Veröffentlichungen des Lehrgebiets Philosophie I

Buchcover: Abbildung: Mohr Siebeck

Recht und Billigkeit. Zur Geschichte der Beurteilung ihres Verhältnisses
(2021)

Während das, was geltende Gesetze sind und sollen (erst recht wenn sie geschrieben sind), kaum jemals ein Gegenstand von Kontroversen war, gehen und gingen die Lehrmeinungen hinsichtlich der Frage, was ἐπιείκεια, aequitas oder Billigkeit sei, in der Geschichte der Jurisprudenz und der Philosophie weit auseinander. Wie sich geltendes Recht und das elementare Gerechtigkeitsprinzip der Billigkeit zueinander verhalten, kann nur deutlich werden, wenn man die maßgeblichen historischen Positionen miteinander vergleicht. Zu diesem Zweck rollt der vorliegende Band die genannte Fragestellung interdisziplinär und anhand exemplarischer Antworten auf. In 22 Beiträgen widmen sich namhafte Expertinnen und Experten den historischen Positionen. Das Ergebnis ist ein Längsschnitt im Breitwandpanorama, das von Platon und Aristoteles bis zum BGB und zum Europäischen Gerichtshof reicht.

Inhaltsübersicht:

Hubertus Busche/Matthias Armgardt: Einleitung - Christoph Horn: Epieikeia bei Platon und Aristoteles - Benedikt Forschner: Ius civile est aequitas constituta. Zum Verhältnis von aequitas und Recht bei Cicero - Detlef Liebs: Aequitas vs. ius bei den klassischen Juristen - Thomas Schüller: Aequitas im Kanonischen Recht - Sebastian Lohsse: Das Verhältnis von aequitas und ius nach der Lehre der Glossatoren - Maximiliane Kriechbaum: Aequitas in der Legistik des 14. Jahrhunderts - Inigo Bocken: Aequitas. Gesetz und Freiheit bei Thomas von Aquin - Jürgen Miethke: Aequitas und und ἐπιείκεια bei Wilhelm Ockham - Tilman Borsche: Concordantia. Tugend der Aequitas in der Gesetzgebung. Nikolaus von Kues’ De concordantia catholica - Judith Hahn: Billigkeit bei Martin Luther - Hubertus Busche: Billigkeit bei Melanchthon und Calvin - Danaë Simmermacher: Aequitas in der spanischen Spätscholastik - Christoph Becker: Équité bei Jean Bodin - Matthias Armgardt: Grotius’ De aequitate, indulgentia et facilitate - Kent D. Lerch: Equity. Aufstieg und Fall der Billigkeit im englischen Recht - Ursula Goldenbaum: Hobbes’ Begriff der Equity als Prinzip rechtlicher Gleichheit - Hubertus Busche: Leibniz’ Systematisierung der Billigkeit (aequitas) - Frauke A. Kurbacher: Zur Kritik der ‘gedankenlosen Billigkeit’ (aequitas cerebrina) - Stephan Stübinger: “Recht ohne Zwang”. Kants Probleme mit der Billigkeit - Stephan Meder: Aequitas und ius strictum in der Historischen Rechtsschule und Pandektistik - Werner Stegmaier: Recht und Billigkeit in der Gegenwart. Anhaltspunkte bei Friedrich Nietzsche, Emmanuel Levinas und Jacques Derrida - Martin Hochhuth: Positivierungsquelle, Korrektiv und gefährliche Aufweichung: Billigkeit und Verhältnismäßigkeit im modernen Rechtssystem.

Armgardt, Matthias / Busche, Hubertus (Hrsg.): Recht und Billigkeit. Zur Geschichte der Beurteilung ihres Verhältnisses, Tübingen 2021, Mohr Siebeck, ISBN: 9783161582301 (print) / ISBN: 9783161597978 (E-Book).

Buchcover: Abbildung: Alber

Autonomie. Aktuelle ethische Herausforderungen der Gesellschaft.
(2020)

Aktuelle bioethische Debatten werden vor allem von zwei Schwierigkeiten überschattet: zum einen von der Unklarheit des Begriffes menschlicher Autonomie - hier geht es um individualethische Fragen, vor allem um Beginn und Ende des Lebens. Zum anderen bedroht die Verschiebung individueller Wissensträgerschaft zum anonymen Kollektivsubjekt angesichts einer zunehmenden Ökonomisierung des Gesundheitswesens das ärztliche Ethos des Helfens und Heilens. Diese und weitere Problemstellungen werden in dem vorliegenden Band ausführlich und nach aktuellem Diskussions- und Wissensstand erörtert.

Inhaltsübersicht:

Kapitel I. Über Autonomie und Menschenwürde. Zur Klärung der beiden Fundamentalbegriffe menschlicher Grundverfasstheit. Kapitel II. Vom autonomen Subjekt zum anonymen Kollektiv? Kapitel III. Unsicherheiten hinsichtlich des menschlichen Lebensbeginns und des Lebensendes vor dem Hintergrund des Verständnisses von Autonomie. Kapitel IV. Formen und Probleme individueller autonomiebasierter Selbstbestimmung angesichts wachsender Möglichkeiten der modernen Medizin. Kapitel V. Autonomie auch am Lebensende. Kapitel VI. Fragen und Probleme zunehmender Ökonomisierung im Gesundheitswesen. Kapitel VII. Ethische Fundierung des Verhältnisses zwischen Mensch und Tier. Statt eines Nachwortes: ‚Fortschritt‘? – Eine kritische Anfrage

Beckmann, Jan P.: Autonomie. Aktuelle ethische Herausforderungen der Gesellschaft, Freiburg / München 2020, Verlag Karl Alber, ISBN: 9783495491737 (print).

Buchcover: Abbildung: Springer

Language, Logic and Mathematics in Schopenhauer (2020)

The chapters in this timely volume aim to answer the growing interest in Arthur Schopenhauer’s logic, mathematics, and philosophy of language by comprehensively exploring his work on mathematical evidence, logic diagrams, and problems of semantics. Thus, this work addresses the lack of research on these subjects in the context of Schopenhauer’s oeuvre by exposing their links to modern research areas, such as the „proof without words“ movement, analytic philosophy and diagrammatic reasoning, demonstrating its continued relevance to current discourse on logic.

Beginning with Schopenhauer’s philosophy of language, the chapters examine the individual aspects of his semantics, semiotics, translation theory, language criticism, and communication theory. Additionally, Schopenhauer’s anticipation of modern contextualism is analyzed. The second section then addresses his logic, examining proof theory, metalogic, system of natural deduction, conversion theory, logical geometry, and the history of logic. Special focus is given to the role of the Euler diagrams used frequently in his lectures and their significance to broader context of his logic. In the final section, chapters discuss Schopenhauer’s philosophy of mathematics while synthesizing all topics from the previous sections, emphasizing the relationship between intuition and concept.

Aimed at a variety of academics, including researchers of Schopenhauer, philosophers, historians, logicians, mathematicians, and linguists, this title serves as a unique and vital resource for those interested in expanding their knowledge of Schopenhauer’s work as it relates to modern mathematical and logical study.

Jens Lemanski (ed.): Language, Logic and Mathematics in Schopenhauer, Basel 2020, Birkhäuser, ISBN 9783030330897 (hard copy), ISBN 9783030330903 (ebook).

