während der Revolution des Jahres 1905 in Warschau entscheidend prägten. Mehr Informationen hier.
    Impuls: Dr. Clara M. Frysztacka (Berlin), Kommentar: Dr. Johannes Bent (Frankfurt (Oder))

  • 02.06.2026: Zwischen den Funktionen. Der Familienname (§ 1355 BGB) im Spannungsfeld von Allgemein- und Individualinteressen. Geschichte und Dogmatik: Das Lehrgebiet Geschichte der Europäischen Moderne hat Martin Otto für das nächste Forschungskolloquium eingeladen.

  • 12.5.2026: FeU Hagen, Fakultät KSW, Historisches Institut
    Ausschreibung einer W3-Stelle als Universitätsprofessor*in für Geschichte der europäischen Vormoderne
    zur Verstärkung unseres Teams ab dem 01. August 2027.
    Zur Ausschreibung.

  • Ute Kemmerling, Lehrbeauftragte und Promovendin im Lehrgebiet Geschiche Europas in der Welt

    Zwei Stipendien ermöglichten ihr längere Forschungsaufenthalte in London und Indien – Erfahrungen, die ihr Projekt „Ajmer – ein muslimischer Pilgerort unter kolonialer Beobachtung in Britisch-Indien (1818–1947)“ grundlegend geprägt haben.
    „Ohne die Stipendien wären diese vertiefenden Aufenthalte in London und Indien in dieser Form nicht realisierbar gewesen“, sagt Kemmerling, die im Lehrgebiet Geschichte Europas in der Welt promoviert, rückblickend. Insgesamt verbrachte sie knapp drei Monate für ihre Forschung im Ausland. „Das war die wertvollste Zeit für meine Recherchearbeit im vergangenen Jahr.“
    Vollständiger Artikel

Weitere Termine des Forschungscolloquiums des Historischen Instituts finden Sie hier.


In memoriam Lutz Niethammer, 26. Dezember 1939; † 29. Juli 2025

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2025-12-08-LNiethammerFoto: American Academy of Science and Arts

Mit dem Tod von Lutz Niethammer am 29. Juli 2025 verliert die deutsche Geschichtswissenschaft eine prägende Persönlichkeit, deren Wirken auch an der FernUniversität bleibende Spuren hinterließ. Als Historiker, Hochschullehrer und intellektueller Impulsgeber gestaltete er die Zeitgeschichte in Deutschland über Jahrzehnte hinweg maßgeblich mit. Sein Name steht für die Etablierung der Oral History als wissenschaftliche Methode und für die Verbindung von sozialgeschichtlicher Forschung mit biographischen Zugängen.

Bereits in den 1980er Jahren setzte Niethammer mit dem Projekt „Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet“ (LUSIR) von Hagen aus Maßstäbe für eine neue Dimension empirischer Arbeit. Es war das erste große Oral-History-Projekt an einer bundesdeutschen Universität und wurde zum Ausgangspunkt für eine neue Form der Geschichtsschreibung „von unten“. Bis heute wirkt dieses Projekt über Nordrhein-Westfalen hinaus nach – methodisch, institutionell und inhaltlich.

Von 1982 bis 1989 war Niethammer Professor für Neuere Geschichte an der FernUniversität in Hagen, wo er entscheidend zur Etablierung des Fachs Geschichte beitrug. Er war gemeinsam mit Alexander von Plato Mitbegründer des Instituts für Geschichte und Biographie, das unter seiner Mitwirkung zu einem Zentrum der Oral History wurde. Kolleg:innen wie Almut Leh fanden in ihm einen Mentor, der ihre Arbeit bestärkte und förderte. Auch die Gründung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) geht auf Niethammers Initiative zurück. Als dessen erster Direktor schuf er von 1989 bis 1993 eine interdisziplinäre Plattform, die bis heute überregionale Impulse gibt.

In den späten 1990er Jahren beriet Niethammer die Bundesregierung bei den internationalen Verhandlungen zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter. Er war maßgeblich an der Konzeption der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ beteiligt und begleitete deren Arbeit über Jahre hinweg mit kritischer Loyalität. Sein Essay im Abschlussbericht der Stiftung zeugt von seinem historischen Gespür und seinem moralischen Kompass, der fehlen wird.

1993 folgte Niethammer einem Ruf an die Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo er bis zu seiner Emeritierung 2005 lehrte. In einer Zeit des Umbruchs prägte er das Historische Institut und machte Jena zu einem Zentrum der erfahrungsgeschichtlichen Forschung. Besonders wichtig war ihm die Förderung ostdeutscher Nachwuchswissenschaftler:innen, was Ausdruck seines Verständnisses von historischer Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung war.

Lutz Niethammer war ein akademischer Macher, der nie die Neugier an der Gegenwart der Vergangenheit verlor. Seine intellektuelle Offenheit, sein Gespür für den richtigen Moment und seine Fähigkeit, tragende Strukturen zu schaffen, hinterlassen bleibende Spuren – in Hagen, Essen, Jena und weit darüber hinaus. Sein Wirken lebt im Institut für Geschichte und Biographie fort, in den Erinnerungen seiner Kolleg:innen und Schüler:innen, und in einer Geschichtswissenschaft, die dank ihm gelernt hat, zuzuhören.

Stimmen zum Wirken von Lutz Niethammer

„Lutz Niethammer wird uns fehlen. Er hinterlässt ein bedeutendes Erbe, das die Jenaer Geschichtswissenschaft weiterhin prägen wird.“ – Jörg Ganzenmüller, Friedrich-Schiller-Universität Jena

„Die so entstehende Intensität war Inspiration und Herausforderung zugleich, zumal für uns Jüngere.“ – Imre Kertész Kolleg Jena

„Mit Lutz Niethammer verlieren wir einen unserer wichtigsten Impulsgeber. Er zeigte uns Wege auf, die wir in seinem Sinne weiter gehen werden.“ – Jens-Christian Wagner, Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

„Ein weit gespannter und unorthodoxer Gelehrter, dem die Zeitgeschichte viel zu verdanken hat.“ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

Karin Gockel | 08.06.2026