Social Entrepreneurship on Campus: Kompetenzen und Skills für die Sozialwirtschaft
Foto: FernUniversität
Die Digitalisierung eröffnet neue Wege, gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen durch innovative Geschäftsmodelle anzugehen. Social Entrepreneurship stellt dabei eine wichtige Antwort auf drängende Fragen unserer Zeit dar: Im Fokus stehen nicht primär Gewinnmaximierung, sondern die Schaffung gesellschaftlichen Mehrwerts und nachhaltiger Wirkung.
Digitale Technologien spielen hierbei eine zentrale Rolle. Von Plattformlösungen für soziale Dienstleistungen über KI-gestützte Bedarfsanalysen bis hin zu datengetriebenen Ansätzen für nachhaltigen Konsum und Kreislaufwirtschaft – die Digitalisierung ermöglicht es, sozialwirtschaftliche Geschäftsmodelle neu zu denken, zu skalieren und wirkungsvoller zu gestalten. Damit entsteht ein spannendes Tätigkeitsfeld für digitale Entrepreneure, die technologische Kompetenz mit sozialer Verantwortung verbinden.
Unter dem Motto „Digitale Kompetenzen und Skills für die Sozialwirtschaft“ kamen im Rahmen der Veranstaltung Social Entrepreneurship on Campus in Berlin Studierende, Sozialunternehmer:innen und Expert:innen aus der Gründungsszene zusammen. Die Veranstaltung bildete zugleich den erfolgreichen Abschluss des Seminars „Angewandtes Digitales Entrepreneurship in der Sozialwirtschaft“ und bot eine Plattform für Austausch, Vernetzung und Inspiration.
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16:30 Uhr Einlass
17:00 Uhr Einführung
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Begrüßung durch Prof. Dr. Winkler, FernUniversität in Hagen
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Impuls 1: Constantin Schmutzler (Startups for Tomorrow)
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Impuls 2: Kai Malkwitz (Founder Institute Berlin)
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Impuls 3: Sebastian Stukenkemper (Startup Center FeU)
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Pitchrunde Startups
17:45 Uhr Marketplace: Students meet Startups
Gründerteams aus Berlin und studentische Innovationsteams FeU
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Vorstellung innovativer Ideen für die Sozialwirtschaft
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6 Gründerteams aus Berlin
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6 Studentische Innovationsteams FeU
18:30 Uhr Abschlusspanel: Digitale Kompetenzen und Skills für die Sozialwirtschaft
Panelisten:
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Constantin Schmutzler (Startups for Tomorrow)
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Snezana Schürmann (BetterKind)
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Aylin Shakibi (City-Flock)
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Jens Lund (ContextML)
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Rebecca-Paulina Prausner (Lobby for Impact)
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Sebastian Stukenkemper (Startup Center FeU)
Moderation: Prof. Dr. Winkler, FernUniversität in Hagen
19:15 Uhr Netzwerken und Socializing
Ausklang mit Möglichkeit zum Netzwerken
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Mitschnitte der Veranstaltung
Begrüßung durch Prof. Dr. Till Winkler
Prof. Dr. Till Winkler eröffnet die Veranstaltung Social Entrepreneurship on Campus und führt in die Grundlagen und Bedeutung von Social Entrepreneurship ein. Er ordnet soziales Unternehmertum als Prozess zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen ein und stellt dessen Rolle bei der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen heraus. Zudem gibt er einen Überblick über unterschiedliche Formen sozialunternehmerischer Geschäftsmodelle und skizziert typische Entwicklungs- und Wachstumsphasen von Sozialunternehmen als Grundlage für die folgenden Impulsvorträge.
Impulsvortrag: Constantin Schmutzler - Impact, Markenbildung und Krisenfestigkeit
Constantin Schmutzler, Manager des Impact-Vereins Startups for Tomorrow, spricht darüber, warum Nachhaltigkeit allein kein tragfähiges Geschäftsmodell ist. Anhand von Beispielen aus der Startup-Praxis zeigt er, wie Impact-Unternehmen ihre Kommunikation und Marken weiterentwickeln müssen, um auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erfolgreich zu bleiben. Im Fokus stehen die Bedeutung eines starken Produkts, einer klaren Marke und einer engagierten Community als Grundlage für langfristige Wirkung und wirtschaftliche Stabilität.
Impulsvortrag: Kai Malkwitz - Von der Idee zur wirksamen Umsetzung
Kai Malkwitz knüpft an die Einführung zum Social Entrepreneurship an und zeigt, wie aus Wissen und guten Ideen tatsächlicher Impact entsteht. Er betont Unternehmertum als erlernbare Disziplin und macht deutlich, dass die größte Herausforderung weniger in den Rahmenbedingungen als in der Umsetzung liegt. Im Fokus stehen Entscheidungsfähigkeit, konsequenter Fokus und der Aufbau starker Ökosysteme. Anhand seiner Arbeit beim Founders Institute erläutert er, wie strukturierte Programme, Vernetzung und praxisnahe Unterstützung Gründer:innen dabei helfen, wirkungsorientierte Unternehmen aufzubauen, zu beschleunigen und zu skalieren.
Impulsvortrag: Sebastian Stukenkemper - Aufbau und Rolle des Startup Centers der FernUniversität
Sebastian Stuckenkämper stellt das neu gegründete Startup Center der FernUniversität in Hagen vor, das seit Januar 2026 im Aufbau ist. Er erläutert Zielsetzung, Angebote und Schwerpunktfelder des Centers, das Studierende, Alumni und Mitarbeitende bei der Entwicklung und Umsetzung von Gründungsideen unterstützt. Im Fokus stehen persönliche Beratung, Coaching, moderne digitale Infrastruktur sowie der Aufbau starker Netzwerke – mit einem besonderen Schwerpunkt auf digitalen Innovationen, Digital Health, Bildungstechnologien, Extended Reality (XR) und nachhaltigen Geschäftsmodellen.
