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Tagung: Zwischen Molekül und Moral: Ethik in Chemie und Pharmazie
[21.05.2026]Tagung: 12. und 13. Okt. 2026
Ort: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Organisatoren: Prof. Dr. Michael Müller (Freiburg, Pharmazeutische und medizinische Chemie) & PD Dr. Marcus Knaup (Hagen, Philosophie)
Die Tagung setzt an einem grundlegenden Unbehagen an: der Einsicht, dass die ethische Reflexion chemischer und pharmazeutischer Praxis bislang häufig zu spät einsetzt und sich zu stark auf die Abschätzung von Folgen beschränkt. Klassische Modelle der Technikfolgenabschätzung reagieren auf bereits entwickelte Stoffe, Verfahren oder Produkte. Angesichts von Substanzen mit globaler Verbreitung, hoher Persistenz und kaum umkehrbaren Effekten – wie den sogenannten Ewigkeitschemikalien (PFAS) – wird jedoch deutlich, dass Verantwortung früher beginnen muss: nicht erst bei der Anwendung, sondern bereits im Design, in der Auswahl von Stoffklassen und in den impliziten Zielsetzungen von Forschung und Innovation.
Vor diesem Hintergrund verfolgt die Tagung das Ziel, eine Ethik zu konturieren, die über eine rein konsequentialistische Bewertung hinausgeht. Sie fragt danach, wie chemische und pharmazeutische Praxis selbst normativ orientiert werden kann. Dabei rücken Stoffe nicht mehr nur als Mittel zum Zweck in den Blick, sondern als Träger langfristiger Wirklichkeit, die ökologische und soziale Zusammenhänge über Generationen hinweg prägen. Die Tagung öffnet damit einen Reflexionsraum, in dem Verantwortung nicht allein als Reaktion auf Risiken verstanden wird, sondern als gestaltende Praxis unter Bedingungen von Unsicherheit, Nichtwissen und irreversiblen Wirkungen.
Ein besonderer Fokus liegt auf PFAS als paradigmatischem Fall. Diese Stoffgruppe macht die zeitliche Dimension chemischer Verantwortung in drastischer Weise sichtbar: Ihre extreme Persistenz stellt Fragen nach intergenerationeller Gerechtigkeit, nach der Legitimität von Innovation unter Bedingungen unvollständigen Wissens und nach den Grenzen regulatorischer Steuerung. Die Auseinandersetzung mit PFAS dient dabei nicht nur der Analyse eines konkreten Problems, sondern als Ausgangspunkt für eine grundlegendere ethische Neubestimmung: Was bedeutet es, Stoffe in die Welt zu bringen, deren Wirkungen sich unserer Kontrolle weitgehend entziehen?
Die Tagung bringt Perspektiven aus Chemie, Pharmazie, Philosophie und gesellschaftlicher Praxis zusammen, um diese Fragen in ihrer ganzen Komplexität zu bearbeiten. Im Zentrum steht ein Dialog, der disziplinäre Grenzen überschreitet und unterschiedliche Formen von Wissen miteinander ins Gespräch bringt.
Anmeldung wird erbeten an: Marcus.Knaup