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Aktuelles - März 2017

Vielfalt in der Lehre partizipativ gestalten

viele Hände im Kreis
Eine FernUni, viele Hände: Die Studierenden zeichnen sich durch ihre Heterogenität aus. Foto: Thinkstock / Rawpixel Ltd

Ob Sportprofi, Mütter und Väter in Elternzeit oder berufstätige Studierende mit Weiterbildungsinteresse, ob Hochbegabte, Beruflich Qualifizierte oder behinderte und chronisch kranke Menschen: Die Studierenden der FernUniversität in Hagen zeichnen sich durch ihre Heterogenität aus. Neue Weichen für den Umgang mit Vielfalt soll jetzt das Diversity-Audit des Stifterverbands stellen. Welche Veränderungen erhofft sich die FernUniversität, und welchen Herausforderungen stellt sie sich? Antworten gibt Prof. Dr. Sebastian Kubis, Prorektor für Studium und Diversität und Leiter des Audits.

Der Umgang mit einer heterogenen Studierendenschaft ist an der FernUniversität nicht neu. Welche neuen Weichen stellt das Diversity-Audit des Stifterverbands?

Prof. Sebastian Kubis: Die FernUniversität beschäftigt sich seit gut 40 Jahren mit der Frage, was es bedeutet, dass wir sehr unterschiedliche Studierende an unserer Universität haben. Mit dem Audit haben wir einen organisatorischen Rahmen, um uns der Herausforderung Diversität neu zu stellen. Wie kann unsere universitäre Lehre noch besser werden? In einem partizipativen Prozess bringen wir Fragen der Inklusion, der Studieneingangsphase und der diversitätssensiblen Lehre zusammen. Sinnvoll ist auch der Austausch mit anderen Universitäten. So haben wir die Möglichkeit unsere Überlegungen zu spiegeln und bekommen Impulse für die Entwicklung einer fernunispezifischen Diversitätsstrategie.

Welche Erwartungen verbinden Sie selbst mit dem Diversity-Audit?

Prof. Kubis: Als ich vor gut einem Jahr Prorektor geworden bin, war nicht klar, welche Kraft und Bedeutung das Audit mit der Zeit einnehmen würde. Ich hatte zu Beginn die Sorge, dass nach dem anstrengenden Prozess der Mitte 2015 abgeschlossenen Hochschulentwicklungsplanung das Audit eine Überforderung für die Institutionen und Gremien sein könnte. Mittlerweile hat die inhaltliche Arbeit in den Entwicklungsfeldern Inklusion, Studieneingangsphase und Lehre/Mediendidaktik Fahrt aufgenommen. Die Ideen, die in den Hochschulentwicklungsplan eingeflossen sind, werden weitergedacht. Daher bin ich inzwischen fest überzeugt: Dieser Prozess ist eine große Chance für die FernUniversität.

Im Arbeitsbereich Inklusion stehen behinderte und chronisch kranke Studierende im Fokus. Wie profitieren auch alle anderen Studierenden von den Ideen im Audit?

Prof. Kubis: Die FernUniversität ist auch ein Raum für Studierende, die sich möglicherweise an einer Präsenzuniversität nicht richtig aufgehoben fühlen, zum Beispiel aufgrund von körperlichen oder psychischen Handicaps. Aber Diversität geht viel weiter. Wir wollen die Potenziale der Besonderheiten unserer Studierenden fruchtbar machen. Das Audit ist eine gute Möglichkeit, Desiderate im Bereich der Inklusion anzugehen, etwa in der Barrierefreiheit. Insbesondere im Zuge der Digitalisierung darf die wichtige Gruppe der behinderten und chronisch kranken Studierenden nicht vergessen werden. Von einer Verbesserung des Studienmaterials und des Zugangs zu den Inhalten profitieren aber auch nicht-behinderte Studierende. In den anderen Entwicklungsfeldern stehen ohnehin alle Studierenden im Fokus.

Inwiefern? Was bedeutet Diversität mit Blick auf die Studieneingangsphase und diversitätssensible Lehre?

Prof. Kubis: Diversität bedeutet, dass wir ganz verschiedene Studierende mit sehr unterschiedlichen Bildungszielen haben. Darauf wollen wir antworten. Für die diversitätssensible Lehre wollen wir zu neuen Ideen kommen, wie wir eine große und heterogene Studierendenschaft mit begrenzten Ressourcen möglichst gut unterrichten können. Studienerfolg entscheidet sich vielfach für Studierende am Anfang des Studiums. Ich erhoffe mir daher, dass wir zu konkreten Ideen für die Gestaltung dieser erfolgskritischen Phase gelangen. Unsere Studierenden sollen sich Klarheit darüber verschaffen, ob sie einen Abschluss anstreben oder ob sie andere Bildungsziele verfolgen. Darüber hinaus wollen wir ihnen durch Beratung, Brückenkurse und weitere Angebote ermöglichen, sich für ein Fernstudium fit zu machen.

Wie fügen sich die Überlegungen in den drei Entwicklungsfeldern zusammen?

Prof. Kubis: Indem wir zu einem gemeinsamen Verständnis darüber kommen, wie wir uns moderne Fernlehre an unserer Hochschule vorstellen. Das wird ein Prozess sein, der Diversität in unserer Lehre nicht ausschließen darf. Sicherlich wird er aber durch die Verständigung auf gewisse Standards zu Veränderungen führen. Wir haben ja immer schon Standards an der FernUniversität gehabt. Über Jahrzehnte war klar: Standard unserer Lehre ist der Studienbrief. Hinzu kamen etwa Einsendeaufgaben und das Angebot in den Regional- und Studienzentren. Wie das gemeinsame Grundverständnis heute aussieht – das muss man im Zuge der Digitalisierung mit ihren technischen Möglichkeiten immer wieder neu überlegen.

Diversität an der FernUni: Die FernUniversität hat sich 2015 erfolgreich beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft für das Diversität-Audits „Vielfalt gestalten“ beworben. Um den Umgang mit Vielfalt im Bereich Studium und Lehre zu professionalisieren, hat die FernUniversität ein Prorektorat für Studium und Diversität eingerichtet. Zudem hat sie sich in ihrem Hochschulentwicklungsplan 2020 Ziele und Maßnahmen im Bereich Studium und Lehre gesetzt. Weitere Information: www.fernuni-hagen.de/diversitaet/

Das Audit läuft noch bis Januar 2018. Wo liegen die Grenzen des Machbaren?

Prof. Kubis: Momentan sind wir noch in der Bestandsaufnahme und ordnen, wie bereits vorhandene Einzelmaßnahmen ein schlüssiges Gesamtkonzept ergeben. Im zweiten Schritt werden wir schauen, was in unserem Angebot noch fehlt. Da wir uns Grundfragen der Lehre vorgenommen haben, ist unser Vorhaben ehrgeizig. Die Lehre als Kernbereich der Universität ist ein Feld, in dem wir die Freiheit der Lehrenden schätzen. Es wäre vermessen anzunehmen, dass ein Maßnahmenbündel das Gesicht der Lehre bis Anfang 2018 verändern wird. Wir erhoffen uns aber, dass am Ende des Prozesses in den drei Entwicklungsfeldern konkrete Vorhaben feststehen. Weiterverfolgen sollten wir dann ausgewählte Maßnahmen mit Strahlkraft, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit. Deren Umsetzung wäre der wirkliche Dank an alle Beteiligten nach einem partizipativen Prozess des Nachdenkens und Überlegens.

Carolin Annemüller | 20.03.2017
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de