Buchcover: Abbildung: Springer

Cretan Square (2020)

This special issue of Logica Universalis is related to the 6th World Congress on the Square of Opposition which took place at the Orthodox Academy of Crete in November 2018. The special issue contains seven papers written by twelve logicians who deal with the Square of Opposition and its historical references and systematic extensions. It is important to make the distinction between the square of opposition as a specific diagram and the square of opposition as a general theory which includes many other diagrams based on the same concepts. There are two famous extensions of the square: the hexagon and the cube. Hexagons of opposition are discussed in this issue. All contributions to the conference demonstrate from a historical and systematic point of view the unique features of the classical diagram and that there is a Plus Ultra beyond the Cretan Square.

Content: The Cretan Square by Jean-Yves Beziau, Jens Lemanski Historical Transformations of the Square of Opposition as Semiotic Object by Ioannis M. Vandoulakis, Tatiana Yu Denisova Swyneshed, Aristotle and the Rule of Contradictory Pairs by Stephen Read Kant’s Antinomies of Pure Reason and the ‘Hexagon of Predicate Negation’ by Peter McLaughlin, Oliver Schlaudt Existential Import, Aristotelian Logic, and its Generalizations by Corina Strößner A Cube of Opposition for Predicate Logic by Jørgen Fischer Nilsson Structures of Opposition and Comparisons: Boolean and Gradual Cases by Didier Dubois, Henri Prade, Agnès Rico

Jens Lemanski, Jean-Yves Béziau (ed.): Cretan Square. Special Issue of Logica Universalis 14:1 (2020)

Buchcover: Abbildung: Mohr Siebeck

Mode als Prinzip der Moderne? – Ein interdisziplinärer Erkundungsgang (2019)

Es gibt offensichtlich nicht nur Moden der Kleidung, der Frisur oder des Wohnens, sondern auch Moden in den Wissenschaften, in Kunst, Philosophie und vielleicht sogar in der Religion. Das heißt aber gerade in Bereichen, die doch eigentlich ‚feste Prinzipien‘ gegen den Wechsel des Zeitgeistes und der Moden verteidigen. Aber was bedeutet dann in diesen Zusammenhängen „Mode“? Und wie lassen sich solche geistigen Moden erklären? Gehören „Mode“ und „Moderne“ zusammen? Der vorliegende Band versucht eine systematische Antwort auf diese Fragen, indem er zunächst das Phänomen des Modischen auf seinen offenkundigen Feldern untersucht: den Kleidungsmoden, Wohnmoden, Körpermoden und den Moden in Freizeitgestaltung und Tourismus sowie im Sport. Von hier aus wird nach den spezifisch intellektuellen Moden in den Natur- und Geisteswissenschaften, in der Kunst, in der Philosophie und in der Religion gefragt.

Inhaltsübersicht:

Hubertus Busche: Moden als Kleider des Geistes? Fragestellung und Zielsetzung des vorliegenden Bandes – Verena Potthoff: Wann ist Mode? Zur Genese der Kleidermode als kultureller Praxis - Irene Nierhaus: GeWANDungen: Mode, Modernisierung und Wohnen – Rainer Hartmann: Moden der Freizeitgestaltung und des Tourismus – Robert Gugutzer: Moden des Sports. Manifestationen des Zeitgeists – Yvonne Förster: Körperkonzepte im Spannungsfeld von alten Paradigmen und neuen Moden - Frank Hillebrandt: Mode und Modernität. Ein Schlüsselthema der Soziologie – Paul Hoyningen-Huene: Moden in den Naturwissenschaften? Das Beispiel Stringtheorie – Tim Rojek: Moden, Trends und wissenschaftliche Relevanz in den Geisteswissenschaften – Georg W. Bertram: Gibt es Moden der Künste? – Hubertus Busche: Moden in der Philosophie – Daria Pezzoli-Olgiati: Moden der Religion. Einer herausfordernden Frage auf der Spur

Busche, Hubertus / Förster, Yvonne (Hg.): Mode als Prinzip der Moderne? – Ein interdisziplinärer Erkundungsgang, Tübingen 2019, Mohr Siebeck, ISBN: 9783161557934 (print) / ISBN: 9783161563393 (E-Book).

Buchcover: Abbildung: Routledge

Explanation in Action Theory and Historiography (2019)

Is the appropriate form of human action explanation causal or rather teleological? While this is a central question in analytic philosophy of action, it also has implications for questions about the differences between methods of explanation in the sciences on the one hand and in the humanities and the social sciences on the other. Additionally, this question bears on the problem of the appropriate form of explanations of past human actions, and therefore it is prominently discussed by analytic philosophers of historiography. This volume brings together causalists and anti-causalists to address enduring philosophical questions at the heart of this debate, as well as their implications for the practice of historiography. Part I considers the quarrel between causalism and anti-causalism in recent developments in the philosophy of action. Part II presents papers by causalists and anti-causalists that are more narrowly focused on the philosophy of historiography.

Table of Contents

1. Introduction Gunnar Schumann - Part I: Causal vs. Teleological Explanation of Action - 2. Causalism: On Action Explanation and Causal Deviance Alfred Mele - 3. Why and How? Teleological and Causal Concepts in Action Explanation George F. Schueler - 4. Rationalizing Principles and Causal Explanation Guido Löhrer and Scott R. Sehon - 5. On an Imaginary Dialogue Between a Causalist and an Anti-causalist Giuseppina D’Oro - 6. Reasons, Causes, Desires, and Dispositions Severin Schroeder - 7. Objectivism and Causalism about Reasons for Action Hans-Johann Glock and Eva Schmidt - 8. Are Reasons Like Shampoo? Constanine Sandis - Part II: Causal vs. Teleological Explanation in Historiography - 9. Counterfactual Causality and Historical Explanations Doris Gerber - 10. Beyond Causalism and Acausalism Harold Kincaid - 11. Two Methods in History Thomas Keutner - 12. An Anti-causal Theory of Action as Basis for Historical Explanations. A Sketch Gunnar Schumann - 13. Meanings and Mechanisms: An Actor-centered Approach to Historical Explanation Daniel Little - 14. The Origins of Historiographic Causation Aviezer Tucker

Gunnar Schumann (ed.): Explanation in Action Theory and Historiography. Causal and Teleological Approaches, Routledge 2019, ISBN 9781138584402 (hard copy), ISBN 9780429506048 (ebook)

Buchcover: Abbildung: Springer

Kultur – Interdisziplinäre Zugänge (2018)

Eine interdisziplinäre Verständigung über Kultur ist fällig und notwendig, um dem gegenwärtig weit verbreiteten Eindruck entgegenzuwirken, „Kultur“ habe sich als semantisches Irrlicht und als obsolet gewordener Gegenstand von Forschung erwiesen, weil der Begriff unüberschaubare wie unvereinbare Bedeutungsmomente bündele und aus einem bloßen Gespinst von Mehrdeutigkeiten bestehe. Demgegenüber wird in diesem Buch die Überzeugung vertreten, dass es gewinnbringend ist, die spezifischen Kompetenzen aus der Kultursoziologie und Populärkulturforschung, aus der Theorie des Kulturmanagements und der Medienkultur sowie aus der Kulturphilosophie zusammenzubringen, um zu zeigen, dass es trotz und gleichsam unterhalb der notorischen Vieldeutigkeit des Wortes „Kultur“ einen gemeinsamen Sachzusammenhang namens Kultur gibt, von dem die einzelnen Fachdisziplinen jeweils bestimmte Faktoren in den Blick nehmen und kraft ihrer eigenen Methoden erhellen. Damit leistet der Band einen wichtigen Beitrag, um den vielschichtigen und komplexen Terminus „Kultur“ als sozial- und kulturwissenschaftlichen Schlüsselbegriff wiederzugewinnen.

