In Harvard anderen Blick auf Deutschland und Europa entwickelt

Prof. Annette Elisabeth Töller lebte im akademischen Jahr 2005/2006 in den USA. Ermöglicht wurde dies vom John F. Kennedy Memorial Fellowship, das vor 50 Jahren ins Leben gerufen wurde.


Gruppenfoto der Teilnehmenden an der Jubiläumsveranstaltung
Wiedersehen bei der Jubiläums-Konferenz: 30 der insgesamt 120 ehemaligen Fellows trafen sich am Center for European Studies, darunter FernUni-Professorin Elisabeth Töller. (Foto: David Elmes)

Gerne erinnert sich Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller an die Zeit zurück, als sie mit ihrer Familie im akademischen Jahr 2005/2006 in den USA lebte, um am Center for European Studies der Harvard University zu forschen und ihre Habilitationsschrift fertig zu schreiben. Ermöglicht hat ihr diese prägende Erfahrung das John F. Kennedy Memorial Fellowship. Das Programm wurde vor 50 Jahren ins Leben gerufen, das Jubiläum wurde jetzt in Cambridge (Massachusetts) gefeiert. Die Professorin an der FernUniversität in Hagen konnte sich im Rahmen des Gala-Dinners vor den geladenen Gästen beim Center for European Studies für die Durchführung des Programms bedanken und in einer heiter-besinnlichen Rede ihre Erinnerungen als Kennedy-Fellow Revue passieren lassen. Neben den hervorragenden Arbeitsbedingungen und den spannenden Kollegen hob die Leiterin des Hagener Lehrgebiets Politikfeldanalyse & Umweltpolitik hervor, dass sie am Center for European Studies einen anderen Blick auf Deutschland und Europa entwickeln konnte.

Aktuelle politische Fragen erörtert

Aus Anlass des Jubiläums kamen rund 30 der insgesamt 120 ehemaligen Fellows am 14. und 15. September zurück an den Center für European Studies, um sich gemeinsam mit den dortigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf einer Konferenz mit wichtigen aktuellen politischen Fragen, insbesondere Populismus und transatlantische Beziehungen, zu befassen. Bekannte Harvard-Professoren wie Peter A. Hall, Pippa Norris und Charles S. Maier sprachen hier ebenso wie der deutsche Botschafter in den USA, Peter Wittig. Wittig vermittelte einen Eindruck davon, wie die deutsche Diplomatie versucht, mit der Trump-Administration trotz schwieriger Bedingungen verlässlich zusammen zu arbeiten.

  • Wenige Monate nach seiner berühmten Berliner Rede wurde der amerikanische Präsident John F. Kennedy 1963 ermordet. Er war nicht nur ein großer Hoffnungsträger für die USA, sondern auch ein enger Freund Deutschlands. Das nach ihm benannte John F. Kennedy-Memorial Fellowship am Center for European Studies der Harvard University gehört zu den prestigeträchtigsten Programmen für den Wissenschaftleraustausch, die der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in Bonn verwaltet. 1967 war das Programm von den Harvard-Politikprofessoren Stanley Hofmann und Guido Goldmann mit Geldern der deutschen Regierung und von privaten Spendern gegründet worden. Goldmann, Sohn von Nahum Goldmann, der den Jüdischen Weltkongress gegründet und die Wiedergutmachung der Juden mit der Bundesrepublik Deutschland verhandelt hatte, war selber mit seiner Familie vor den Nazis in die USA geflohen. In den 1960er Jahren setzte er als junger Wissenschaftler alles daran, ein Austauschprogramm auf die Beine zu stellen, das deutsche Wissenschaftler aus den Bereichen Politik- und Geschichtswissenschaft, Soziologie und Ökonomie für zehn Monate an die renommierte amerikanische Hochschule bringen und so eine Brücke zwischen den USA und Deutschland bauen sollte. Zugleich sollte es so gelingen, die European Studies an der Harvard University auszubauen. Goldmann war erfolgreich, seit 1967 kommen jährlich bis zu drei Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftler an das Minda de Gunzburg Center for European Studies auf dem Harvard-Campus.

Gerd Dapprich | 21.09.2017