Präsenzveranstaltung
- Thema:
- Recht und Gerechtigkeit bei Fichte und Hegel
- Veranstaltungstyp:
- Seminar
- Semester:
- Sommersemester 2026
- Zielgruppe:
- BA KuWi: Modul 25405/P5; Modul 25406/P6; BA PVS: Modul 25407/PHIL; MA Phil: Modul 26402/II; Modul 26409/IX; Modul 26410/X; AP Phil;
- Ort:
- Wien
- Adresse:
-
Zentrum für Fernstudien Wien
Ehemalige Postsparkasse, Wiesingerstraße 4/2. Stock
A-1010 Wien
- Termin:
- 12.06.2026
bis
14.06.2026 - Zeitraum:
- Freitag, 12. Juni 2026, 16.00-21.00 Uhr
Samstag, 13. Juni 2026, 10.00-19.30 Uhr
Sonntag, 14. Juni 2026, 10.00-14.30 Uhr - Leitung:
-
Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann
Prof. Dr. Luis Eduardo Gama - Auskunft erteilt:
-
Mona Peperkorn
E-Mail: sekretaritat.philosophie2 - Hinweis:
- Veranstaltung wird als Seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt. Es wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.
Vom rein lexikalischen Befund her spielt bereits bei Kant in der Moral- wie der Rechtsphilosophie der Begriff „Gerechtigkeit“ keine größere Rolle; das gleiche gilt für die beiden nachkantischen Autoren, denen das Seminar gewidmet ist – Johann Gottlieb Fichte und Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Im Seminar wird es zum einen darum gehen, zu klären, warum dies so ist; zum anderen aber soll aufgezeigt werden, inwiefern beide Autoren gleichwohl neue Impulse für die Entfaltung eines gehaltvollen Gerechtigkeitsdenkens gegeben haben. Dazu wird insbesondere die bei Fichte und Hegel im Zentrum ihrer praktischen Philosophie stehende Anerkennungslehre thematisiert und systematisch gewichtet werden; ebenso wird auf Fragen konkreter sozialphilosophischer Dimensionen des Gerechtigkeitsbegriffs eingegangen, die z. B. das Problem der Interessenkonflikte in der bürgerlichen Gesellschaft (Hegel), das Recht auf Arbeit (Fichte) oder die Wiederherstellung des Rechtsfriedens durch das Institut des Strafens betreffen. Hegel betreffend wird zudem die geschichtsphilosophische Perspektive einbezogen, der zufolge die Weltgeschichte der Gerichtshof ist, der allen reellen Ansprüchen in Beziehung auf Recht und Unrecht letztinstanzliche Gerechtigkeit widerfahren läßt.
Die aktuelle Planung sieht eine Beteiligung von Herrn Prof. Dr. Luis Eduardo Gama aus Bogotá an der Leitung des Seminars vor. Prof. Gama ist ausgewiesener Hegel-Forscher und Kenner der Klassischen deutschen Philosophie; zugleich wird im Austausch mit ihm der Frage nachzugehen sein, welche aktuelle Bedeutung dem Denken Fichtes und Hegels am Beispiel des Problems der Befriedung eines seit Jahrzehnen zerrissenen Landes wie Kolumbien beigemessen werden kann.
Wie immer ist die Bereitschaft zur Referatübernahme Teilnahmevoraussetzung für das Seminar. Die Themen werden in der Reihenfolge des Eingangs der Meldungen vergeben, die Sie bitte direkt an den Leiter (thomas.hoffmann) richten; geben Sie bei der Meldung zwei Präferenzen aus der untenstehenden Liste an. Ggf. erfolgt eine Mehrfachbesetzung mit Ersatzreferenten. Hausarbeitsthemen können dabei auch unabhängig von der Referatswahl individuell abgesprochen werden.
Referatthemen:
1) Die transzendentalphilosophische Rechtsbegründung bei Fichte
2) Die geistphilosophische Rechtsbegründung bei Hegel
3) Anerkennung bei Fichte
4) Anerkennung bei Hegel
5) Die „Deduktion des Begriffs eines gemeinen Wesens“ in Fichtes Naturrecht von 1796
6) Die bürgerliche Gesellschaft als Ort der Rechtspflege bei Hegel in Hegels Rechtsphilosophie
7) „Soziale Gerechtigkeit“ im Geschlossenen Handelsstaat bei Fichte?
8) Strafgerechtigkeit bei Fichte
9) Strafgerechtigkeit bei Hegel
10) Die „Weltgeschichte als Weltgericht“ bei Hegel
Textgrundlagen:
J. G. Fichte, Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre (1796)
- ders., Der geschlossene Handelsstaat (1800)
G. W. F. Hegel, Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1830)
- ders., Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse (1821)
Literaturhinweise:
Rüdiger Bubner (Hg.), Die Weltgeschichte – das Weltgericht? Stuttgarter Hegel-Kongreß 1999, Stuttgart 2001.
Andrew Buchwalter (Hg.), Hegel and Global Justice, Dordrecht 2012.
Joshua Folkerts, Hegelianische Sozialstaatlichkeit. Hegels Beitrag zur politischen Theorie und Ideengeschichte des sozialpolitischen Denkens, Wiesbaden 2024.
Otfried Höffe, Gerechtigkeit. Eine philosophische Einführung, 6. Aufl. München 2021.
Thomas Sören Hoffmann (Hg.), Das Recht als Form der „Gemeinschaft freier Wesen als solcher“. Fichtes Rechtsphilosophie in ihren aktuellen Bezügen, Berlin 2014.
- ders. (Hg.), Fichtes Geschlossener Handelsstaat. Beiträge zur Erschließung eines Anti-Klassikers, Berlin 2018.
David James, Fichte’s Social and Political Philosophy. Property and Virtue, Cambridge 2011.
Jakub Kloc-Konkolowicz, Anerkennung als Verpflichtung. Klassische Konzepte der Anerkennung und ihre Bedeutung für die aktuelle Debatte, Würzburg 2015.
Hans G. von Manz, Fairneß und Vernunftsrecht. Rawls’ Versuch der prozeduralen Begründung einer gerechten Gesellschaftsordnung im Gegensatz zu ihrer Vernunftbestimmung bei Fichte, Hildesheim 1992.
Ludwig Siep, Anerkennung als Prinzip der praktischen Philosophie, Freiburg / München 1979.
Ulrich Thiele, Distributive Gerechtigkeit und demokratischer Staat. Fichtes Rechtslehre von 1796 zwischen vorkantischem und kantischem Naturrecht, Berlin 2002.
Die Anmeldung erfolgt über die Virtuelle Universität: https://vu.fernuni-hagen.de/lvuweb/lvuauth/app/EventView/6969557753