Kolloquium

Thema:
Vom Scheitern zum "Zweiten Freiheitskampf". Die Revolution von 1848/49 und der Amerikanische Bürgerkrieg. Die transatlantische Geschichte der "Forty-Eighters".
Referent/-in:
Jürgen Dick, Bruchsal
Adresse:
FernUniversität, Universitätsstraße 33, Gebäude 2, Raum 6
Sofern Sie an einer TN per Zoom interessiert sind, wenden Sie sich bitte an karin.gockel@fernuni-hagen.de
Termin:
14.04.2026 18:00 Uhr

„Forty-Eighters“ wurden in den Vereinigten Staaten in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Einwanderer aus den deutschsprachigen Territorien genannt, die ihr Heimatland aufgrund ihrer Teilnahme an der Revolution von 1848/49 verlassen mussten.

In dem Lebensweg des badischen Revolutionärs und Offiziers Franz Sigel (1824-1902) verdichtet sich eines der zentralen Charakteristika der transatlantischen Geschichte des 19. Jahrhunderts, der gewaltsam ausgetragene Widerstreit zwischen dem Aufbruch demokratischer Kräfte und dem Beharrungsvermögen der alten Eliten. Zum einen schloss er sich aus demokratischer Überzeugung der Revolution der Jahre 1848/49 an. Zum anderen kämpfte er nach deren Scheitern und seinem erzwungenen Exil auf Seiten der Nordstaaten im Amerikanischen Bürgerkrieg.

Nachdem die Durchsetzung ihrer demokratisch-republikanischen Ideale in Deutschland gescheitert war, hegten die Achtundvierziger die Hoffnung, ihre politischen Ziele in Amerika verwirklichen zu können. Als 1861 der Amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, war er für Sigel und die anderen Revolutionsflüchtlinge von vorneherein nicht nur ein Kampf zwischen Nord und Süd um den Erhalt der Union. Für sie war er der „Zweite Freiheitskampf“, eine erneute revolutionäre Auseinandersetzung mit dem Eintreten für Menschenrechte, Freiheit und Demokratie. Das auf extreme soziale Ungleichheit aufbauende politische System des Südens, dessen Wirtschaft auf der Ausbeutung von afrikanischen Sklaven durch eine dominierende Pflanzeraristokratie beruhte, stand im krassen Gegensatz zu den Grundsätzen der amerikanischen Verfassung. Insofern ging es vor allem um die Frage, ob eine nach dem Prinzip der Volkssouveränität verfasste Nation Elemente feudaler Herrschaftsstrukturen innerhalb ihrer Grenzen oder gar in einem südlichen Nachbarstaat tolerieren konnte.

Gleichzeitig waren die Einwanderer vor die Aufgabe gestellt, die nicht immer reibungsfreie Integration in die amerikanische Mehrheitsgesellschaft zu bewältigen.

Am Beispiel Sigels kann nachgezeichnet werden, wie sich durch diese grenzüberschreitenden transatlantischen Verflechtungen der Wandel vom Achtundvierziger zum „Forty-Eighter“ vollzogen hat.

Karin Gockel | 02.02.2026