Projekt

MIGEP: Migration und Institutionenwandel im deutschen Gesundheitswesen im Feld der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung von Geflüchteten

Projektleitung:
Dr. Renate Reiter
Professorin Dr. Annette Elisabeth Töller
Status:
laufend
Laufzeit:
2018-2021 (3,5 Jahre)
fördernde Einrichtungen:
BMBF
Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Dr. Thomas Gerlinger (Universität Bielefeld)
Prof. Dr. Constanze Janda (Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer)

Projektseite

Kurzbeschreibung:

Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, sind in ihrem Herkunftsland und während ihrer Flucht oftmals mit einer Vielzahl traumatisierender Ereignisse konfrontiert. Dazu zählen in der Heimat und auf der Flucht das Erleben von Krieg, Gewalt, Verlust und extremer Armut. Angekommen im Aufnahmeland sind sie häufig weiteren Stressoren ausgesetzt, wie einem unsicheren Aufenthaltsstatus, beengten Wohnverhältnissen, Rassismus, Diskriminierung, und eingeschränkten gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten. Die Häufung traumatisierender Faktoren trägt zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, eine Traumafolgestörung zu entwickeln, bei. Entsprechende psychische Erkrankungen treten bei Geflüchteten weitaus häufiger auf als in der Normalbevölkerung. Ein Zugang zu adäquaten Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankungen ist dabei nicht nur aus humanitärer Sicht geboten, sondern stellt zugleich eine wichtige Voraussetzung für eine gelingende Integration dieser Gruppe in die deutsche Gesellschaft dar.

Insbesondere im Zuge der im Vergleich zu den Vorjahren stark angestiegenen Asylantragszahlen der Jahre 2015 und 2016 sind erhebliche Defizite, u.a. in der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung von Menschen mit Fluchterfahrung deutlich geworden. Diese bestehen u.a. in erheblichen regionalen Unterschieden sowohl bei der Verfügbarkeit geeigneter Angebote, als auch bei der Anwendung rechtlicher Rahmenbedingungen; in der häufig unzureichenden Vorbereitung der Versorgungseinrichtungen auf die Anforderungen einer kultur- und sprachsensiblen Behandlung; sowie in Unsicherheiten über die Abrechnungsfähigkeit von Leistungen bei den Kostenträgern. Betroffene werden daher häufig gar nicht, verspätet oder falsch behandelt.

Vor dem Hintergrund dieser Problematik beschäftigt sich das Projekt mit Möglichkeiten und Formen der Institutionalisierung von Aufgaben im Bereich der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung von Geflüchteten. Ein Fokus liegt auf der Frage, inwieweit die gestiegenen Asylantragszahlen seit 2015 und die damit einhergehenden administrativen Probleme, zu einem institutionellen Wandel geführt oder beigetragen haben. Dabei wird die Situation Geflüchteter im Bereich der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung als eine beispielhafte Zuspitzung für die Situation der gesundheitlichen Versorgung von MigrantInnen im Allgemeinen betrachtet.

Konkret werden folgende Forschungsfragen untersucht:

  1. Welchen Grad und welche Formen der Institutionalisierung hatte die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung von Geflüchteten bis einschließlich 2014 erreicht?
  2. Welche Formen der Institutionalisierung bilden sich seit 2015 heraus und welcher institutionelle Wandel geht damit einher (oder unterbleibt)?
  3. Wie lässt sich der eintretende oder auch ausbleibende Institutionenwandel erklären? Welche hemmenden und fördernden Faktoren lassen sich im Prozess der Institutionalisierung allgemein identifizieren?
  4. Inwieweit beeinflussen die institutionellen Arrangements der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung Geflüchteter die Richtung, das Tempo und die Form der Institutionalisierung der gesundheitlichen Versorgung von MigrantInnen allgemein?

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Fördermaßnahme „Migration und gesellschaftlicher Wandel“ im Themenfeld II „Diversität und institutioneller Wandel durch Zuwanderung“ gefördert und als Verbundprojekt der FernUniversität in Hagen gemeinsam mit der Universität Bielefeld und der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer durchgeführt.

Henning Heinemann | 02.05.2019