Seminar „Berufliche Sozialisation und Habitus“
- Thema:
- „Berufliche Sozialisation und Habitus“
- Veranstaltungstyp:
- Online und Präsenz
- Semester:
- Sommersemester 2026
- Zielgruppe:
- MA Soz: Modul 26607/E2; Modul 26608/E5; BA PVS: Modul VS2, darüber hinaus alle Interessierten
- Ort:
- Campus Frankfurt/Main
- Adresse:
- Campus Frankfurt/Main
- Termin:
- 29.05.2026
bis
30.05.2026 - Zeitraum:
- 05.05.2026 via Zoom
29.05.+ 30.05.2026 Campus Frankfurt/Main - Leitung:
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Dr. Julian Möhring
Dr. Franziska Krüger - Anmeldefrist:
- 30.04.2026
- Anmeldung:
- Ihre Anmeldung für die Veranstaltung richten Sie bitte, unter Angabe Ihrer Postanschrift, Matrikel-Nr., Studiengang und Studienstatus bis einschließlich zum 30. April 2026 per E-Mail an Judith Bornmann, sekretariat.mikrosoziologie@fernuni-hagen.de ODER über das u.s. Formular. Das Seminar findet bei einer Mindestanzahl von 8 Personen statt. Sollten weniger Anmeldungen erfolgen, informieren wir Sie bis zum 4. Mai über die Absage des Seminars.
- Hinweis:
- Veranstaltung wird als Seminar im Sinne der Studienordnung anerkannt. Es wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt.
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Teilnahme-
voraussetzungen: - Lektüre der Texte; Bereitschaft, ein Impulsreferat (ca. 10 Minuten) zu halten und Thesen/Fragen zu den Texten einzureichen; Arbeit in Kleingruppen
Inhalt:
Studierende sind in diesem Seminar eingeladen, gemeinsam der Frage nachzugehen, wodurch bedingt Berufswahlen und berufliche Lebenswege sich herausbilden und verändern. Der Berufseinstieg in Deutschland beginnt nach dem Studium im Durchschnitt mit 27 Jahren und nach der Ausbildung mit 21 Jahren. Die anschließenden 40 bis 45 Jahre sind für die meisten Menschen durch die Arbeitswelt geprägt, mit weitreichenden Auswirkungen für weitere Lebensbereiche wie Familie und Partnerschaft, Freundschaften und Freizeit, oder Lebensereignisse wie Krankheit und Arbeitslosigkeit. Diese dritte Phase, nach Herkunftsfamilie (primär) und Schule (sekundär) ist in ihrer Bedeutung für die Sozialisation umstritten. In der Rechtssoziologie etwa wird sowohl die Annahme vertreten, dass Richter:innen in ihren Entscheidungen von vorherigen Sozialisationsabschnitten in ihrem Leben und ihrem Herkunftsmilieu beeinflusst werden sowie die gegenteilige These, dass durch die berufliche Sozialisation jegliche Beeinflussung in professionellen Entscheidungen eine zu vernachlässigende Rolle spielt (Berndt).
Untersuchen wir Entscheidungen, die die Ausbildung und den Beruf betreffen, so gehen wir der Annahme nach, dass dies nicht zufällig passiert, sondern vorstrukturiert ist. Diese Entscheidungen sind nicht als determiniert zu denken, doch als eine Wahl, die Individuen im Rahmen eines bestehenden Möglichkeitsraums treffen. Diese Lebensbedingungen mit biografischen Entscheidungen gleichsam in den Blick zu nehmen, darum wird es in dem Seminar gehen, wenn wir Sozialisations- und Habituskonzepte diskutieren.
Studierende lernen unterschiedliche Sozialisationskonzepte kennen, etwa das Modell der produktiven Realitätsverarbeitung (Hurrelmann), den Aufbau einer Bildungsgeschichte durch Krisenbewältigung (Oevermann) oder die Internalisierung der Wirklichkeit als Teil der sozialen Konstruktion von Realität (Berger und Luckmann). In der Sozialisation bildet sich ein Habitus, ein Hintergrund des Denkens und Handelns heraus, der unter anderem Körperhaltung, Sprechweise, Geschmacksurteile unbewusst beeinflusst. Der Habitus strukturiert Handeln und wird durch Handeln strukturiert – an ihm lassen sich nicht nur Eigenheiten einzelner Individuen ablesen, sondern es lassen sich auch Rückschlüsse auf gesellschaftliche Strukturen ziehen.
Im Seminar wenden wir uns zunächst dem soziologischen Begriffsverständnis vom Habitus und Sozialisation zu. Grundlagen und Differenzen unterschiedlicher Begriffsauffassungen werden im Seminar herausgearbeitet. Im Weiteren wird es darum gehen, wie die unterschiedlichen Habitus- und Sozialisationskonzepte in der qualitativen Sozialforschung zur Anwendung kommen.