Geschlechtsidentitäten und Medien

Dr. Irina Gradinari ist seit September Junior-Professorin für literatur- und medienwissenschaftliche Genderforschung an der FernUniversität in Hagen.


Eine Frau im roten Kleid hält ihre Ernennungsurkunde in der Hand, die Rektorin gratuliert Foto: FernUniversität
Willkommen an der FernUni: Rektorin Prof. Ada Pellert (li.) gratuliert Dr. Irina Gradinari bei ihrer Ernennung zur Junior-Professorin für literatur- und medienwissenschaftliche Genderforschung.

Dr. Irina Gradinari blättert in ihrem Büro auf dem Campus durch die neueste Ausgabe der feministischen Zeitschrift Emma. „Herausgeberin Alice Schwarzer hat wieder mal versucht, die Genderforschung zu diffamieren“, sagt die 40-jährige Wissenschaftlerin. Seit September ist sie Junior-Professorin für literatur- und medienwissenschaftliche Genderforschung an der FernUniversität in Hagen. Die aktuelle Debatte über ihr akademisches Fach hat sie auch beim Aufbau eines Wahlmoduls für Gender Studies am Institut für Neure deutsche Literatur- und Medienwissenschaft stets im Blick.

Politische Relevanz sichtbar machen

Über den Sinn der Gender Studies, die sich mit der Rolle des Geschlechts in der Gesellschaft befassen, wird derzeit nicht nur in der Emma gestritten. Für Irina Gradinari sind die Anfeindungen eine gute Gelegenheit, um kritisch über blinde Flecken in der Forschung zu diskutieren. Zugleich will sie das wissenschaftliche Erkenntnispotenzial der Gender Studies und ihre politische Relevanz sichtbar machen.

Neben den aktuellen Entwicklungen in der Gender-Forschung, die sich zum Beispiel nun auch in Deutschland verstärkt mit Problemen des Rassismus auseinandersetzt, wird es in der FernUni-Lehre vor allem um Zusammenhänge zwischen Geschlechtsidentitäten und Medien gehen. „Ohne Medien sind identitäts- und sinnstiftende Prozesse nicht mehr zu denken“, betont Gradinari. Inhaltlich beschäftigt sich Gradinari etwa mit dem Themenkomplex Geschlecht und Gewalt, mit kollektiven Erinnerungen und Bildern der ‘Anderen‘ in der Populärliteratur.

Zum Promovieren nach Deutschland

„Ich wollte schon immer wissenschaftlich arbeiten“, sagt sie. Daran war während ihres Germanistik- und Slawistik-Studiums in der Millionenstadt Odessa in der Ukraine nicht zu denken. „Das ukrainische Hochschulsystem ging Ende der 1990er Jahre in die Knie“, erinnert sich Gradinari. In der Folge unterrichtete sie in einer Provinzstadt in Moldawien Deutsch und verfolgte ihre akademischen Ziele per Fernstudium weiter.

Um ihren Traum von einer wissenschaftlichen Karriere zu leben, ging sie zum Promovieren nach Deutschland. An der Universität Trier entdeckte sie mit den Gender Studies Neuland. Schnell fand sie als Studentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin mit „Gender und Gewalt“ eines ihrer großen Forschungsthemen. Nach ihrer Promotion zu „Genre, Gender und Lustmord. Mörderische Geschlechterfantasien in der deutschsprachigen Gegenwartsprosa“ führt sie in Hagen ihre Habilitation zum Einfluss von Kriegsfilmen auf europäische Erinnerungskulturen fort.

Tagungen auf dem FernUni-Campus

Parallel dazu setzt sich Irina Gradinari als Vorstandsmitglied der deutschen Fachgesellschaft Geschlechterstudien für die Verbesserung des gesellschaftlichen Renommees der Gender Studies in Deutschland ein. Die Vernetzung der Gender-Forschenden und das Sichtbarmachen ihrer wissenschaftlichen Leistung liegen ihr besonders am Herzen. 2019 wird sie daher die Jahrestagung der Fachgesellschaft in Hagen organisieren. Im Jahr zuvor ist zudem eine Fachtagung zum Thema „Genre and Race“ geplant.

Vor wenigen Wochen ist Irina Gradinari mit ihrer kleinen Familie nach Hagen gezogen, denn auf Präsenz vor Ort legt sie Wert. „Die Juniorprofessur an der FernUniversität ist die erste wissenschaftliche Stelle, in der ich über einen Zeitraum von mehreren Jahren etwas bewegen kann“, hat sie sich für die drei Jahre bis zur Zwischenevaluation viel vorgenommen. Danach ist eine Verlängerung um weitere drei Jahre möglich. Schon jetzt ist sie vom Konzept der Fernlehre begeistert. „Die Kombination aus Arbeiten und Studieren kenne ich aus eigener Erfahrung“, erinnert sie sich an ihre Studienzeit. „Überall auf dem Territorium der ehemaligen UdSSR ist das Konzept Fernstudium populärer als in Deutschland. Daran knüpfe ich nun an.“

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Carolin Annemüller | 17.11.2017