Pitch der Startups und studentischen Teams
In einer gemeinsamen Pitchrunde präsentieren Startups und studentische Innovationsteams der FernUniversität ihre Gründungsideen. Vorgestellt werden digitale und wirkungsorientierte Lösungen aus den Bereichen Pflege, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Bildung, soziale Teilhabe und kommunale Innovation. Die Pitches reichen von Plattformen für Pflegeorganisation, Demenz- und Diabetesunterstützung über Lebensmittel- und CO₂-Reduktion bis hin zu Ehrenamts-Matching, sicherem Heimweg, politischer Teilhabe und frühkindlicher Leseförderung. Die Runde zeigt eindrucksvoll die Vielfalt und den gesellschaftlichen Impact der unternehmerischen Ideen.
Panelgespräch: Kompetenzen für Impact-Gründungen
Im Abschluss-Panel diskutieren Gründer:innen und Expert:innen die Frage, welche Kompetenzen für erfolgreiche Impact-Gründungen entscheidend sind und wie Hochschulen und andere Akteure diese gezielt fördern können. Moderiert wird das Gespräch von Prof. Dr. Till Winkler.
Constantin Schmutzler (Startups for Tomorrow) identifiziert drei zentrale Eigenschaften erfolgreicher Gründer:innen: Resilienz im Umgang mit Rückschlägen, Neugier für kontinuierliche Weiterentwicklung und Bodenständigkeit trotz Erfolg. Er betont, dass Gründer:innen vor allem drei Dinge benötigen: Geld, Erfahrung und Netzwerke. Schmutzler weist darauf hin, dass das Startup-Ökosystem zwar gut ausgebaut ist, es aber an einer zentralen Anlaufstelle fehlt, die alle verfügbaren Angebote bündelt und regional wie überregional Orientierung bietet.
Snezana Schürmann (BetterKInd) sieht im sozialen Sektor und insbesondere im Bereich Pflege und Digitalisierung enormes Innovationspotenzial. Sie unterstreicht, dass interdisziplinäre Räume zum Experimentieren und zur Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche essentiell sind, um neue Ideen erfolgreich zu entwickeln und in die Praxis zu überführen.
Aylin Shakibi (CityFlock) berichtet aus ihrer Perspektive als Studentin, die sich zur Gründerin entwickelt. Während die Universität theoretische Grundlagen vermittelt und Neugier weckt, entsteht Resilienz vor allem durch die praktische Gründungserfahrung selbst. Sie hebt die Bedeutung finanzieller Förderung hervor und wünscht sich von Hochschulen mehr Safe Spaces für die Weiterentwicklung von Geschäftsideen sowie besseren Zugang zu Netzwerken und Mentoring.
Jens Lund (ContextML) bringt seine Erfahrung als Unternehmensberater ein und betont, wie wichtig das Verständnis für große Organisationen ist – von Budgetzyklen bis zu Entscheidungsprozessen. Für digitale Gesundheitsanwendungen sind neben fachlicher Expertise vor allem kontinuierliche Weiterbildung und die Fähigkeit zur flexiblen Anpassung entscheidend. Lund verweist darauf, dass Gründer:innen heute hands-on mit der Technologie arbeiten und Prototypen selbst entwickeln können müssen.
Rebecca-Paulina Prausner (Lobby for Impact) macht deutlich, dass im gemeinnützigen Bereich, besonders wenn es um Grund- und Menschenrechte geht, eine tiefe innere Überzeugung und Problemverständnis die wichtigsten Antriebskräfte sind. Klassische Business Cases funktionieren hier oft nicht, weshalb kreative Lösungsansätze und Kooperationen mit der Wirtschaft notwendig werden. Sie fordert mehr Sichtbarkeit und Unterstützung für den Non-Profit-Bereich, der häufig durchs Raster fällt.
Dr. Mika Pflüger (Climate Resource) erläutert den Unterschied zwischen wissenschaftlicher Software – der sogenannten "PhD-ware" – und marktreifen Produkten. Während wissenschaftliche Software für spezifische Anwendungsfälle entwickelt wird, müssen kommerzielle Produkte nutzerfreundlich, robust gegenüber Fehlern und für Menschen mit begrenzter Einarbeitungszeit zugänglich sein. Dies erfordert die Zusammenarbeit mit Designer:innen und eine grundlegend andere Herangehensweise.
Sebastian Stukenkemper (Startup Center FernUniversität) ergänzt Mut als zentrale Gründungskompetenz und skizziert die Rolle von Hochschulen: Sie können Rahmenbedingungen gestalten, Infrastruktur bereitstellen, mit Methoden und persönlicher Erfahrung unterstützen sowie Wissensangebote schaffen. Das eigentliche Machen, Experimentieren und Umsetzen muss jedoch von den Gründer:innen selbst kommen. Er weist darauf hin, dass Studierende der FernUniversität durch die Bewältigung von Studium, Beruf und Familie bereits erhebliche Resilienz unter Beweis stellen.
Die Diskussion macht deutlich: Erfolgreiche Impact-Gründungen erfordern ein Zusammenspiel verschiedener Kompetenzen – von Resilienz und Mut über Problemverständnis und digitale Skills bis hin zu Netzwerkkompetenz. Hochschulen können durch gezielte Förderung, Bereitstellung von Experimentierräumen und Vernetzungsangeboten eine wichtige Katalysatorfunktion übernehmen, während Politik und weitere Stakeholder das Ökosystem durch finanzielle Unterstützung und bessere Strukturen stärken sollten.
Mit freundlicher Unterstützung von:
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