Virtuelle Teams

Ansprechpartner: Birgit Großer

Die Digitalisierung als sozio-technisches Phänomen steht im wechselseitigen Zusammenspiel damit, wie Menschen leben. Die Art und Weise, wie Menschen sozialisiert sind und sich entscheiden, zu leben, wirkt sich auf die Entwicklung neuer technologischer Lösungen sowie technologischer Innovationen aus, die wiederum neue Lebensweisen ermöglichen. Dies beinhaltet auch, wie und mit welchen Mitteln Menschen arbeiten. Megatrends, wie Globalisierung, Urbanisierung, Nachhaltigkeit und Flexibilisierung, fördern diese Entwicklung. Unternehmen, die virtuelle Teamarbeit durch Teams, die auf der ganzen Welt verteilt arbeiten verwirklichen, sind eine der vielen Manifestationen dieser Entwicklung in der Gesellschaft und der Organisationsgestaltung. Diese Entwicklungen zeigen sich nicht nur in der Gestaltung von Arbeit, sondern bedeuten eine steigende Virtualisierung vieler Lebensbereiche. Soziale Interaktion findet zunehmend durch privaten Austausch über virtuelle Plattformen statt. Einkäufe, Veranstaltungsplanungen und Bankgeschäfte sind außerdem Beispiele für alltäglich Aufgaben, für die virtuelle Lösungen bereits etabliert sind. Unternehmen nutzen virtuelle Teamarbeit, um qualifiziertes Personal zu finden und zu binden und, um Kosten, wie beispielsweise für Immobilien und Reisen, zu sparen.

Die zwei Tendenzen, dass Technologien für virtuell umsetzbare Aufgaben nachgefragt und genutzt werden und, dass jene Technologien entsprechend neu- und weiterentwickelt werden, können als miteinander verzahnt betrachtet werden. Das Nutzungsverhalten beeinflusst die Entwicklung der Technologien, deren Entwicklung wiederum bedingt das Nutzungsverhalten und erzeugt neue Bedarfe.

Der hier vorgestellte Forschungsschwerpunkt fokussiert die organisationale Seite der vorgestellten Bereiche, insbesondere die Virtualisierung von Arbeitsprozessen in Unternehmen. Hierfür werden sowohl traditionelle Unternehmen betrachtet, die z.B. im Zuge von Digitalisierungsvorhaben verstärkt auf virtuelle Teamarbeit setzen, als auch junge Unternehmen, die ab Gründung einen hohen Virtualisierungsgrad aufweisen.

Ein wissenschaftlicher Konsens, wie virtuelle Teams definiert werden und der Virtualisierungsgrad von Teams und gar Unternehmen gemessen werden kann, muss erst noch hergestellt werden (Hosseini, et al. 2015). (Schweitzer und Duxbury 2010) extrahieren aus vorliegenden Forschungsergebnissen zwei Faktoren, die Virtualität in Teams konstituieren. Diese Faktoren sind die Asynchronität der Teamarbeit und die geografische Verteilung. Beide Faktoren erzeugen bereits bei singulärem Auftreten Virtualität in der Teamarbeit. Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie weist bei dieser Definition die oben genannten Abhängigkeiten auf. Erst die Verfügbarkeit unterstützender Technologien ermöglicht Virtualität, die Nutzung der Technologien wiederum resultiert aus der gewählten Arbeitsweise.

Verschiedene Aspekte, wie und warum virtuelle Teams erfolgreich arbeiten, werden in der wissenschaftlichen Literatur behandelt. Erkenntnisse werden z.B. für folgende eng gefasste Themen angeboten: “identification [developmen] in hybrid and pure virtual settings” (Fiol und O'Connor 2005) und “how communication with Millennials will affect organizations” (Myers und Sadaghiani 2010). Im Forschungsprojekt des Lehrstuhls werden Erkenntnisse für eine ganzheitliche Sicht auf Organisationsstrukturen von Unternehmen erarbeitet, die virtuelle Teams einsetzen oder den Einsatz planen. Das Forschungsziel besteht darin, ein generisches Organisationsmuster mit entsprechenden Einflussfaktoren und Abhängigkeiten zu präsentieren. Dies kann verwendet werden, um den Wandel für neue und für weniger virtualisierte Unternehmen zu planen. Außerdem bietet es Anknüpfungspunkte für tiefergehende Forschung der Teilbereiche.

Das Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Informationsmanagement (B*IMA) an der FernUniversität in Hagen adressiert die Fragestellung, wie sich virtuelle Teamarbeit auf die Arbeitsprozesse und –ergebnisse auswirkt und welche Faktoren von Teamarbeit hierbei eine Rolle spielen. Basierend auf den untersuchten Zusammenhängen werden Konzepte entwickelt, die als Orientierung zur Virtualisierung von Teamarbeit dienen.

Literaturverzeichnis

  • Baumöl, Ulrike, und Reinhard Jung. „Rekursive Transformation: Entwicklung der Business Engineering-Landkarte.“ Wirtschaftsinformatik in Wissenschaft und Praxis: Festschrift für Hubert Österle. Heidelberg: Springer: hg. von Walter Brenner und Thomas Hess, 2014. 41-49.
  • Fiol, C. Marlene, und Edward J. O'Connor. „Identification in Face-to-Face, Hybrid, and Pure Virtual Teams: Untangling the Contradictions.“ Organization Science, 2005: 19-32.
  • Hosseini, M. Reza, Jian Zuo, Nicholas Chileshe, und Bassam Baroudi. „Evaluating virtuality in teams: a conceptual model.“ Technology Analysis & Strategic Management, 2015: 385-404.
  • Myers, Karen K., und Kamyab Sadaghiani. „Millenials in the Workplace: A Communication Perspective on Millenials' Organizational Relationships an Performance.“ Journal of Business and Psychology, 2010: 225-238.
  • Schweitzer, Linda, und Linda Duxbury. „Conceptualizing and measuring the virtuality of teams.“ Information Systems Journal, 2010: 267-295.
Tim-Phillip Buchelt | 21.09.2018