Präsenzveranstaltung

Thema:
Fichtes geschlossener Handelsstaat
Semester:
Zielgruppe:
BA KuWi: Modul 25402/P2; Modul 25406/P6; BA PVS: Modul 25407/PHIL; MA Phil: Modul 26402/II; Modul 26409/IX; Modul 26410/X; AP Phil; darüber hinaus alle Interssierten ohne Hausarbeitsabsicht
Ort:
Nürnberg
Adresse:
Campus Nürnberg
Termin:
08.05.2026 bis
10.05.2026
Zeitraum:
Freitag 16.00 Uhr bis 21.00 Uhr
Samstag 10.00 Uhr bis 19.30 Uhr
Sonntag 10 Uhr bis 14.30 Uhr
Leitung:
Dr. Ludwig Krüger
Hinweis:
Veranstaltung wird als Seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt. Es wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.

Fichtes Wirtschaftsphilosophie, die er in seinem Buch „Der geschloßne Handelsstaat“ (1800) ausführt, ist in vielen Hinsichten bemerkenswert. Das betrifft schon den Umstand, dass Fichte, der sein philosophisches Programm, welches er „Wissenschaftslehre“ nennt, in der Tradition der Kantischen Transzendentalphilosophie verortet, überhaupt eine Wirtschaftsphilosophie schreibt, während es bei Kant keine explizite Wirtschaftsphilosophie gibt, vielleicht sogar auch gar nicht geben konnte. Fichtes Überlegungen basieren auf rechtsphilosophischen Grundannahmen und sind vielleicht der letzte systematische Versuch in der Philosophie, einen „Vernunftstaat“ aus einem philosophischen System abzuleiten. Bemerkenswert ist sodann die Ausrichtung seiner Wirtschaftsphilosophie – wesentlich auch als Gegenentwurf gegen internationalen Freihandel aufgrund des damit verbundenen Kolonialismus gedacht, gibt es unverkennbare planwirtschaftliche Momente. Doch während sich hier und da Bezüge zum frühsozialistischen Denken aufzudrängen zu scheinen, gibt es gleichzeitig eine klare Fürsprache für Privateigentum. Dadurch, aber auch aufgrund einer eigenständigen (womöglich sogar: eigenwilligen) Wert- und Geldtheorie entzieht sich die Wirtschaftsphilosophie Fichtes geläufigen Einordnungskriterien wie „liberalistisch“, „sozialistisch“ usw.

In diesem Seminar wollen wir uns daher diesem Werk auf die einzig angemessene Weise nähern – es als eigenständigen wirtschaftsphilosophischen Entwurf würdigen und kritisch einordnen, hierbei aber auch dort wo es notwendig ist, Bezüge zu seinem philosophischen Gesamtsystem herstellen.

Wie werden in dem Seminar Referate hören, aber auch viel gemeinsam lesen, weshalb Sie das Werk als Buch oder ausgedruckt dabei haben müssen (nur eine digitale Version, insbesondere nur auf demHandy, ist unhandlich und erschwert den Seminarablauf, wenn wir uns in dem Buch hin- und herbewegen möchten).

Sofern Sie im Zusammenhang mit dem Seminar eine Hausarbeit schreiben möchten, ist die Übernahme eines Referats verpflichtend. Es ist aber empfehlenswert, auch unabhängig davon ein Referat zu übernehmen. Denn schon durch die Vorbereitung eines Referats und die anschließende Präsentation üben Sie Strategien zur Bewältigung und Methoden der Darstellung philosophischer Texte ein, die die Grundlage des weiteren Studiums und einer jeden guten Prüfungsvorbereitung sind.

Mögliche Referatsthemen sind:

  • Buch I „Philosophie - Was in Ansehung des Handels-Verkehrs im Vernunftstaate Rechtens sei“ (GA, I/7, S. 53–90)
  • Buch II „Zeitgeschichte - Vom Zustande des Handelsverkehrs in den gegenwärtigen wirklichen Staaten“ (GA, I/7, S. 91–112)
  • Buch III „Politik - Wie der Handelsverkehr eines bestehenden Staates in die von der Vemunft geforderte Verfassung zu bringen sei; oder: Von der Schließung des Handelsstaates“ (GA, I/7, S. 113 – 141)
  • Noch abzusprechende philosophische Grundlagen aus der Wissenschaftslehre
  • Noch abzusprechende rechtsphilosophische Grundlagen aus seiner Grundlage des Naturrechts (GA, I/3 und GA I/4)

