Präsenzveranstaltung

Thema:
Bewusstseinstheorien. Phänomenologische und analytische Ansätze II (Folgeseminar)
Veranstaltungstyp:
Seminar
Semester:
Wintersemester 2026/27
Zielgruppe:
BA KuWi: Modul 25403/P3; Modul 25405/P5; MA Phil: Modul 26404/IV; Modul 26406/VI; Modul 264081/VIII; AP Phil;
Ort:
Berlin
Adresse:
Campus Berlin
Termin:
12.02.2027 bis
14.02.2027
Leitung:
Dr. Ulrich Dopatka
Hinweis:
Veranstaltung wird als Seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt. Es wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.

Seminarbeschreibung

Das Bewusstsein ist – wie die Zeit – ein Grundphänomen. So wie wir zeitliche Wesen sind, sind wir auch bewusste Wesen, deren Lebensvollzug durch eine fortwährende Abfolge komplexer phänomenaler Qualitäten bestimmt wird. Diese umfassen sinnliche Eindrücke wie die Farbe und den Geschmack eines Apfels ebenso wie emotionale Zustände, etwa die Freude über ein Geschenk. Entscheidend ist jedoch: Wir haben nicht nur solche subjektiven Erlebnisse, wir „wissen“ auch, wie es ist, sie zu haben. Diese Eigenschaft des bewussten Erlebens bildet einen zentralen Untersuchungsgegenstand der Bewusstseinsforschung. Doch obwohl uns kaum etwas vertrauter sein dürfte als unser eigenes Erleben, bleibt das Bewusstsein ein Rätsel. Die grundlegende Frage lautet: Wie ist es möglich, dass in einer physikalisch beschreibbaren Welt bewusstes Erleben entstehen kann? Diese Frage wird heute aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht. Phänomenologie, analytische Philosophie des Geistes und Neurowissenschaften entwickeln dabei teilweise konkurrierende, teilweise sich ergänzende Zugänge zum Rätsel des Bewusstseins. Im Zentrum des Seminars steht die Frage nach dem ontologischen Status des Bewusstseins: Müssen wir, wie etwa bei Sartre, an einer grundlegenden ontologischen Differenz von Bewusstsein und Sein festhalten, oder lässt sich Bewusstsein im Rahmen einer monistischen Ontologie verstehen, wie dies in unterschiedlicher Weise etwa Dennett oder Strawson versuchen? Und wenn wir einen Monismus vertreten: Um welche Form des Monismus kann es sich handeln? Oder müssen wir mit McGinn sogar davon ausgehen, dass das Rätsel des Bewusstseins aufgrund der Grenzen unseres kognitiven Erkenntnisvermögens prinzipiell nicht lösbar ist – eine Position, die als New Mysterianism bezeichnet wird?

Zur Vorbereitung

Das Seminar ist so konzipiert, dass wir anhand ausgewählter Texte verschiedene Theorien des Bewusstseins diskutieren. Da die unten angegebene Primärliteratur umfangreich ist und realistischerweise nur wenige die Möglichkeit haben werden, sämtliche Werke vollständig zu lesen, schlage ich folgendes Vorgehen vor: Setzen Sie individuelle Schwerpunkte entsprechend Ihren Interessen und Neigungen. Gleichwohl gilt: Je mehr Texte Sie lesen und durcharbeiten, desto fundierter wird Ihr Verständnis sein – und desto aktiver und konstruktiver können Sie sich an den Diskussionen beteiligen.

Bis Mitte November erhalten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Liste mit möglichen Referatsthemen, die zugleich als Ausgangspunkt für Haus- oder Abschlussarbeiten dienen können.

Die Präsenzveranstaltung knüpft an ein Seminar aus dem vergangenen Wintersemester an und führt dessen Fragestellungen weiter. Sie ist jedoch so konzipiert, dass auch Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger ohne Kenntnis der vorherigen Veranstaltung den behandelten Themen und Diskussionen gut folgen können.

Primärliteratur

  • Sartre, Jean-Paul
    • Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie. Hamburg: Rowohlt 2004 -- Lesen Sie hier „I. Die Anwesenheit bei sich", S. 163ff
    • Die Transzendenz des Ego. In: Philosophische Essays 1931-1939. Hamburg: Rowohlt 1982.
  • Wiesing, Lambert
    • Ich für Mich. Phänomenologie des Selbstbewusstseins. Berlin: Suhrkamp.
      - Dazu meine Rezension: Deutsche Zeitschrift für philosophische Literatur, Bd. 8 Nr. 4, 2 (https://zfphl.org/issue/view/4742).
  • Strawson, Galen
    • Consciousness and its Place in Natur. Exeter: Imprint Academic
  • Dennett, Daniel C.
    • Süße Träume. Die Erforschung des Bewußtseins und der Schlaf der Philosophen. Frankfurt/M.: Suhrkamp
  • McGinn, Colin
    • Wie kommt der Geist in die Materie? Das Rätsel des Bewusstseins. München: C.H.Beck

Die folgenden Texte waren bereits Gegenstand des letzten Seminars und werden daher in ihren Grundzügen als bekannt vorausgesetzt. Da wir sie jedoch im Zusammenhang mit Dennetts Kritik erneut aufgreifen werden, empfiehlt es sich, sie zur Vorbereitung noch einmal durchzusehen.

  • Nagel, Thomas
    • Wie es ist eine Fledermaus zu sein. Deutsch-Englisch. Stuttgart: Reclam 2023 oder andere Ausgaben
  • Jackson, Frank
    • What Mary didn´t know. In: Journal of Philosophy, 83, 291-295 (1986)
  • Chalmers, David J.
    • The Conscious Mind. In Search of a Fundamental Theory. New York/Oxford: Oxford University Press 1997

Sekundärliteratur

  • https://plato.stanford.edu/entries/consciousness/
  • Blackmore, Susan/Troscianko Emily T. (42024): Consciousness. An Introduction. London/New York: Routledge
  • Metzinger, Thomas (Hg.) (2009): Grundkurs Philosophie des Geistes. Band 1: Phänomenales Bewusstsein. Paderborn: Mentis.
Mona Peperkorn | 30.09.2026