Inhaltsübersicht:

Einleitung – H. Busche: „Kultur“: ein Wort, viele Begriffe – A. Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten – F. Hillebrandt: Kultursoziologie des Populären – S. Lüddemann: Die Praxis der Kunst – E.V. Schäfer und T. Alkemeyer: Skateboarding und die Pop-Werdung des Sportsubjekts – S. Schäfer: Protestkultur im Diskursgewimmel – C. Jacke und K. Flieger: Pop – Musik – Medien – Kultur – Wissenschaft – C. Jost: Bodyrock – A. Daniel: Die Do-It-Yourself-Kultur im Punk – T. Heinze: Reflexives Kulturmanagement – B.M. Hoppe: Kernaufgabe oder nice to have? – G. Wolfram und A. Espinosa: „White Spaces of the Mind“ – R. Arnold: Von der interkulturellen Kompetenz zur Diversitätskompetenz – K.-O. Kahrmann: Krise und Kultur der Wahrnehmung – J. Garncarz: Über die Filmpräferenzen der Deutschen im Dritten Reich – A. Wendt: Sehen, Zeigen, Verstehen – E.W. Orth: Kultur – C. Krijnen: Der „Kulturimperativ“ als Geltungsverwirklichungsforderung – A. Hand: Geistige Liebe als Element der Kultur – S. Luft: Kulturphilosophie als „naturalistische“ Transzendentalphilosophie und die Frage nach dem Ort der Kultur – G. Schumann: Sprachlicher Kulturrelativismus oder Universalismus? – Y. Förster: Mode zwischen Kultur und Kunst

Busche, Hubertus / Heinze, Thomas u.a. (Hrsg.): Kultur – Interdisziplinäre Zugänge, Wiesbaden 2018, Springer, ISBN: 9783658210496 (print) / ISBN: 9783658210502 (E-Book).

Buchcover: Abbildung: Meiner

Antike Interpretationen zur aristotelischen Lehre vom Geist. Texte von Theophrast, Alexander von Aphrodisias, Themistios, Johannes Philoponos, Priskian (bzw. »Simplikios«) und Stephanos (»Philoponos«) (2018)

Dieser Band vereinigt erstmals alle erhaltenen antiken Interpretationen zu der von Aristoteles in De anima III, v.a. in Kap. 4-5, skizzierten Lehre vom Geist (νοῦς) im Original und in deutscher Sprache. Diese Texte bieten nicht nur Interpretationen eines der meistkommentierten Lehrstücke der ganzen Philosophiegeschichte; vielmehr enthalten sie zum Teil auch eigenständige philosophische Auseinandersetzungen über den wirkenden und leidenden, den menschlichen und den göttlichen Geist sowie über die Möglichkeiten geistigen Erfassens überhaupt.

Im Einzelnen enthält der Band die Deutungen von Theophrast (4. Jh. v. Chr.), Alexander von Aphrodisias (De anima und De intellectu [umstritten]; um 200), Themistios (4. Jh.), Johannes Philoponos, Priskian (Theophrast-Metaphrase), Pseudo-Simplikios, d.h. Priskian aus Lydien (De-anima-Kommentar; alle nach 500) und Pseudo-Philoponos, d.h. Stephanos von Alexandria (um 550). Da sich diese Kommentatoren nicht selten auf frühere Ausleger beziehen, wurde die Zusammenstellung um weitere wichtige Zeugnisse ergänzt, z. B. zur Aristoteles-Deutung des Xenokrates sowie eines Anonymus des 2. Jahrhunderts. Zwei allgemeine Einführungstexte der Herausgeber informieren über die systematischen Probleme der Auslegung von De anima III 4-5 sowie über die antike Auslegungsgeschichte dieses Textes. Spezielle Einleitungen zu den acht Interpretationen informieren über Leben und Werk ihrer Autoren sowie über die Besonderheiten ihrer Interpretation. Die Anmerkungen in den Anhängen geben weitere gedankliche, sachliche oder historische Erläuterungen zu einzelnen Textstellen.

Busche, Hubertus / Perkams, Matthias (Hrsg.): Antike Interpretationen zur aristotelischen Lehre vom Geist. Texte von Theophrast, Alexander von Aphrodisias, Themistios, Johannes Philoponos, Priskian (bzw. »Simplikios«) und Stephanos (»Philoponos«). Mit einer Einleitung und Anmerkungen Griechisch/Lateinisch – Deutsch, Hamburg 2018 (Philosophische Bibliothek Meiner, Bd. 694), ISBN: 9783787329946 (print) / ISBN: 9783787329953 (E-Book).

Buchcover: Abbildung: Springer

Zwei Philosophen der Medizin – Leibniz und Jaspers (2017)

Die Medizinische Gesellschaft Mainz e.V. fördert den Austausch der Medizin mit den Natur- und Geisteswissenschaften. Regelmäßige Veranstaltungen widmen sich medizinisch-wissenschaftlichen Themen. Ausgewählte Vorträge werden in Buchform veröffentlicht. Im vorliegenden Band werden die Verdienste der großen Denker G.W. Leibniz und K. Jaspers für die Entwicklung und Fortschritte der Medizin dargestellt und aufgezeigt, dass ihre Leistungen zu den Errungenschaften der heutigen Medizin wesentlich beigetragen haben. Sie wirkten interdisziplinär, Leibniz als Vordenker und Impulsgeber für eine moderne Medizin, Jaspers als Grenzgänger und Vermittler zwischen Psychiatrie und Philosophie. Die von Leibniz im 17. Jahrhundert formulierten Anregungen für die Verbesserung der Medizin waren wegweisend für deren Entwicklung als wissenschaftliche Disziplin. Seine Reformpläne umfassten die Erfordernis von Grundlagenforschung und die Anwendung wissenschaftlicher Methoden in der Medizin, die Nutzung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und Erfindungen, die Ausbildung und Förderung von Ärzten, die Aufklärung und Einbeziehung von Patienten sowie eine staatliche Gesundheitsstruktur zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Leibniz hat so mit einen Impulsen die Grundlagen für die heutige Medizin geschaffen. Jaspers hat als Psychiater wesentlich zur wissenschaftlichen Entwicklung der Psychopathologie beigetragen und sich dafür eingesetzt, das Seelische mit der wissenschaftlichen Methodik der Phänomenologie zu erfassen, frei von theoretischen Vorannahmen und Vorurteilen. Dabei ging es ihm immer darum, die „Unendlichkeit jedes Individuums“ zu respektieren. Seine „allgemeine Psychopathologie“ gilt bis heute als wissenschaftliches Standardwerk. Als Philosoph befasste Jaspers sich mit den Grundbedingungen und Widersprüchen der menschlichen Existenz, insbesondere mit ihren Grenzsituationen wie Krankheit, Leid, Tod und Schuld. Der von ihm geprägte Begriff beschreibt herausgehobene existentielle Krisen in denen Menschen die Verletzlichkeit, Anfälligkeit und die unerbittliche Endlichkeit ihres Daseins erfahren, aber auch zu einer neuen Stufe ihres Selbstseins gelangen können.

Busche, Hubertus / Fuchs, Thomas: Zwei Philosophen der Medizin – Leibniz und Jaspers, Berlin 2017, Springer, ISBN: 9783662540244 (print) / ISBN: 9783662540251 (E-Book).