Textgrundlage

Fichte wird in der Regel nach der kritisch editierten Gesamtausgabe (GA) zitiert:

  • Fichte, Johann Gottlieb: Gesamtausgabe der Bayerischen Akademie der Wissen-schaften. Hrsg. von Reinhard Lauth und Hans Jacob. Stutt-gart-Bad Cannstatt 1962–2012 (Frommann-Holzboog)

Die Fernuni hat die digitale Version der Gesamtausgabe lizensiert, d.h. Sie haben als Fernuniangehörige Vollzugriff auf alle 47 Bände – können diese herunterladen und ausdrucken: https://www.inlibra.com/de/series/B009926200 Das geht am einfachsten von zu Hause über einen VPN-Client.

Sie können aber auch Studienausgaben verwenden wie die im Meiner Verlag (Philosophische Bibliothek 316) oder die immer noch gebräuchliche Ausgabe „Sämmtliche Werke“, die von Fichtes Sohn Immanuel Hermann Fichte herausgegeben wurde. Der Handelsstaat ist hierbei im dritten Band enthalten, welcher darüber hinaus auch die Grundlage des Naturrechts enthält. Alle Ausgaben (GA I/7, PhB 316, SW 3) sind für das Seminar geeignet, weil sie alle zumindest die Paginierung der Sohnesausgabe (SW 3) enthalten, so dass wir beim gemeinsamen Lesen immer eine gemeinsame Referenz haben. Sollten Sie eine andere Ausgabe verwenden wollen, achten Sie bitte darauf, dass zumindest die genannte Paginierung von SW 3 enthalten ist.


Ein- und weiterführende Literatur

  • Baumanns, Peter: J. G. Fichte. Kritische Gesamtdarstellung seiner Philosophie. Freiburg/München 1990 (Alber)
  • D'Alfonso, Matteo V. / Klotz, Christian (Hrsg.): Johann Gottlieb Fichte. Leben – Werk – Wirkung. Baden-Baden 2025 (Nomos)
  • Fichte-Studien (43) 2016, Teil 5: Politik und Wirtschaft
  • Fischer, Kuno: Fichtes Leben, Werke und Lehre (Reihe: Geschichte der neuern Philosophie). Heidelberg (mehrere Auflagen): Winter. Digitalisat der Ausgabe von 1900: https://archive.org/details/geschichtederne12unkngoog
  • Hestermann, Ludwig: Der offene Handelsstaat. Ein philosophischer Entwurf. Leipzig/Pforzheim 1802 (Müller)
  • Hirsch, Hans: Fichtes Planwirtschaftsmodell als Dokument der Geistesgeschichte und als bleibender Denkanstoß. In: Fichte-Studien (24) 2003, S. 165– 77
  • Hoffmann, Thomas S. (Hrsg.): Fichtes Geschlossener Handelsstaat. Beiträge zur Erschließung eines Anti-Klassikers. Berlin 2018 (Duncker & Humblot) [siehe darin auch die Literaturliste!]
  • Hoffmann, Thomas S.: „Ökonomie“ aus dem Geist der Wissenschaftslehre. In: Thomas S. Hoffmann / Klaus Honrath (Hrsg.): Genealogien der Wirtschaftsphilosophie. Wiesbaden/Heidelberg 2025 (Springer VS), S. 295–308
  • Krause, Werner: Fichtes ökonomische Anschauungen im Geschlossenen Handelsstaat. In: Manfred Buhr (Hrsg.): Wissen und Gewissen. Beiträge zum 200. Geburstag Johann Gottlieb Fichtes, 1762–1814. Berlin 1962 (Akademie), S. 224-240
  • Marquardt, Jochen: „Der geschloßne Handelsstaat“ – Zur konservativen Kritik einer aufklärerischen Utopie. Adam Müllers Replik auf Fichte. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie (39/3) 1991, S. 294–303
  • Nakhimovsky, Isaac: The Closed Commercial State. Perpetual Peace and Commercial Society from Rousseau to Fichte. Princeton/Oxford 2011 (Princeton UP)
  • Nance, Michael: Property and economic planning in Fichte's contractualism. In: European Journal of Philosophy (27/3) 2019, S. 643–660

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08.02.2026