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Aktuelles - November 2017

Hagen als Zentrum für pädagogische Berufsgruppenforschung

Portrait einer Frau an der Zufahrt zum Campus
Prof. Julia Schütz leitet das Lehrgebiet Empirische Bildungsforschung an der FernUniversität. (Foto: FernUniversität)

Lebenslanges Lernen ist für Prof. Dr. Julia Schütz kein bildungspolitisches Schlagwort, sondern ein wissenschaftliches Konzept und eine pädagogische Aufgabe. Die 40-jährige Hamburgerin erforscht professionelles Handeln und das Lernen im Lebensverlauf. Seit dem Wintersemester leitet Julia Schütz das Lehrgebiet Empirische Bildungsforschung an der FernUniversität in Hagen.

Die Gründung eines Zentrums für pädagogische Berufsgruppenforschung an der FernUniversität will sie 2018 angehen. „Das Zentrum soll ein ideelles Dach für Forschung in diesem Bereich bieten“, sagt sie. Julia Schütz ist empirische Professionsforscherin aus Leidenschaft. Von der Diplomarbeit über ihre Promotion und Habilitation bis zu einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt: Die Mitbegründerin der komparativen pädagogischen Berufsgruppenforschung hat an ihren wissenschaftlichen Stationen in Hamburg, Frankfurt am Main und Lüneburg konsequent professionstheoretische Fragen verfolgt. „Warum tun pädagogische Akteurinnen und Akteure das, was sie tun, wie sie es tun?“, fasst sie die Forschungsfragen im Kern zusammen.

Pädagogische Berufsarbeit und soziale Anerkennung

Angefangen bei dem Erzieher im Kindergarten bis zur Professorin an der Universität: Was treibt die pädagogischen Akteurinnen und Akteure unterschiedlicher Berufsgruppen an, welche arbeitsbezogenen Einstellungen existieren? Mit pädagogischer Berufsarbeit und sozialer Anerkennung hat sich Julia Schütz in ihrer Habilitation befasst, die Anfang 2018 im Beltz-Verlag erscheint. Ein zentrales Ergebnis zum Anerkennungserleben besagt: Je mehr Frauen in einem Berufsfeld, desto weniger soziale Wertschätzung ist damit verbunden. „Der Erziehungs- und Bildungsbereich ist gewissermaßen weiblich“, so Schütz. „Die Anerkennungsarena innerhalb des direkten Arbeitsumfelds reicht vielen nicht aus. Es geht ihnen um mehr gesellschaftliche Wertschätzung.“

Auch über die Berufsgruppenforschung hinaus wird im Lehrgebiet Empirische Bildungsforschung zu spannenden Themen geforscht, gemeinsam mit Dr. Lena Rosenkranz (ebenfalls neu am Lehrgebiet) etwa zur Internetabhängigkeit von Frauen und Männern und dem Umgang der helfenden Profession damit. Darüber hinaus hat Julia Schütz einen Antrag bei der Robert-Bosch-Stiftung eingereicht, die den Deutschen Schulpreis vergibt. „Es geht darum zu erforschen, was gute Schule u.a. auszeichnet. Wir haben den Schwerpunkt auf Kooperationen gesetzt“, erklärt sie.

„Warum tun pädagogische Akteurinnen und Akteure das, was sie tun, wie sie es tun?“

Prof. Dr. Julia Schütz

Begeisterung für empirische Methoden

Parallel arbeitet Julia Schütz mit der Genderforscherin Dr. Melanie Kubandt (Universität Osnabrück) an einem Buchprojekt über empirische Forschungszugänge zu Geschlecht in der Erziehungswissenschaft. „Ich trete an der FernUniversität an, um Begeisterung für empirische Forschungsmethoden zu wecken, und das geht nur über Inhalte.“ Als Beispiel nennt sie die Diskussion über den Bildungserfolg in Abhängigkeit vom Elternhaus: „Diesen Diskurs führen wir nur, weil empirisch geforscht wurde.“

Die Lust am Forschen will sie unter ihren Studierenden verstärkt wecken. „Es wird mehr virtuelle Forschungswerkstätten geben“, kündigt Julia Schütz an. „Forschung ist immer auf Diskussion angelegt und findet nie im Alleingang statt.“ Darüber hinaus setzt Schütz neben der Überarbeitung der Studienbriefe auf weitere digitale Angebote in der Lehre. Anfang des neuen Jahrtausends setzte sie gemeinsam mit Dieter Nittel am Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt als eine der ersten eine Lernplattform ein. „Mediendidaktik und -pädagogik haben mich immer begleitet“, sagt sie. Zuletzt hat Julia Schütz an der privaten Medical School in Hamburg als Professorin für Soziale Arbeit junge Erwachsene unterrichtet. „Ich freue mich nun darauf, dass an der FernUni Studierende mit sehr unterschiedlichen Bildungsmotiven zusammen kommen.“

Digitalisierung, Diversität, Lebenslanges Lernen: Julia Schütz ist vor allem nach Hagen gekommen, weil diese Themen im neuen Forschungsschwerpunkt der FernUniversität ganz oben auf der wissenschaftlichen Agenda stehen. „Das sind die Dinge, die mich interessieren. Besser könnte das Umfeld für meine Forschung und Lehre nicht passen.“

Carolin Annemüller | 08.11.2017
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