Buchcover: Abbildung: Mohr Siebeck

Die Humanitäre Intervention in der ethischen Beurteilung (2013)

Angesichts der jüngsten Geschichte von Ländern, in denen schwerwiegende und umfassende Menschenrechtsverletzungen gegen die eigene Bevölkerung begangen wurden und werden, bleibt die Frage nach dem Sinn und der möglichen Legitimität sogenannter Humanitärer Interventionen von brennender Aktualität. Darf die Staatengemeinschaft, um durch Regierungsgewalt hervorgerufenes verheerendes Leid zu beenden, ihrerseits Gewalt gegen einen souveränen Staat anwenden? Und darf sie das möglicherweise sogar dann, wenn sie kein UN-Mandat hierfür besitzt? Der vorliegende Band wirft diese und benachbarte Fragen systematisch auf und sucht Antworten. Im Unterschied zu den weitreichenden politischen Diskussionen um Nutzen und Nachteil der humanitären Intervention sowie zu den zahlreichen völkerrechtlichen Beurteilungen ihrer Legitimität versammelt er Stellungnahmen renommierter Experten, in denen eine weitgehend ethische Beurteilung der humanitären Intervention versucht wird. Missbrauchs- und Fehlschlagsrisiken werden ebenso mitreflektiert wie die Dilemmata der Humanitären Intervention zwischen Politik, Völkerrecht und Ethik.

Inhaltsübersicht:

H. Busche: Die Humanitäre Intervention im Überblick. Ihr Begriff, ihre Geschichte, ihre völkerrechtliche und ethische Beurteilung – S. Krause: Zur Legitimation Humanitärer Interventionen. Theoretische Begründungen, diskursive Verschiebungen und politische Auswirkungen – B. Sutor: Humanitäre Interventionen als bellum iustum? Ein Diskurs zwischen internationalem Recht und politischer Ethik – W. Lienemann: Militärische Interventionen als Wahrnehmung von humanitärer Schutzverantwortung? Völkerrechtliche und moralische Urteilskriterien angesichts des religiös-weltanschaulichen Pluralismus der Weltgesellschaft– O. Höffe: Humanitäre Intervention? Rechtsethische Überlegungen - P. Schaber: Wann ist der Grund gerecht? Zur Rechtfertigung Humanitärer Interventionen– C.C. Henke: Wechselbeziehungen zwischen der Lehre vom Gerechten Krieg und Humanitärer Intervention: Wie lassen sich die Kriterien der Humanitären Intervention begründen? – J.-C. Merle: Lässt sich ein Recht auf militärische Humanitäre Intervention ohne Pflicht dazu rechtfertigen? – V. Zanetti: ,Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis.‘ Wie brauchbar ist eine ideale Theorie der Humanitären Intervention? – L. Brock: Der internationale Schutz von Menschen vor innerstaatlicher Gewalt: Dilemmata der Responsibility to Protect – S. Jaberg: Responsibility to Protect: Baustein der Weltinnenpolitik oder Humanitäre Intervention in neuem Gewand? – M. Haspel: Responsibility to Protect und Humanitäre Intervention. Zur aktuellen Entwicklung der Kriteriendiskussion in ethischer Perspektive

Busche, Hubertus / Schubbe, Daniel (Hrsg.): Die Humanitäre Intervention in der ethischen Beurteilung, Tübingen 2013, Mohr Siebeck, ISBN: 9783161522550 (print).

Buchcover: Abbildung: Meiner

Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? (2013)

Die Frage ‚Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?‘ gehört zu den ebenso traditionsreichen wie umstrittenen Problemen der Philosophie. Bereits mehrmals in die Mottenkiste der Philosophiegeschichte verbannt, erlebt sie doch zuverlässig ihre Renaissancen.

Der vorliegende Band nimmt sich der ‚Grundfrage‘ in einer ideengeschichtlichen Perspektive an. Dabei stellt sich heraus, dass die systematisch keineswegs erst mit Leibniz auftauchende Frage in ihrer Geschichte von der Antike bis zur gegenwärtigen analytischen Philosophie nicht nur jeweils unterschiedliche Antworten provoziert hat, sondern vor allem auch ganz verschieden gestellt worden ist: Formuliert Leibniz „Pourquoi il y a plus tôt quelque chose que rien? “, heißt es bei Schelling „Warum ist nicht nichts, warum ist überhaupt etwas? “, während Schopenhauer ihr eine existentielle Wendung gibt („Lieber nichts als etwas“). Heideggers Auseinandersetzung mit dem Nihilismus führt zu der Frage: „Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts? “, während Arendt sie ins Politische wendet („Warum ist überhaupt jemand und nicht niemand? “).

Der Band wird durch einen Überblick über die vielschichtige Diskussion der ‚letzten Warum-Frage‘ in der Tradition der Analytischen Philosophie sowie einen Antwortversuch aus Sicht der aktuellen Physik und Kosmologie abgerundet.

Rico Hauswald, Jens Lemanski, Daniel Schubbe (Hrsg.): Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?, Hamburg 2013, Meiner, ISBN: 9783787324590 (print) / 9783787324606 (E-Book).

Buchcover: Abbildung: mentis

Summa und System (2013)

Bottom-up‘ und ‚top-down‘ sind heutzutage gängige Methodenbezeichnungen in allen Bereichen der Wissenschaft. Dennoch sind beide Methoden keine Entdeckung der Moderne, sondern wurden unter Begriffen wie beispielsweise ‚Auf-‘ und ‚Abstieg‘, ‚Induktion‘ und ‚Deduktion‘ in der Wissenschaftsgeschichte häufig verwendet, um komplexe Wissensbestände vollständig aufzuarbeiten und zu strukturieren. Paradigmatisch für eine derartige Aufarbeitung stehen die mittelalterliche Summa und das neuzeitliche System. Aktuellen Studien zufolge hat aber bereits Dionysius Areopagita in der Spätantike eine derartige Summe verfasst, während in der Neuzeit erst J. G. Fichtes Wissenschaftslehre (1804) allen Systemansprüchen genügen konnte. Daher beschäftigt sich die vorliegende Studie mit den Auf- und Abstiegsmethoden bei Dionysius und Fichte, ihrer antiken Vorgeschichte und kontrastiert ihre Methoden mit der aktuellen Wissenschaftsphilosophie. Dabei zeigt sich, dass beide Autoren bei der Aufstiegs- bzw. bottom-up-Methode bislang unberücksichtigte Strategien zur Lösung des Induktionsproblems anwenden.

Jens Lemanski: Summa und System, Münster 2013, mentis/Brill, ISBN: 978-3897858015 (print).

Buchcover: Abbildung: mentis

Epistemische Rechtfertigung und Wahrheit als Empfehlung (2013)

Der Autor verfolgt das Ziel, zwei zentrale Begriffe der Erkenntnistheorie, den Begriff der epistemischen Rechtfertigung und den der Wahrheit, als normative Begriffe zu deuten. In Kontrast zur gängigen Auffassung in der zeitgenössischen Erkenntnistheorie soll gezeigt werden, dass beide Begriffe primär eine präskriptive und nur sekundär eine deskriptive Bedeutung haben, d.h. sie werden primär nicht zum Beschreiben, sondern zum epistemischen Empfehlen gebraucht. Eine moderate nicht-deskriptivistische Theorie, die sich eng an Richard Hares Metaethik anlehnt, wird so entwickelt und gegen verschiedene Einwände verteidigt. Aus der Normativität von Rechtfertigungs- und Wahrheitsbegriff werden zudem entscheidende Adäquatheitsbedingungen für substantielle Theorien beider Begriffe abgeleitet. Weder kann der Rechtfertigungsbegriff durch weitere normative Begriffe substantiell bestimmt noch naturalisiert werden. Die Struktur epistemischer Rechtfertigung ist weder kohärentistisch noch rein fundamentalistisch. Für den Wahrheitsbegriff ergibt sich, dass er, obwohl er keine primäre deskriptive Bedeutung hat, deswegen nicht semantisch redundant ist, wie deflationistische Wahrheitstheorien behaupten.

