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Neuerscheinung von Isabelle Sarther: "Ausstellungsraum Social Media: Museale Praxis zwischen algorithmisierten Aufmerksamkeitsökonomien und TikTok-Trends"

[25.03.2026]

Der Aufsatz von Isabelle Sarther ist kürzlich in der kunstsoziologischen Zeitschrift "Artis Observatio" erschienen und verknüpft das Konzept der Aufmerksamkeit in Sozialen Medien mit Donna Haraways Idee der Diffraktion auf neue Weise.


»Very considerate, very demure«, mit dieser Phrase betitelten zahlreiche User:innen im August 2024 ihre Kurzvideos auf TikTok, als der Trend #demure auf der Kurzvideoplattform viral geht. Teil dieser plattformspezifischen Dynamiken: Museen, die sich seit den coronabedingten Schließungen zunehmend an viralen Ästhetiken und Plattformlogiken orientieren.

Ausgehend von diesem Trend untersucht der vorliegende Beitrag anhand empirischer Beispiele, wie museale Institutionen TikTok als Ausstellungsraum nutzen, um Aufmerksamkeit für ihre Inhalte zu generieren und sich in die viralen Trendlogiken der Plattform einzuschreiben. Aufbauend auf medien- sowie sozialtheoretischen Aushandlungen zur Plattformisierung von Museen zielt die vorliegende Auseinandersetzung auf eine diffraktive Perspektivierung des Konzepts der ›Aufmerksamkeit‹ im Kontext Social Media. Ausgehend von dem Begriff der ›Zerstreuung‹ als vermeintlichem Gegensatz zu Aufmerksamkeit, wird das Konzept der Diffraktion der feministischen Wissenschaftstheoretikerin Donna J. Haraway produktiv gemacht und als analytische Linse genutzt, um die komplexen Konfigurationen und Verschränkungen von Aufmerksamkeit im Kontext digitaler Plattformen wie TikTok sichtbar zu machen.

Die empirischen Beispiele zeigen auf, wie Aufmerksamkeit nicht als Größe in Erscheinung tritt, die in direktem Gegensatz zu bestimmten anderen Phänomenen steht, sondern als relationales, höchst dynamisches und durch ökonomische, politische, ästhetische und technologische Dimensionen hindurch erzeugtes Phänomen. Dabei eröffnet die Analyse neue Perspektiven auf die Plattformisierung musealer Öffentlichkeiten und leistet zugleich einen innovativen Beitrag zur soziologischen Theoretisierung von Aufmerksamkeit im Kontext kultureller Praxis und Sozialer Medien.

Hier gehts zum Artikel: https://www.biejournals.de/index.php/ao/article/view/8726

Isabelle Sarther | 25.03.2026