Menü Symbol
Suche einblenden

Einblicke in unsere Deutschkurse

Foto: Privat

Roman Hübert lehrt in den Deutschkursen von studyBRIDGE seit Anfang des Jahres. In dieser Zeit hat er nun schon den achten Kurs übernommen. Im Interview spricht er mit Rahel Papatheodorou darüber, wie er die Kurse bei studyBRIDGE erlebt und was ihn motiviert, als Deutschdozent für die FernUniversität tätig zu sein.

Papatheodorou: Guten Morgen. Wir kooperieren ja schon etwas länger für die Kurse von studyBRIDGE, aber sehr viel über dich persönlich weiß ich noch nicht. Möchtest du dich einmal vorstellen? Vielleicht auch in Bezug auf wie du das Lehren als Leidenschaft für dich entdeckt hast?

Hübert: Klar! Ich heiße Roman Hübert, komme ursprünglich aus Kasachstan und bin etwa im Alter von zehn hergezogen. Dann musste ich erst einmal, wie alle meine Kursteilnehmenden, Deutsch als Fremdsprache lernen. Nach dem Abitur wollte ich definitiv studieren und bin über ein paar Umwege schließlich an das Lehramtsstudium gelangt. Ich denke die prägendste Erfahrung in meiner Karriere war dann mein Praktikum, aus dem ich drei Dinge gelernt habe: Erstens, mir macht Unterrichten wirklich Spaß, zweitens, ich möchte keine Kinder oder Jugendlichen unterrichten und drittens, die Fächer, die ich auf Lehramt studierte, waren eigentlich nicht wichtig. Ich hatte einfach Spaß daran Deutsch zu unterrichten. Zufälligerweise kam etwa um diese Zeit die Flüchtlingskrise, weshalb ich anfing, Willkommenskurse für Geflüchtete zu unterrichten. Und später kam mir sogar Corona zugute, weil ich so merkte, dass Online-Unterricht mir wirklich liegt.

Papatheodorou: Spannend! Also sind die Kurse bei der Fernuni absolut in deinem Fähigkeitsbereich? Erwachsene, online, Geflüchtete, Deutschunterricht, usw…

Hübert: Ja, tatsächlich. Ich bin echt zufrieden, einfach weil mir das Setting gefällt. Man kann sich auch mal ein bisschen Zeit lassen, auf Kursteilnehmende eingehen, anstatt – wie in so vielen Sprachkursen – sie einfach zur Prüfung zu jagen. Da habe ich jetzt eine ganz andere Freiheit.

Papatheodorou: Das bringt mich darauf, dass ich ab und zu die Frage kriege, warum für Studierende ein B2-Kurs angeboten wird, dabei braucht man ein bestandenes C1-Zertifikant, um überhaupt eingeschrieben zu sein. Wie siehst du das?

Hübert: Schau, ich kann nur aus Erfahrung sprechen, dass ich in Siegen, wo ich gearbeitet habe, von Dozierenden das Feedback kriege, dass internationale Studierende zwar die Prüfungen bestünden, aber trotzdem in den Seminaren säßen und die Dozierenden hätten den Eindruck, dass sie noch gar nichts könnten. Heutzutage werden Unis dazu gedrängt, viele Leute aufzunehmen und damit einhergehend auch viele Leute bestehen zu lassen, wodurch der Fokus von Qualität auf Quantität geht. Und in Sprachkursen ist das genauso, dann bestehen die Teilnehmenden zwar die Prüfung, meinen die Sprache zu können und werden in der Uni bitter überrascht, wenn sie in der Vorlesung den Dozierenden doch nicht folgen können. Zum Beispiel in dem Studierendenkurs von der Fernuni sitzen Menschen, die vor zwei drei Jahren mal C1 bestanden haben, aber gerade sehr dankbar für die Inhalte aus B2 sind. Wenn man Deutsch nicht anwendet, dann ist das Wissen, was zum Bestehen des Zertifikats geführt hat, schnell wieder weg.

Papatheodorou: Das könnte ja auch damit zusammenhängen, was du vorhin gesagt hast: Dass bei den Sprachschulen oft darauf fokussiert wird, die Prüfung zu bestehen und weniger darauf, die Sprache anzuwenden und „praktisch“ zu lernen.

Hübert: Ja, das stimmt. Außerdem fehlt Sprachlehrerinnen und Sprachlehrern oft das Feingefühl, mit Leuten unterschiedlicher Herkunft adäquat zu kommunizieren. Denn die Hälfte von meiner Arbeit ist, die Leute zu motivieren. Man hat es mit Erwachsenen zu tun, die teilweise eine komplette Bildungskarriere hinter sich haben, vielleicht schon 20 Jahre Arbeitserfahrung haben und die man nicht wie kleine Kinder behandeln sollte. Denn wenn die dann merken, mir will jemand einfach nur etwas Gutes tun, ändert sich ihr Verhalten grundlegend. Plötzlich wollen sie Hausaufgaben machen und mir zeigen, ich gebe mir Mühe, ich will das schaffen.

Papatheodorou: Mhm, Motivation ist die halbe Miete. Und was gefällt dir an den Sprachkursen am besten?