Gunnar Schumann: Epistemische Rechtfertigung und Wahrheit als Empfehlung, Paderborn 2013, mentis, ISBN: 9783897857766 (kartoniert), ISBN: 9783897859517 (E-Book).

Buchcover: Abbildung: Königshausen & Neumann

Solidarität. Ein Prinzip des Rechts und der Ethik (2011)

Angesichts der gegenwärtigen Belastungen in den Sozialsystemen, insbesondere in der Kranken- und Rentenversicherung, wird das Solidarprinzip, auf dem diese Systeme beruhen, in den aktuellen politischen Debatten mehr oder weniger radikal in Frage gestellt. Bei den Diskussionen um die Notwendigkeit des Abbaus bzw. des Erhalts der sozialen Solidarsysteme wird nur selten der systematische Stellenwert des rechtlichen wie ethischen Prinzips der Solidarität mit reflektiert.

Die Beiträge des vorliegenden Bandes setzen sich teils mit der historischen Herkunft wie mit dem begrifflichen Bedeutungsspektrum von „Solidarität“, aber auch mit missbräuchlichen Verwendungen des Wortes auseinander. Teils reflektieren sie den Stellenwert, die begrifflichen Bestandteile und die Begründungsformen des Solidaritätsprinzips im Recht und in der Ethik. Und schließlich behandeln sie die Rolle des Solidaritätsprinzips in der Friedensforschung und in der Debatte um die politische Bedeutung der Kunst.

Inhaltsübersicht:

H. Hoyer: Philosophie an der FernUniversität in Hagen – L. Möller: Solidarität - ein Ziel auch des UNESCO-Welttags der Philosophie – K. Röttgers: Fraternité und Solidarität in politischer Theorie und Praxis - Begriffsgeschichtliche Beobachtungen – J. P. Beckmann: Über Solidarität und Individualismus – H. Busche: Wohlstandsproduktion als institutionalisierte Solidarität? Kritik einer These der neueren Wirtschaftsethik – T. S. Hoffmann: Dialektiken der Solidarität – T. Bedorf: Politik, Recht oder Moral? Zur Frage nach der Begründung von Solidarität – S. Heßbrüggen-Walter: ‚Wir-Gefühl‘ oder ‚Wir-Absicht‘? Zur Begründung einer ‚Moral der Solidarität‘ – H. Schmidt: „Solidarität“ in Friedenspolitik und Friedensforschung – B. Collenberg- Plotnikov: Solidarität statt Autonomie? Zur Bestimmung der Kunst bei Richard Rorty Der Herausgeber Hubertus Busche ist seit 2003 o. Professor der Philosophie an der FernUniversität in Hagen.

Busche, Hubertus (Hrsg.): Solidarität. Ein Prinzip des Rechts und der Ethik, Würzburg 2011, Königshausen & Neumann, ISBN: 9783826047404 (print).

Buchcover: Abbildung: Königshausen & Neumann

Philosophische Aspekte der Ökonomie (2011)

Die fortschreitende Ökonomisierung moderner Gesellschaften stellt eine der großen Herausforderungen unserer Zeit dar. Schlagworte wie „Ökonomismus“ oder „Terror der Ökonomie“ prägen die öffentlichen Debatten. Entsprechend groß ist die Anzahl sozialwissenschaftlicher Untersuchungen, die sich mit den Ursachen, Auswirkungen und Gestaltungsspielräumen der modernen Ökonomisierung befassen.

Die Beiträge dieses Bandes eröffnen spezifisch philosophische Perspektiven auf Ökonomie und Ökonomisierung, indem sie sich teils mit komplexen Hypothesen zu umfassenden systematischen und historischen Zusammenhängen auseinandersetzen, teils nach Stellenwert und Bedeutung der Ökonomie in der Moderne fragen und teils Antworten auf ökonomisch induzierte ethische Probleme formulieren.

Inhaltsübersicht:

L. Möller: Von der Notwendigkeit der Philosophie in der modernen Gesellschaft – Geleitwort – J. P. Beckmann: Ökonomie und Ethik am Beispiel der Rationierungsdebatte im Gesundheitswesen – K. Röttgers: Wirtschaftsethik, Wirtschaftsmoral und die Aufgaben der Wirtschaftsphilosophie – H. Busche: Streben nach materiellem Gewinn - Seine moralische Umwertung in der Geschichte der Wirtschaftethik – H. Schmidt: Ökonomie und Friedensforschung in philosophischer Perspektive – B. Collenberg-Plotnikov: Werk und Ware. Die Bedeutung des Marktes für die Kunst – S. Heßbrüggen- Walter: Zwischen Patriarchalismus und Liberalismus: Ökonomie und Politik bei Bodin, Hobbes, Locke, Steuart und Smith – T. Sören Hoffmann: Kants ‚intellektueller Begriff des Geldes’ und die Aufgabe der Wirtschaftsphilosophie – A. Lyssy: Geld und Profanie - Zum Verhältnis von Religion und Kapitalismus bei Walter Benjamin und Giorgio Agamben – E. Weisser-Lohmann: John Rawls’ Differenzprinzip und das Problem ökonomischer Gerechtigkeit Der Herausgeber Hubertus Busche ist seit 2003 o. Professor der Philosophie an der FernUniversität in Hagen.

Busche, Hubertus (Hrsg.): Philosophische Aspekte der Ökonomie, Würzburg 2011, Königshausen & Neumann, ISBN: 9783826044939 (print).

Buchcover: Abbildung: Meiner

Departure for Modern Europe. A Handbook of Early Modern Philosophy (1400–1700) (2011)

Die epochalen Umbrüche im Denken der Frühen Neuzeit waren für die Ausbildung des Weltbilds der Moderne von prägender Kraft. Die Entdeckungen und Neuorientierungen, die Europa in der Zeit zwischen 1400 und 1700 bewegten, bilden nicht nur die Vorgeschichte der Gegenwart, sondern markieren deren Beginn. Unsere moderne Zivilisation ist weitgehend ein Produkt jener epochalen Revolutionen im Welt- und Menschenbild, die mit der Frühen Neuzeit einsetzten. Die Philosophie, welche zwischen 1400 und 1700 die technischen Erfindungen, wissenschaftlichen Entdeckungen und geistigen Umbrüche in Europa teils vorantrieb, teils gedanklich verarbeitete, verstand sich nicht als empirieferne Spezialdisziplin in Konkurrenz zu anderen Fachdisziplinen, sondern als die prinzipielle Avantgarde bei der Eroberung von Neuland in allen Wissenschaften.

‚Departure for Modern Europe. Aufbruch in das moderne Europa‘ präsentiert eine interdisziplinäre Gesamtbilanz der Erneuerungen und Neuansätze in allen Bereichen der tätigen Weltgestaltung und intellektuellen Welterfassung der Frühen Neuzeit. Das Handbuch umfasst 106 in deutscher, englischer und französischer Sprache geschriebene Beiträge, die von Experten internationalen Ranges verfasst wurden.

