Forschungsgruppe

Forschungs­gruppe: Kooperative Assistenz­systeme
Forschungs­gruppen­leitung: Prof. Dr.-Ing. Jörg M. Haake
Forschungs­gruppen­koordinator: Dr.-Ing. Dirk Veiel
Status: laufend
Laufzeit: 2017 - 2020
fördernde Einrichtung: Internes Forschungs­förder­programm der FernUniversität in Hagen
Forschungs­gruppen­mitglieder:
  • Prof. Dr.-Ing. Jörg Haake
  • Prof. Dr. Stefan Stürmer
  • Prof. Dr. Uwe Elsholz
  • Dr. Renate Schramek
  • Dr.-Ing. Dirk Veiel
  • Dr. Niels Seidel
  • M.Sc. Jan-Bennet Voltmer

Beschreibung

Im Rahmen der Kooperationsprojekte Mein Dorf 55 plus und Mein Rhein-Lahn-Kreis 55 plus hat das Lehrgebiet Kooperative Systeme seit 2016 Kompetenzen im Bereich der computerunterstützten Vernetzung und Befähigung von Seniorinnen und Senioren im ländlichen Raum aufgebaut. Durch den Einsatz von Participatory Design und Technology Probes konnten und können die Beteiligung der Seniorinnen und Senioren im Entwicklungsprozess erfolgreich mit eingebunden werden. Es wurde allerdings auch zusätzlicher Forschungsbedarf auf unterschiedlichen Ebenen deutlich. Eines der gerade im ländlichen Raum hoch relevanten Felder ist die Unterstützung von Seniorinnen und Senioren bei Aufgaben des täglichen Bedarfs in einer Umgebung mit stark eingeschränkter Infrastruktur. Der Einsatz von Technik zur Unterstützung und Entlastung hat bereits heute einen hohen Stellenwert. In Zukunft wird dieser sich zudem deutlich ausweiten (bspw. Ambient Assisted Living, AAL). Die Erforschung und Entwicklung neuer Unterstützungssysteme hat daher einen hohen gesellschaftlichen wie individuellen Stellenwert. Im Besonderen besteht ein hohes und gesellschaftlich relevantes Potenzial für Innovation und Forschung im Bereich der kooperativen Assistenzsysteme.

Beispiele für solche Assistenz- und Unterstützungsszenarien sind virtuelle Unterstützerkreise, die Senioren beim Finden notwendiger Unterstützung (auf dem Land bzw. auch in strukturschwachen anonymen urbanen Räumen) helfen, Mitmachbörsen, bei denen Senioren (auf dem Land bzw. auch in strukturschwachen anonymen urbanen Räumen, eines ist z.B. das Sozialquartier Dortmund Jungferntal) Freizeitaktivitäten organisieren, anbieten und durchführen können, und Einkaufsunterstützung, mit der Seniorinnen und Senioren auf dem Land oder in städtischen Quartieren in angeschlossenen Läden aus der Distanz einkaufen können.

Denn gerade in kleineren Dörfern und strukturarmen Orten leiden Seniorinnen und Senioren darunter, dass die zentrale Infrastruktur (Lebensmittelladen, Metzger, Bäcker, etc.) nicht mehr in fußläufiger bzw. erreichbarer Entfernung vorhanden ist. Zudem besteht in der Regel keine für diese Gruppe vertretbar nutzbare Anbindung an den ÖPNV, weshalb diese Menschen oft nicht mehr selbst zum Einkaufen kommen können. Ein analoges Problem besteht in den Städten und Ballungsräumen für Seniorinnen und Senioren mit Mobilitätseinschränkungen. Private Unterstützungssysteme, durch die Seniorinnen und Senioren physisch zum Laden (oder zu einer anderen Infrastruktur) gelangen, können hier nur bedingt helfen. Neben den praktischen Konsequenzen – der Angewiesenheit auf die Hilfe anderer – wird durch die fehlende Partizipation an der zentralen Infrastruktur die soziale Beteiligung der Seniorinnen und Senioren insgesamt eingeschränkt: Spontane Begegnungen finden nicht mehr statt, Nachrichten aus der Nachbarschaft werden nicht mehr ausgetauscht, mangelnde soziale Einbindung führt zu schneller fortschreitenden Alterungsprozessen und weiteren gesundheitlichen Einschränkungen. Nach dem Wegbrechen des lokalen Ladens als sozialem Treffpunkt entsteht oft eine Lücke, sozial-emotional als Einsamkeit gefühlt, die bisher noch nicht durch andere Möglichkeiten angemessen geschlossen werden konnte. Die Entwicklung technischer Systeme, welche nicht die sozial-emotionalen Bedarfe beachtet, stößt bei den älteren und hochaltrigen Nutzergruppen auf Akzeptanzprobleme, wie die Erfahrung zeigt.

In der Forschergruppe sollen neue Wege gefunden werden, wie eine beiläufige Interaktion wiederbelebt werden kann, um so die generelle Bereitschaft zur sozialen Interaktion und die damit einhergehende Verbesserung der Lebensqualität im Sinne eines selbstbestimmten aktiven Alterns zu steigern. Im Rahmen der Forschungslinie sollen dazu zunächst Chancen für computerunterstützte Technologien und Prozesse evaluiert werden, die im Rahmen eines kooperativen Assistenzsystems eine beiläufige Interaktion zwischen Menschen mit eingeschränkter Mobilität wieder ermöglichen, und dabei den besonderen Anforderungen der Zielgruppe (z.B. altersgerechte Bedienung, Unterstützung der Vertrauensbildung zwischen den Teilnehmenden) gerecht werden. Dazu sollen Prototypen entwickelt und als Grundlage für die interdisziplinäre Forschung genutzt werden. Hierzu wird eine enge Kooperation mit dienstleistenden Unternehmen und Akteuren angestrebt. Ganz im Sinne eines Design-orientierten Forschungsansatzes sollen Prototypen für verschiedene Interaktionsszenarien entwickelt und im Feld erprobt werden, wodurch Theorie und Praxis weiterentwickelt werden soll.

Dirk Veiel | 14.05.2019