Hübert: Die Flexibilität. Wir sind alle Erwachsenen, mehr als die Hälfte der Teilnehmenden hat irgendwelche Jobs, Verpflichtungen, Kinder. Und dann haben wir die Möglichkeit, die Kurse hin und her zu schieben, zeitlich zum Beispiel. Plus minus eine Viertel- oder halbe Stunde kann für jemanden bedeuten, dass er oder sie teilnehmen kann, oder eben nicht. Man spricht sich einfach ab, wenn alle mit einverstanden sind, kein Problem. Das ganze dann auch mit Pausen. Und ich habe auch viel Flexibilität wegen des Online-Unterrichts. Wenn ich mal ein Wort gerade nicht eloquent erklären kann, dann einmal schnell Googlen, Bildschirm übertragen, das Bild zeigen, alle verstehen es, fertig. Und dann noch viele andere Sachen, die Teilnehmenden können jederzeit auf Toilette. Oder, dass man nonverbal kommunizieren kann im Chat ohne, dass dabei der Unterrichtsfluss gestört wird für die anderen.

Papatheodorou: Und wenn die Schülerinnen und Schüler teilweise unterschiedliche Sprachniveaus haben? Wie gehst du damit um?

Hübert: Es ist nicht so schwer, dadurch, dass wir in den Einführungskursen mit dem Deutschfuchs arbeiten, der ja aktuell bis Niveau B2 ausgearbeitet wird. Die Leute können sich bei jeder Lektion die Konjugation und Deklaration anschauen, inklusive - wenn sie aufs Wort klicken – die Übersetzung sehen. Bisher war keine Sprache dabei, deren Übersetzung der Deutschfuchs nicht hatte, sodass alle die Übersetzung in ihrer eigenen Sprache sehen können. Das ermöglicht tatsächlich das Unterrichten von unterschiedlichen Niveaus. Eine Studentin zum Beispiel, ist einmal für einen Monat ausgefallen, weil sie in der Ukraine war. Ihr fehlte dann natürlich sehr viel Material. Mit dem Deutschfuchs konnte ich ihr einfach zeigen, welche Lektion sie nachholen musste, welche Endungen sie noch lernen sollte und ihr dann sagen: „Komm wieder, frag nach wo du etwas nicht verstanden hast“.

Papatheodorou: Ich verstehe immer mehr, was du mit Flexibilität meinst. Das führt mich auch schon zu meiner nächsten Frage. Wie würdest du die Sprachkurse noch anpassen, sodass die Menschen mehr davon profitieren können? Hast du da irgendwelche Vorschläge?

Hübert: Ich würde gerne die Kurse unterteilen können nach Niveaus, dass man vielleicht einen langsamen Kurs anbietet und einen Intensivkurs. Gerade bei B1 ist das sehr sinnvoll. Dann noch einen Kurs in mindestens zwei Einheiten aufzuteilen, kann ebenfalls sinnvoll sein. Zum Beispiel, dass man eineinhalb Stunden nur Leseverstehen macht, mal auch an längeren Texten übt und so weiter. So kann man dann auch schauen wo in der Grammatik die Feinheiten sind, usw. Was aus meiner Sicht außer dem sehr wichtig wäre, ist eine Art Konversationsunterricht. So würden die Menschen lernen, einfache Vorträge zu halten oder Dinge zu planen. Das reicht von ganz einfachen Sachen wie Behördengängen, Einkaufen, oder einer Party planen bis hin zu wenigen Seiten wissenschaftlich geschriebenen Text lesen. Also, man kann sehr vieles anbieten, um effektiv den Lernfortschritt zu fördern und sie mehr bei ihren Bedürfnissen abzuholen.

Papatheodorou: Sehr inspirierend, danke! Noch eine letzte Frage. Du hast viel Kontakt mit Geflüchteten und bist sicherlich immer auch ein Stück weit mit ihren Emotionen und Geschichten konfrontiert. Gibt es da etwas, was dich in den letzten Monaten nachdenklich gemacht hat?

Hübert: Also gerade in Bezug auf die ukrainischen Geflüchteten, ist aktuell nur ein Mann dabei. Das heißt, ich bin da etwas der Hahn im Korb und versuche Frauen im Alter zwischen 20 bis 50 irgendwie die Sprache näher zu bringen. Und das, was mich da irgendwie abholt, ist die Geschichte meiner Eltern, die selbst in Sprachkurse gegangen sind, als sie frisch nach Deutschland kamen, Mitte der 90er Jahre. Und ich weiß noch, dass mein Vater den Sprachkurs irgendwann abgebrochen hat, weil er die Familie ernähren musste, und zu vier Arbeitsstellen gegangen ist. Meine Mutter hat weitergemacht, allerdings hat sie sich später nicht getraut, sich an der Uni einschreiben zu lassen, um dann wieder Lehramt zu studieren bzw. das nachzuholen. Für meinen Vater war ohne Sprachkurs der Zug sowieso abgefahren. Und weil ich das auch in der Familiengeschichte habe und viele andere kenne, bei denen das ähnlich gelaufen ist, bin ich da wirklich motiviert, meine Schülerinnen und Schüler zumindest soweit zu fördern, dass sie auf gar keinen Fall jetzt aufgeben. Da hilft meine Biografie den Menschen, ich habe wirklich Verständnis für die Probleme meiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Z.B. die Frustration bei deutschen Behördengängen, wo sie dann öfter mal kurz vorm Aufgeben sind, und ich ihnen eine Umgebung geben kann, wo sie einerseits respektiert und abgeholt werden und andererseits jemand aktiv versucht zu helfen.

Papatheodorou: Danke dafür, Roman. Ich wünsche dir noch weiterhin viel Kraft die Leute zu ermutigen, denen du in deinen Sprachkursen begegnest und, dass du die Freude am Lehren nicht verlierst.

studyFIT | 21.02.2024
  • Facebook
  • X
  • Youtube
  • Instagram
  • Linkedin
  • Mastodon
nach oben