Frank Baumann

FernUni-Absolvent arbeitet als Entwicklungshelfer im Kosovo

Frank Baumann ist ein Mann der Tat. Mit 56 Jahren hat er seinen ersten Uniabschluss gemacht: den Bachelor in Politik und Verwaltungswissenschaft an der FernUniversität in Hagen. Sechs Jahre hat Baumann hier studiert, zusätzlich zu seinem Beruf als Werkstattmeister im Bereich Technik und Physik an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd.

Illustration Portrait Frank Baumann
Frank Baumann

Mit 57 Jahren ist Baumann Ende 2013 als Entwicklungshelfer über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in den Kosovo geflogen. Das FernUni-Studium hat ihn motiviert, sich für den Einsatz im Ausland zu bewerben. „Ich habe Interesse an politischen Zusammenhängen. Das Studium hat meinen Blick auf interkulturelle und regierungsübergreifende Zusammenhänge geschärft. Wir haben viel über Entscheidungsprozesse in Organisationen wie Staaten, Verwaltungen, Parteien, Verbänden oder Unternehmen gelernt.“

Ausbilder für die Ausbildung

Im Kosovo ermittelt Baumann den Bedarf der Betriebe an beruflicher Weiterbildung und entwickelt Ausbildungsprogramme. Ausgangspunkt ist für Frank Baumann die kosovarische Kammer für Wirtschaft (IHK). Eine derartige Verbandsstruktur gibt es immerhin, ansonsten liegt die Wirtschaft insgesamt noch brach, die Arbeitslosigkeit vor allem unter Jugendlichen ist mit 40 Prozent hoch. Ein duales Ausbildungssystem wie in Deutschland fehlt. „Es ist eher Training on the Job”, hat Baumann schon festgestellt. Von seiner Stelle in Schwäbisch-Gmünd ist er für die Zeit im Kosovo beurlaubt.

Der Dienst als Entwicklungshelfer passt nahezu perfekt: Frank Baumann ist als Tischler-Meister qualifiziert, darüber hinaus ist er Betriebswirt und Politikwissenschaftler. Außerdem hat er in der beruflichen Bildung gearbeitet.

Die Republik Kosovo ist seit 2008 der jüngste eigenständige Staat Europas. Nach vielen Jahren Bürgerkrieg und ethnischer Konflikte hat ein Transformationsprozess für die rund 1,9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner begonnen: Das Land entwickelt sich politisch und ökonomisch von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft. Die GIZ bemüht sich, die Infrastruktur in den Bereichen Wirtschaft, Energie und Bildung nachhaltig mit aufzubauen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Berufsbildung.

Illustration Ein symbolisches Bild für religiöse Toleranz: In Ferizaj, der drittgrößten Stadt des Kosovo, stehen die Moschee Mulla Veseli und die Kirche Heiliger Uros in unmittelbarer Nachbarschaft.
Ein symbolisches Bild für religiöse Toleranz: In Ferizaj, der drittgrößten Stadt des Kosovo, stehen die Moschee Mulla Veseli und die Kirche Heiliger Uros in unmittelbarer Nachbarschaft. (Foto: Frank Baumann)

An seiner Seite hat Frank Baumann einen einheimischen Partner, der auch als Dolmetscher hilft. „Die Entwicklungszusammenarbeit hat sich extrem gewandelt. Heute geht man als internationaler Berater ins Land. Man implementiert Programme und Ideen“, berichtet Baumann. „Hier schulen wir vor allem die Leute vor Ort. Damit sich das Land von innen heraus entwickeln kann.“

Die theoretische Grundlage dafür hat Baumann sich im FernUni-Studiengang Politik und Verwaltungswissenschaft erarbeitet, dem Vorläufer des heutigen Bachelorstudiums Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft, Soziologie. Vor seinem Reiseantritt hat der 57-Jährige begonnen, Albanisch zu lernen. „Das ist eine Herausforderung“, sagt er. Durch und durch Fernstudent schiebt er nach: „Das ganze Leben ist eben Lernen.“

Mitstudierende motivieren

Frank Baumann sieht es als ungeheure Chance, in Teilzeit neben dem Beruf studieren zu können. Bei aller Eigenständigkeit waren ihm die Kontakte zu anderen Studierenden dennoch wichtig. „Die Präsenzseminare sind nicht mit Gold aufzuwiegen. E-Learning ist prima, aber der Computer motiviert mich nicht. Das haben meine Mitstudierenden übernommen, die ich im Studienzentrum in Schwäbisch Gmünd getroffen habe“, ergänzt er. Der persönliche Kontakt gibt Stabilität und „ein gutes Gefühl zueinander“. Sein Alter? Kein Thema. „Ich fand es spannend, mit Jüngeren zusammen zu sein, die alle einen unterschiedlichen beruflichen und eventuell ethnischen Hintergrund haben. Die Mischung macht’s!“

Ob er noch seinen Master aufsattelt, will Baumann sich überlegen. Nach seinem Bachelorabschluss im Jahr 2012 war er zunächst für Governance eingeschrieben. „Aber mir hat der Praxisbezug gefehlt“, sagt er. Deshalb legt er erst mal eine Pause ein – zugunsten des praktischen Einsatzes als Entwicklungshelfer.


Stand: Januar 2014