Die Beiträge zu diesem Handbuch widmen sich den großen Erfindungen wie Buchdruck, Schießpulver und Kompass, die nach Bacon das Antlitz der neuen Zeit prägen; sie verfolgen die Strategien der Zähmung von Gewalt angesichts verheerender Religionskriege, aber auch der libertinistischen und radikalaufklärerischen Verabschiedung der alten Mächte; sie analysieren signifikante geistige Etappen der Alchemie und der Utopie; und sie rekonstruieren vor allem jene übergreifenden Tendenzen der Frühen Neuzeit, in deren gemeinsamem Fluchtpunkt unsere moderne Welt liegt: Entdeckung der Ökonomie als eines Motors gesellschaftlichen Fortschritts, Technisierung, Säkularisierung, Individualisierung, Subjektivierung, Mechanisierung, staatliche Neutralisierung, Entteleologisierung in der Ethik, wissenschaftlicher Fortschritt, Europa als Idee etc.

Busche, Hubertus (Hrsg.): Departure for Modern Europe. A Handbook of Early Modern Philosophy (1400–1700), unter Mitwirkung von Stefan Heßbrüggen-Walter, Hamburg 2011, Meiner, ISBN: 9783787321315 (print) / ISBN: 978378723968 (E-Book).

Buchcover: Abbildung: Turnshare

Christentum im Atheismus. Bd. 2. (2011)

Der zweite Band des zweiteiligen Werks Christentum im Atheismus zeigt die Transformation der christlichen Mystik in die atheistisch-diesseitige Ethik der Neuzeit auf. Nach einer Zusammenfassung des ersten Bandes führt Jens Lemanski in das Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung und insbesondere in die Religionsphilosophie Arthur Schopenhauers ein. Diese Darstellung läuft auf einen differenzierten Vergleich sogenannter mystischer Aspekte zwischen Schopenhauers Ethik und den Autoren des ‚mystischen Kanons‘ hinaus. Am Beispiel des mystischen Aspekts der Imitation Christi zeigt sich, dass Schopenhauers ethische Lehre von der Verneinung des Willens zum Leben weder normativ gelesen kann, noch von Schopenhauer appellativ intendiert wurde. Die Welt als Wille und Vorstellung muss demzufolge als eine Beschreibung der Welt aufgefasst werden, in denen Mystiker und deren mystische Aspekte nicht fehlen dürfen. Die 1. Aufl. ist ausverkauft.

Jens Lemanski: Christentum im Atheismus. Bd. 2. London 2011, Turnshare, ISBN: 9781847900388 (print).

Buchcover: Abbildung: Königshausen & Neumann

Kant als Bezugspunkt philosophischen Denkens. Festschrift für Peter Baumanns zum 75. Geburtstag (2010)

Immanuel Kant zählt zu denjenigen Philosophen, die man nicht ohne Schaden für das Niveau der Reflexion ignorieren kann. Seine skeptisch-experimentelle Methode sowie seine mit der „Revolution der Denkart“ verbundene Kritik einer dogmatischen Verfahrensart in der Metaphysik einerseits und seine substantiellen Leistungen bei der begrifflichen Klärung und Begründung der Prinzipien von Natur und Moral andererseits machen ihn zu einem allgegenwärtigen Bezugspunkt philosophischen Denkens. Selbst diejenigen, die seit Hegel der Wirklichkeitserschließung durch Transzendentalphilosophie und Kritizismus misstrauen und deshalb auch andere Wege in Naturphilosophie und Ethik einschlagen, kommen nicht an einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Bezugspunkt Kant vorbei. Insofern führen auch heute noch alle Denkwege gleichsam über Königsberg, wo auch immer sie ansetzen und enden. Entsprechend beziehen sich auch die Texte dieses Bandes teils affirmativ, teils kritisch, teils exegetisch, teils historisch auf die Philosophie Kants. Die Autoren widmen ihre Beiträge dem Bonner Kantforscher Peter Baumanns, in dessen Werk die theoretische wie praktische Philosophie Kants, neben dem Denken Fichtes, den Schwerpunkt der Forschungen bildet. Die Herausgeber Hubertus Busche ist seit 2003 o. Professor der Philosophie an der FernUniversität in Hagen. Anton Schmitt, Dozent sowie Mentor an der Fern-Universität in Hagen; Leiter des Collegium philosophicum, Mannheim.

Busche, Hubertus / Schmitt, Anton (Hrsg.): Kant als Bezugspunkt philosophischen Denkens, Festschrift für Peter Baumanns zum 75. Geburtstag, Würzburg 2010, Königshausen & Neumann, ISBN: 9783826042904 (print).

Buchcover: Abbildung: Königshausen & Neumann

Philosophische Aspekte der Globalisierung (2009)

Die aktuelle dramatische Krise des Weltfinanzmarktes hat uns deutlich vor Augen geführt, wie stark inzwischen die Vernetzung der Akteure und der Effekte in der globalisierten Ökonomie fortgeschritten ist. Dass die Welt kurz den Atem anhielt, gab Politikern wie Theoretikern Gelegenheit für eine kurze Zeit der Besinnung, bei der in einem Ausmaß über neue politische Regeln und alte moralische Normen phantasiert wurde, das niemand erwartet hätte.

Inhaltsübersicht:

Einleitung – K. Röttgers: Ein philosophischer Begriff von Globalisierung – G. Brücher: Globalisierung als Programm oder Wechselwirkung – Zur Grenze von Philosophie und Soziologie – E. Weisser-Lohmann: Globalisierung und Gerechtigkeit – H. Busche: Zerstört die Globalisierung gerechte Verteilungsmuster? – T. Bedorf: Identität und Anerkennung unter Bedingungen der Globalisierung – A. Lyssy: Aufklärung und Globalisierung – S. Heßbrüggen-Walter: Naturrecht und Globalisierung – Zum Rechtsstatus indigener Bevölkerung – J. P. Beckmann: Globalisierung und Ethik Der Herausgeber Hubertus Busche ist seit 2003 o. Professor für Philosophie an der FernUniversität in Hagen und Gründungspräsident der Europäischen Gesellschaft für frühneuzeitliche Philosophie e.V./European Society for Early Modern Philosophy (ESEMP). Seine Arbeitsschwerpunkte liegen systematisch in der Erkenntnistheorie und Metaphysik, historisch in der Antike und Frühen Neuzeit.

Busche, Hubertus (Hrsg.): Philosophische Aspekte der Globalisierung, Würzburg 2009, Königshausen & Neumann, ISBN: 9783826040825 (print).

Buchcover: Abbildung: de Gruyter

Gottfried Wilhelm Leibniz: Monadologie (2009)

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) zählt zu den vielseitigsten und genialsten Köpfen der Menschheit. Er war nicht nur Begründer der Computersprache, nicht nur Erfinder von Bergbauförderanlagen und Rechenmaschinen, nicht nur Diplomat, Kirchenpolitiker, Wissenschaftsreformer und Bibliothekar, nicht nur Jurist, Mathematiker, Historiker, Sprachforscher und Theologe; er war insbesondere Philosoph, der die kausal-mechanische Welterklärung der Naturwissenschaften mit den Grundannahmen der klassischen Geistmetaphysik harmonisieren wollte. Hierfür stellte er eine neue metaphysische Hypothese auf, welche die ganze Natur als Gesellschaft von „Monaden“ interpretiert, die untereinander und mit ihren Körpern in „prästabilierter Harmonie“ stehen, obwohl sie „keine Fenster“ haben. Für philosophisch Interessierte, die eine Einführung in dieses faszinierende System suchen, empfiehlt sich der Zugang über die berühmte Spätschrift aus dem Nachlass, die 1720 in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Monadologie“ erschien. Sie bildet eine Art Summe, die alle großen Thesen der Leibnizschen Philosophie konzentriert, allerdings ohne sie zu erläutern, geschweige denn ihre Probleme zu analysieren. Dies ist deshalb die Aufgabe des kooperativen Kommentars. Er gibt einen Überblick über alle Themen der „Monadologie“, indem er ihre Thesen in 14 Beiträgen systematisch erläutert. Hierfür werden die entsprechenden Kapitel kommentiert, unter Heranziehung weiterer, zum jeweiligen Spezialproblem einschlägiger Leibnizscher Schriften.

