Herbert Latz-Weber: der Studi-Sprecher

Herbert Latz-Weber im Interview über die Anfänge der Studierendenvertretung: „Wir waren eine kleine, aktive Gruppe, die sich nicht alles gefallen ließ. Man könnte es mit Asterix beschreiben, der sich in Köln aufmüpfig benahm.“ Foto: FernUniversität, Jakob Studnar

Biographisches

  • 1953 geboren in Köln
  • 1975–1981 Studium im Fach Wirtschafts­wissenschaft an der FernUniversität in Hagen
  • 1978 Wahl in das erste Studierenden­parlament
  • 1979–1981 erster AStA-Vorsitzender der FernUniversität in Hagen
  • seit 1994 freiberuflich als Wirtschaftsredakteur tätig

Als Student der ersten Stunde nahm Herbert Latz-Weber im Oktober 1975 sein Wirtschaftsstudium an der FernUniversität in Hagen auf. „Ich bin wie die Jungfrau zum Kinde über die Zentralstelle für die Studienplatzvergabe (ZVS) an die FernUni gekommen“, erinnert er sich. „Da ich ein neugieriger Mensch war, habe ich gedacht: Probier‘s aus. Und dann haben wir sehr schnell angefangen aktiv zu werden.“ Von Anfang engagierte sich der gebürtige Kölner für die Interessen der Studierenden. Zunächst als Sprecher im Studienzentrum Köln, dann in der Fachschaft Wirtschaftswissenschaft und im Senat. 1978 wurde Herbert Latz-Weber in das erste Studierendenparlament gewählt und aus dessen Mitte 1979 zum AStA-Vorsitzenden. „Ich wollte etwas bewegen, weil am Anfang nicht alles rund lief“, erklärt er seine Motivation. Zentrale Probleme der Studierenden waren zum Beispiel der fehlende Austausch untereinander und die fehlende Anleitung durch Lehrende, um insbesondere die Studienbriefe effektiv bearbeiten zu können. „Wir brauchten Mentoriate. Wir brauchten längere Öffnungszeiten im Studienzentrum. Wir brauchten eine ständige Ansprechperson vor Ort. Es waren die kleinen Dinge, die uns am Anfang bewegt haben“, sagt Herbert Latz-Weber.

Internationales Netzwerk

Das Team um Herbert Latz-Weber erarbeitete Petitionen, organisierte Versammlungen in den Studienzentren und trieb den institutionellen Aufbau der verfassten Studentenschaft voran. Nicht nur deutschlandweit, sondern auch international vernetzten sich die Studierenden, etwa bei Besuchen der Open University in England.

Zentrales Thema war für Herbert Latz-Weber der Einsatz für eine Öffnung der Hochschule für Studierende ohne allgemeine Hochschulreife. Hier arbeitete er an einem entsprechenden Regierungsentwurf für den NRW-Landtag mit. „Wir haben ganz klar die Position vertreten, dass wir die Öffnung der Hochschule wollten. Und das war eigentlich auch von der Konzeption der FernUniversität her so angelegt“, blickt Latz-Weber auf heftige Auseinandersetzungen zum Thema Öffnung zurück.

Kurz nach seiner Wiederwahl als AStA-Vorsitzender erfolgte 1981 der Bruch mit der FernUniversität. Ausschlaggebend dafür waren neben einer nicht bestandenen Klausur auch private Gründe. Herbert Latz-Weber brach sein Fernstudium ab und legte seine Funktionen in der Studentenvertretung nieder, um letztlich zwei Jahre später an der FH Köln seinen Abschluss zu machen.

„Extrem viel gelernt fürs Leben“

Seine Erfahrungen an der Hagener Hochschule kommen ihm bis heute zugute. „Ich habe in den sechs Jahren an der FernUniversität extrem viel gelernt fürs Leben. Das hat mich geprägt.“

Zum Beispiel wirkte sich die Herausgabe und Mitarbeit an der Zeitschrift FernUni-Express auf seine spätere Berufswahl aus. Herbert Latz-Weber schlug nach seinem Wirtschaftsstudium den Weg in den Journalismus ein und arbeitet seit 1994 freiberuflich als Wirtschaftsredakteur.

Über das Projekt „Zeugen der Zeit“

Interviews und Redaktion:
Dr. Almut Leh (Institut für Geschichte und Biographie)

Produktion:
Jennifer Dahlke, Alexander Reinshagen, Sascha Senicer (Zentrum für Medien und IT)

Texte:
Carolin Annemüller, Susanne Bossemeyer, Gerd Dapprich, Anja Wetter, Multimediale Umsetzung: Oliver Baentsch, Maren Volkmann (Dezernat 7 Hochschulstrategie und Kommunikation)

Fotos:
Jakob Studnar, Stefanie Loos, Archiv der FernUniversität

Plakate:
Gabriele Gruchot (Dez. 5 Technische Medienadministration)