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Aktuelles - August 2017

Pioniere mit der Energie aus Sonne, Wind und Wasser

Ein dreirädriges Solarmobil, in dem ein Mann sitzt. Im Hintergrund steht eine Windkraftanlage.
Ein DDR-Motorrad als Basis: Mit dem Sunrunner II fuhr Wolfgang Köhler 1996 auf der Hansesolar mit - und siegte in dem Jahr nach drei Touren mit dem effizientesten Verbrauch. (Foto: Wolfgang Köhler)

Elegant und cool – so lassen sich die Elektroautos von heute charakterisieren. Was ihnen fehlt: Individualität und Pfiff. „Das haben dafür unsere Elektromobile gehabt“, lacht Wolfgang Köhler. Der Laboringenieur hat schon Anfang der 1990er Jahre im Lehrgebiet Elektrische Energietechnik an der FernUniversität in Hagen Fahrzeuge entwickelt, die mit E-Motoren und regenerativ erzeugtem Strom betrieben wurden. Echte Hingucker, die auf dem Rahmen eines dreirädrigen Fahrrads oder dem Chassis eines alten DDR-Motorrads basierten. Inzwischen ist die Akkutechnik überholt – und Wolfgang Köhler nach 37 Jahren an der FernUni in den Ruhestand gegangen.

„Wir waren da schon als Pioniere unterwegs“, erzählt der heute 66-Jährige. Mit der Energie aus Sonne, Wind und Wasser schickte er seine Mobile mehrere Male mit auf der „Tour de Ruhr“, einer der größten Veranstaltungen für Solarmobile in Europa. Auf verschiedenen Strecken im Ruhrgebiet machte die Tour in den 1990er Jahren mehrfach Zwischenstopp auf dem Campus der FernUni.

Weckruf durch GAU in Tschernobyl

Mit der häufig von außen belächelten Technik holte Köhler im Jahr 1996 auf dem selbstentwickelten „Sunrunner“ den Titel Deutscher Meister für den durchschnittlich effizientesten Energieverbrauch, mit Bleiakkus unter dem Sitz und asynchronem Motor.

Von Haus aus ist Wolfgang Köhler gelernter Elektromeister und hat außerdem an der damaligen Gesamthochschule Duisburg Leistungselektronik studiert. Er kam 1980 in den Bereich Bauelemente an die FernUniversität und wechselte im Januar 1986 zu dem frischberufenen Prof. Dr.-Ing. Detlev Hackstein. Als im April der Reaktor des Kernkraftwerkes im russischen Tschernobyl explodierte, war das so etwas wie ein Weckruf für Hacksteins Lehrgebiet Elektrische Energietechnik. „Wir haben die ersten Solarzellen gekauft und Leistungselektronik für Netzeinspeisesysteme entwickelt“, erzählt Köhler.

Köhlers Projekt war die regenerative Energietechnik mit Schwerpunkt Leistungselektronik für Antriebstechnik. Auf dem Dach des 1997 eingeweihten Philipp-Reis-Gebäudes (PRG) entstand eine große Solaranlage, eine kleine auf der Bushaltestelle an der FernUniversität. Dazwischen entwickelten sie eine Solartankstelle im Rücken des PRG und eine solarbetriebene Parkplatzschranke fürs Technologie- und Gründerzentrum (TGZ). Noch 2012 wurde eine kleine Windturbine auf dem PRG gebaut.

In der Lokalen Agenda 21 war Köhler regelmäßig Referent, auch privat engagierte er sich für „die Regenerativen“. Er baute sich eine Photovoltaikanlage aufs Hausdach und beteiligt sich an Windkraftanlagen.

Messen, schreiben, rechnen

Studierende der Elektrotechnik wiederum kennen Wolfgang Köhler aus den Laborpraktika. „An mir mussten alle wegen der geforderten Versuche vorbei für Messungen, Berechnungen und Protokolle.“ Inzwischen sind es nur noch wenige, der Studiengang läuft aus. Zusätzlich hat Köhler 12 Jahre Kommunikationselektroniker im Labor des Lehrgebietes ausgebildet.

Die Erinnerungen bleiben und sind festgehalten: die Erfahrungen von der „Tour de Ruhr“ etwa in Videos, an denen insbesondere Bärbel Schwarzelmüller aus dem ZMI mitarbeitete. Sie liefen als Lehrvideos im WDR. Außerdem schrieb Köhler mehrere Veröffentlichungen zum Thema und hielt Vorträge. Das Highlight war im Jahr 2001 auf einer der wichtigsten Veranstaltungen im Bereich elektrischer Antriebstechnologie: der „International Electric, Fuel Cell and Hybrid Vehicle Symposium and Exhibition“ in Berlin. „Das war schon was Besonderes“, erinnert er sich.

Wolfgang Köhlers Wünsche für die Zukunft sind, dass die bestehenden Photovoltaikanlagen an der FernUni weiter ausgebaut werden und dass viele Elektromobile auf dem Campus fahren.

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Anja Wetter | 30.08.2017
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