Busche, Hubertus (Hrsg.): Gottfried Wilhelm Leibniz: Monadologie (Klassiker Auslegen, Bd. 34), Berlin 2009, Akademie Verlag, ISBN: 9783050043364 (print) / ISBN: 9783050050126 (E-Book).

Buchcover: Abbildung: Alber

Ethische Herausforderungen der modernen Medizin (2009)

Die moderne Medizin ist in einem ebenso schnellen wie nachhaltigen Wandel begriffen: in der Forschung etwa durch Einblicke in die molekularen Mechanismen der frühen Zellentwicklung einschließlich der De-Differenzierung; in der Diagnostik infolge zunehmender Kenntnisse genetisch bedingter Krankheitsdispositionen in Form einer Erweiterung der kurativen durch die prädiktive Medizin; in der Therapie durch den Ausbau der Organ-, Zell- und Gewebetransplantationen, und im nicht-therapeutischen Bereich schließlich durch die Palliativmedizin. Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit den ethischen Herausforderungen der genannten Bereiche. Dabei geht es in jedem der vier Bereiche um eine jeweils spezifische Herausforderung: in der Stammzellforschung um eine an der Molekularbiologie orientierte Medizin, in der genetischen Diagnostik um eine zunehmend individualisierte Medizin, in der Transplantationsmedizin um eine Medizin, die Teile des menschlichen Körpers zu „Heilmitteln“ für andere werden lässt, und in der Palliativmedizin um eine das kurative Paradigma verlassende hinnehmende Medizin. Der Autor zeigt, dass diese Herausforderungen der modernen Medizin sowohl solche der Medizin als auch solche seitens der Medizin sind. Inhalt 1. Moralischer Status des extrakorporalen menschlichen Embryos; sein Schutz in der Forschung; gegenwärtiger Stand der Stammzelldebatte. 2. Gentechnik und Personbegriff; (gen-)informationelles Selbstbestimmungsrecht; Gentests und Versicherungen; Pharmakogenetik und Pharmakogenomik. 3. Lebendspende; Organ- und Gewebeübertragung; Umgang mit dem Spendemangel; Xenotransplantation und Tierethik. 4. Palliativmedizin aus ethischer Sicht; die Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung; Selbstbestimmung und Lebensschutz; Patientenverfügung.

Beckmann, Jan P.: Ethische Herausforderungen der modernen Medizin, Freiburg 2009, Alber, ISBN: 9783495483947 (print).

Buchcover: Abbildung: Turnshare

Christentum im Atheismus. Bd. 1. (2009)

Der erste Band des zweiteiligen Werks Christentum im Atheismus führt in die Welt der christlichen Mystik ein. Anhand des mystischen Aspekts der Nachfolge Christi (Imitatio Christi) verfolgt Jens Lemanski die Geschichte der christlichen Mystik von den Evangelien bis in die Zeit der Klassischen Deutschen Philosophie. Dabei bietet das Buch nicht nur eine allgemeine Grundlegung zur christlichen Mystik und eine fachspezifische Untersuchung zur Imitatio Christi, sondern kann auch als Einführung zu Autoren wie etwa Origenes, Dionysius Areopagita, Eriugena, Meister Eckhart, Thomas v. Kempen, Jakob Böhme, J. G. Fichte, G.W.F. Hegel, u. v. a. benutzt werden. Darüber hinaus werden Themen wie die Christianisierung Europas, die Entstehung der Märtyrerbewegung und des Mönchstums, die Entwicklung der Volkssprachen, die ›Theologie der gotischen Kathedrale‹ u. a. behandelt. Die 1. Aufl. ist ausverkauft.


Jens Lemanski: Christentum im Atheismus. Bd. 1. London 2009, Turnshare, ISBN: 9781847900296 (print).

Buchcover: Abbildung: Meiner

Gottfried Wilhelm Leibniz. Frühe Schriften zum Naturrecht (2003)


Die Ausgabe präsentiert Leibniz' frühe Schriften und Briefe zum Naturrecht in deutscher Übersetzung; den lateinischen Originaltext nach der Akademie-Ausgabe stellt sie gegenüber. Sie umfaßt vier Textgruppen:

1. Eine Aufzeichnung zum Leib-Seele-Zusammenhang und zur moralischen Sphäre des Verstandes (1663)

2. Den zweiten Teil der Neuen Methode, Jurisprudenz zu lernen und zu lehren (1667)

3. Die sechs erhaltenen Entwürfe zu den Elementen des Naturrechts (1669-71)

4. Vier Briefe zum Verhältnis von positivem und natürlichem Recht (1670-72).

Im Studium des neuzeitlichen Naturrechts wird Leibniz, gelernter Jurist und gelehrter Philosoph in einem, zu Unrecht vernachlässigt. Seine frühen Entwürfe zu den drei Stufen des von Natur aus Gerechten, die er später zwar geringfügig differenzierte und ergänzte, wegen der Vielseitigkeit seines enzyklopädischen Schaffens aber niemals vollenden konnte, bilden zwischen Grotius, Pufendorf und Locke eine systematische Synthese aus Traditionellem und Neuem. Als Synthese des christlichen Naturrechts folgt sie nicht der modernistischen Säkularisierung der Rechts-und Staatsphilosophie, sondern bindet den neuzeitlichen Geist des Individualismus und das Rationalitätsideal der mathematischen Methode zurück an das alteuropäisch-teleologische Ordo-Denken.

Indem Leibniz die Prinzipien und Regeln des strengen Rechts, der Billigkeit und der Pietät gegeneinander abgrenzt und für die ersten zwei Stufen des Naturrechts gewisse invariante Proportionen aufstellt, gelangt er teilweise zu sehr konkreten Antworten auf exemplarische Rechtsfragen. Die Einleitung des Herausgebers skizziert die Geschichte der Entdeckung Leibnizens als Naturrechtsdenker, informiert über Leben, Werke und Interessen des frühen Leibniz und gibt einen systematischen Überblick über die Grundgedanken und Zusammenhänge der vier Textgruppen. Die Anmerkungen liefern sachliche, historische und philologische Erklärungen.


Busche, Hubertus (Hg.): Gottfried Wilhelm Leibniz: Frühe Schriften zum Naturrecht. Mit einer Einleitung und Anmerkungen Lateinisch-Deutsch, Hamburg 2003, Meiner, ISBN: 978-3787316229 (print).

Buchcover: Abbildung: Meiner

Die Seele als System. Aristoteles' Wissenschaft von der Psyche (2001)


Während die Aristotelische Seelenlehre dem Christentum jahrhundertelang als Bollwerk gegen Materialismus und Zufallsdenken gegolten hatte, nennt man Aristoteles seit geraumer Zeit entweder einen ‚Materialisten‘ oder aber den ‚ersten Funktionalisten‘. Dieser Verlegenheit suchen andere zu entgehen, indem sie den Philosophen als ‚Dualisten‘ cartesischer Art interpretieren. Gegenüber solchen in zahllosen Spezialuntersuchungen vertretenen Forschungsthesen wagt das vorliegende Buch eine neue Gesamtdeutung der Aristotelischen Psychologie und zeigt, daß Aristoteles weder Materialist noch Funktionalist noch Dualist ist, sondern die Seele als schöpferische funktionale Form des Leibes versteht.

