Promotionsprojekt
Kraft, Gerd Rudolf: Johann Christoph Becmann (1641-1717): Ein Universitätsgelehrter in Brandenburg zwischen Konfessionellem Zeitalter und Frühaufklärung
- Projektleitung:
- Felicitas Schmieder
- Mitarbeitende:
- Gerd Rudolf Kraft
- Status:
- laufend
Johann Christoph Becmann (1641-1717):
Ein Universitätsgelehrter in Brandenburg zwischen Konfessionellem Zeitalter und Frühaufklärung
Die Dissertation soll einen Beitrag zu den frühaufklärerischen Spuren in der Wissensproduktion der „Gelehrtenrepublik“ um 1700 liefern. Gegenstand der Arbeit ist die Erstellung einer intellektuellen Biographie von Johann Christoph Becmann (1641–1717).
Becmann wuchs in einem calvinistischen Elternhaus auf. Nach einem ersten Studium an der reformiert ausgerichteten Universität Viadrina in Frankfurt/O. und einem anschließenden Auslandsstudium in England und den Niederlanden wurde er Professor an der Viadrina, zunächst für Griechisch. Nach seiner Promotion in Theologie 1672 lehrte er Geschichte und Politik. In seinen insgesamt fünfzig Jahren an der Universität zeichnete er für zahlreiche Schriften zu Themen dieser Fachgebiete verantwortlich.
Becmann war ein typischer Universalgelehrter des 17. Jahrhunderts. Er griff die ideengeschichtlichen Strömungen seiner Zeit auf, kommentierte sie und trug damit zur intellektuellen Einordnung und Bewertung der gesellschaftspolitischen und philosophisch-theologischen Diskurse bei. In Fragen zu Grundlagen und Anwendungen des Naturrechts orientierte sich Becmann an Grotius und vor allem an Hobbes – politisch eine durchaus riskante Positionierung. Für den kurfürstlichen Hof in Brandenburg spielte er eine tragende Rolle bei der Ausbildung der Verwaltungselite. In diesem kulturell ambitionierten Umfeld analysierte er aktuelle politisch-strategische und moralphilosophische Themen. Obgleich ein entschiedener Unterstützer der Monarchie setzte er sich eigenständig mit dem Gedankengut der Frühaufklärung auseinander.
Ziel der Arbeit ist es, Johann Christoph Becmann in den geistigen und politischen Strömungen seiner Zeit zu verankern und dies aus verschiedenen Perspektiven – sozialhistorisch und wissensgeschichtlich – anhand seiner Schriften zu beleuchten. Becmanns Werk wurde bisher von der Forschung nur in Einzelaspekten behandelt, die es nun zusammenzuführen und zu prüfen gilt. Eine solche grundsätzliche Auseinandersetzung mit Becmann und seinen Schriften im Kontext der durch eine Krise des Zeitgeistes charakterisierten Epoche ist bislang noch nicht erfolgt. Nur eine vorläufige zusammenfassende Einordnung von Biographie und Werk Becmanns hat W. E. J. Weber im Jahr 2008 vorgelegt, wobei er jedoch eine bislang fehlende „eingehende Gesamtwürdigung und Epochenzuordnung“ konstatiert. Die vorliegende Arbeit will dieses Desiderat aufgreifen und Fehlstellen in Leben und Werk Becmanns erhellen.