Die Kapitel 1-6 untersuchen zunächst die Psyche der irdischen Lebewesen: ihre Vermögen auf der Stufenleiter von Pflanze, Tier und Mensch. Die Untersuchung kommt zum Ergebnis, daß die Psyche hier als eine zweckmäßig arbeitende funktionale Struktur, d. h. als ein System mit interner Bewegung verstanden werden kann, das emergente Leistungen wie Leben, Wahrnehmen und Denken erzeugt: die Nährseele als eine an Selbsterhaltung arbeitende Struktur, die Sinnenseele als arbeitendes Funktionsgefüge von peripheren Sensorien und Zentralsensorium, die Vernunftseele als punktzentriertes System, dessen Denkleistungen durch Arbeit an Vorstellungen erbracht werden.

Kapitel 7 weist die gängigen Deutungsmuster der aristotelischen Seelenlehre als Dualismus, Materialismus, Behaviorismus, Identitätstheorie oder Funktionalismus als unzulänglich zurück.

Kapitel 8 untersucht schließlich die Psyche der himmlischen Wesen: Die Passagen aus ‚De caelo‘ und ‚Metaphysik XII‘, an denen Aristoteles dem Gott wie den Gestirnsphären eine Seele zuschreibt und sogar dem Weltganzen eine Art von Beseeltheit, werden immanenztheologisch interpretiert, so daß die ganze aristotelische Kosmologie als wissenschaftliche Aufklärung über den rationalen Kern des mythischen Götterglaubens verstanden werden kann.


Busche, Hubertus: Die Seele als System. Aristoteles' Wissenschaft von der Psyche, Hamburg 2001, Meiner, ISBN: 9783787315918 (print) / ISBN: 9783787325597 (E-Book).

Buchcover: Abbildung: Meiner

Leibniz’ Weg ins perspektivische Universum. Eine Harmonie im Zeitalter der Berechnung (1997)


Leibniz’ frühe Schriften sind bisher kaum systematisch erschlossen worden. Weil sich jedoch gerade in ihnen eine epochentypische Problemlösungsgeschichte dokumentiert, geben sie größten Aufschluss über jenes systembildende Hauptmotiv, dessen Folgeprobleme Leibniz’ ganze Spätphilosophie differenziert beantworten will: die Harmonisierung der traditionellen Geistmetaphysik mit der kausal-mechanischen Naturerklärung durch die Hypothese vom individual-perspektivisch repräsentierenden geistigen Punkt, der später „Monade“ heißen wird.

Dieses Buch rekonstruiert in problemgeschichtlicher Methode erstmals die ganze philosophisch-enzyklopädische Synthese des frühen Leibniz und skizziert abschließend eine neue Deutung der späten Monadenlehre vom Frühwerk aus.


Busche, Hubertus: Leibniz’ Weg ins perspektivische Universum. Eine Harmonie im Zeitalter der Berechnung, Hamburg 1997, Meiner, ISBN: 9783787313426 (print) / ISBN: 978-3-7873-2927-4 (E-Book).

Buchcover: Abbildung: Meiner

Das Leben der Lebendigen. Hegels politisch-religiöse Begründung der Philosophie freier Verbundenheit in seinen frühen Manuskripten (1987)


Einführung.

Das politische Motiv von Hegels Religionssuche Erster Teil. DISSOZIIERTE KRÄFTE. Hegels Grunderfahrung vom Tod des öffentlichen Lebens und die Suche nach dem lebendigmachenden Geist. A. Bilder unmittelbarer Lebendigkeit — Die Einheit von Selbsttätigkeit und Hingabe, Freiheit und Verbundenheit in der wohlorganisierten Bedürfniswelt der Griechen – B. Der Lebendigkeitsverlust der gealterten Welt — Abspaltung der Theorie vom Handlungszusammenhang – 1. Die „toten Zeichen kalter Buchgelehrsamkeit“ und das „tote Meer moralischen Geschwätzes“ — Zur Fetischisierung von Aufklärung und Moral – 2. Die „Scheidewand zwischen Leben und Lehre“ — Von der Religions- und Lebensfeindlichkeit der Theologie – C. Hegels Programm einer Volksreligion zwischen nationaler Popular-Propädeutik des Vernunftglaubens und experimentellem Fragen nach den Bedingungen einer vernünftigen, politischen Religion der Moderne – 1. Religiöser Gemeingeist als belebendes Prinzip sittlichen Handelns – 2. Die Vernunftlosigkeit religiöser Belebung und die Leblosigkeit reiner Vernunft

Zweiter Teil. HISTORIOGRAPHIE DES ENTEIGNETEN LEBENS. Hegels Studium des geschichtlichen Funktionswandels der Religion. A. Das Schicksal der sich dissoziierenden Allgemeinheit – 1. Sozialität und Individualität - Die Entzweiung des ursprünglich einmütigen Volksgeistes – 2. Die Unvereinbarkeit christlicher Religion mit dem Geist öffentlicher Verlebendigung – 3. Der Verfall des republikanischen Lebenskreises — Hingabe an die republikanische Idee als Befriedigung in wahrer Arbeit, positive Religion und Privatismus als Ersatzbefriedigung politisch-moralischer Ohnmacht – B. Das Paradigma gescheiterter Verlebendigung – 1. Das „Leben Jesu“ als Geschichte von der exemplarischen Verabschiedung des positiven Glaubens und der Wiederbringung des Lebens durch den heiligen Geist liebender Freiheit — Hegels unvollendete Entdeckung der lebendigen Allvernunft – 2. Die Tötung des Geistes im kirchlichen System der Enteignung des Menschen – 3. Die Religion als Spiegel des Zeitgeistes: Positivität und Transzendenz als Symptome des Freiheitsverlustes – C. Religiöse Vernunft - Rückblick auf Hegels Problemstellung im Übergang nach Frankfurt

Dritter Teil. WIEDERBELEBUNG DER ZEIT. Hegels spekulative Reintegration geschichtlicher Entzweiungsformen in die regenerable Ganzheit des geistigen All-Lebens. A. Natur und Ideal — Hegels Frankfurter Religionstypologie und die Kritik der sozialen Beziehungsformen – 1. Die Götter des einigen Menschen als seine durch Einbildungskraft beseelten Naturbeziehungen — Hegels Rezeption des Hölderlinschen Naturevangeliums – 2. Der Eine göttliche Herr als Symptom und Lebensdeterminante des entzweiten Menschen — Von der Realitätserzeugung eines religiösen Ideals – B. Hegels Weg von der Kritik bis zur Schwelle des Systemprinzips – 1. Auf der Suche nach einem theoretisch-praktischen Einheitsprinzip – 2. „Gott ist die Liebe, die Liebe ist Gott, es gibt keine andere Gottheit« – C. Die Entwicklung des geistigen „Lebens“ vom sphärisch begrenzten Begriff sittlicher Ganzheit zum universalen Einheitsprinzip – 1. Das Gesetz und das Leben — Hegels Kritik an Kants Vermengung von ethischer Reflexion und sittlichem Selbstverständnis – 2. Freiheit und Schicksal - Vom tragischen Leben des Geistes – 3. Das Christentum des Buchstabens und das Evangelium des Geistes - Hegels behinderte Annäherung an das Absolute


Busche, Hubertus: Das Leben der Lebendigen. Hegels politisch-religiöse Begründung der Philosophie freier Verbundenheit in seinen frühen Manuskripten, Hamburg 1987, Meiner, ISBN: 978-3416020244 (print).

23.09.2021